Raymond Bär: «Opfer will man um jeden Preis»

Der Präsident von Julius Bär sprach an der GV über Mut und Unmut, über die die Chancen der Abgeltungssteuer und die Medienmeute im Fall Hildebrand.

Raymond.BaerIn seiner letzten Präsidialansprache machte Raymond J. Bär das Verhältnis von Mut zu Unmut in der Schweiz zum Thema: «Von Ersterem haben wir immer weniger, Zweiterer nimmt dagegen Überhand», sagte der scheidende Verwaltungsratspräsident an der heutigen Generalversammlung von Julius Bär.          

Er forderte die Schweizer dazu auf, das Risiko wieder weniger als Gefährdung und mehr als Chance wahrzunehmen. Dabei nahm Bär die Zweitwohnungsinitiative zum Beispiel: Hier hätten die Stimmbürger wieder mal ihre Rolle als Kontrollorgan im Staat wahrgenommen – ein Zeichen des Mutes. Eine Lektion daraus: «Gerade wir Wirtschaftsvertreter sollten uns im Hinblick auf unser Tun vergegenwärtigen, dass die oberste Macht im Land wieder verstärkt das Primat der Politik im Verhältnis zur Wirtschaft reklamiert.»

«Ätzend und aggressiv»

Als Beispiel dafür, dass der Unmut – im Gegensatz zum Mut – im Überfluss vorhanden sei, nannte Bär den Rücktritt von Philipp Hildebrand.  «Die Berichterstattung war ätzend und aggressiv wie nie zuvor», so der Bär-Präsident. «Längstens ist die amerikanische Beweislastumkehr auch in der Schweiz angekommen.» Die Jagd nach medialen Schlagzeilen werde noch angefacht «durch den Drang einer selbstgerechten Meute, die Blut geleckt hat. Das Opfer, auf welches man Anspruch erhebt, will man um jeden Preis.»

Unter dieser Dauerempörung leide das Milizsystem – denn gerade dieses wäre ja auf Persönlichkeiten angewiesen, die sich engagieren, exponieren und profilieren. Wenn nun die Massstäbe, mit denen Spitzenexponenten gemessen werden, «auf Höhen angesetzt werden, bei denen qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten nicht mehr bestehen können», so müsse dies kritisch hinterfragt werden.

Das Bankgeheimnis ist Geschichte

Mut forderte Bär auch bei der Zukunftsplanung des Finanzplatzes Schweiz.  Noch habe man ein gutes Stück Vergangenheitsbewältigung vor sich. «Das Bankgeheimnis, wie wir es gekannt haben, ist Geschichte»

In der jetzigen Situation dränge sich das Abgeltungssteuermodell als Antwort auf, «denn der oft leichtfertig geforderte freie Informationsaustausch stellt keine Lösung für die Aufarbeitung der Vergangenheit dar. Ein Informationsaustausch ohne Berücksichtigung der historischen Dimension wäre eine Scheinlösung für die Aufarbeitung der Vergangenheit und würde in erster Linie dazu führen, dass Geld und Arbeitsstellen Europa verlassen.»

Der Ruf der Schweiz nähme Schaden

Denn der gute Ruf der Schweiz als verlässlicher Geschäftspartner nähme Schaden, wenn der Kunde kein standardisiertes Verfahren zur Regelung der Vergangenheit erhalten würde.

Andererseits dürfte die Öffentlichkeit nun erwarten, dass die Branche eine nachhaltige Lösung erarbeite: «Als Vertreter der Finanzwirtschaft habe ich Verständnis für den wachsenden Unmut der Politik, ständig mit Themen des Finanzplatzes konfrontiert zu werden und damit andere Verhandlungsbereiche vernachlässigt zu sehen», sagte Bär.

Branche muss ins Vertrauenskapital investieren

Doch Schuldzuweisungen seien nun nicht zielführend. Gesucht seien nun Spielregeln, mit denen es möglich ist, weiterhin in der Champions League der Finanzplätze mitzuspielen.

Bei der Einführung einer Weissgeldstrategie müsste die Zielsetzung eigentlich klar sein, von links bis rechts: «Globale Standards sollen übernommen werden. Darüber hinausgehende schweizerische Kriterien sind insofern zu tolerieren, als sie es uns ermöglichen, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu setzen. In der Summe dürfen diese strengeren schweizerischen Kriterien jedoch nicht dazu führen, dass wir Arbeitsplätze mit einer hohen Wertschöpfung ins Ausland verlagern.»

Grundsätzlich gab sich Raymond J. Bär dabei optimistisch: Die Schweiz habe bestmögliche Voraussetzungen, die Probleme zu meistern. «Stabilität, Offenheit und Vertrauen sind die drei tragenden Säulen der Prosperität in der Schweiz. Besonders wir Finanzinstitute sollten durch Offenheit in Bezug auf die Anliegen des Staates und der breiten Bevölkerung wieder vermehrt in unser Vertrauenskapital investieren, von dem wir in den letzten Jahren gezehrt haben.»

• Die gesamte Rede von Raymond J. Bär finden Sie hier.

 

 

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