Nach Rekordergebnis: Die Ansage von EFG-CEO Giorgio Pradelli

Man kann es auch so sagen: EFG International präsentiert einmal mehr erfreuliche Zahlen. Das Institut ist diesbezüglich in den vergangenen Jahren zu einem sicheren Wert geworden. 

2025 war keine Ausnahme. Im Kurzdurchlauf: Rekordgewinn von 325,2 Millionen Franken, Rekorddividende von 0.65 Franken je Aktie, Netto-Neugelder von 11,3 Milliarden Franken und verwaltete Vermögen auf Rekordhoch von 185,0 Milliarden Franken; die detaillierten Zahlen gibt es hier

Der Kommentar von CEO Giorgio Pradelli im Gespräch mit finews fällt angesichts der vielen Rekordwerte vergleichsweise nüchtern aus: «Wir haben Fortschritte gemacht.»

Altlasten: «Grossteil bald bereinigt»

Der Gewinn hätte 2025 noch höher ausfallen können, wären da nicht die Altlasten. EFG nahm deswegen im vergangenen Jahr Rückstellungen vor. «Ein solches Erbe ist für ein Management nie schön, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie noch aus der Zeit vor der globalen Finanzkrise stammen. Doch den Reingewinn hat dies unter dem Strich um 14 Millionen geschmälert», sagt Pradelli. 

Er zeigt sich zuversichtlich, dass ein Grossteil der Altlasten bald bereinigt werden kann. Ein Erfolg verbuchte EFG im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Lebensversicherungsexponierung; der Buchwert sank auf 262,9 Millionen Franken (Ende 2024: 363,9 Millionen Franken). Entsprechend erwartet EFG künftig einen deutlich reduzierten Einfluss dieser Versicherungspolicen auf die Zahlen.

Fall in Grossbritannien soll noch dieses Jahr erledigt sein

Zudem brachte ein Vergleich in einem abgeschlossenen Rechtsfall einen Gewinn von 45,4 Millionen Franken. 

Und beim Zivilverfahren im Vereinigten Königreich hofft Pradelli auf eine Lösung im laufenden Jahr: Ein Urteil dürfte im Sommer gefällt werden. EFG hatte in diesem Zusammenhang 2025 eine Rückstellung gebildet, die den Nettogewinn um 59,5 Millionen Franken belastete.

«Sind attraktive Adresse für Topteams»

EFG hat im vergangenen Jahr auch wieder eifrig Kundenberater eingestellt: 79 neue CROs wurden willkommen geheissen oder sagten ihren Eintritt zu (ohne Shaw and Partners). Zusätzlich kamen 67 CROs durch die Akquisitionen von Cité Gestion und ISG hinzu. Per Ende 2025 beschäftigte EFG weltweit 763 CROs (Ende 2024: 703).

Mit total 146 neuen Kundenberater war 2025 ein Ausnahmejahr; das Institut hatte am Investor Day erklärt, jährlich zwischen 70 und 80 CROs zu akquirieren. 

Die absoluten Zahlen sind für Pradelli nicht entscheidend. Viel wichtiger ist ihm die Qualität der CROs. «Es bringt uns nichts, wenn wir Kundenberater einstellen und uns kurz darauf wieder trennen müssen, weil es nicht passt. Wir sind an langfristigen Engagements interessiert», sagt er. Diesbezüglich sieht er seine Bank gut auf Kurs: «Wir haben beim Rekruting deutliche Fortschritte erzielt. Wir sind heute eine attraktive Adresse für Top-Teams. Vor fünf Jahren war dies noch nicht unbedingt in dem Ausmass der Fall», sagt er. 

Tiefer Dollar macht zu schaffen

Pradelli zeigt sich für das laufende Jahr zuversichtlich. Insbesondere erwartet er, dass die jüngsten Akquisitionen – Cité Gestion und Investment Services Group ISG – zusätzliche Erträge generieren; im vergangenen Jahr stiegen die durchschnittlichen verwalteten Vermögen pro CRO um 4 Prozent auf 363 Millionen Franken.

Angesichts der geopolitisch unsicheren Lage wertet er das Verhalten der Investoren als erfreulich. Mehr Sorgen bereiten ihm dagegen der schwache Dollar sowie das Zinsumfeld: «Wir müssen uns wegen der Zinsen mehr auf das Kommissionsgeschäft fokussieren.»

Capital Group war erst der Anfang 

Einen Tag vor der Präsentation der Jahreszahlen gab EFG die strategische Partnerschaft mit Capital Group bekannt. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung, Co-Kreation und Distribution von Anlagelösungen und damit eine weitere Stärkung des offenen Produktangebots von EFG. 

Für Pradelli war dies der logische Schritt: «Wir arbeiten schon länger mit Capital Group zusammen. Es lag also auf der Hand, diese Kooperation zu vertiefen.»

Dabei soll es nicht bleiben. Pradelli: «Wir haben eine offene Architektur und streben in den kommenden zwei Jahren weitere solche Partnerschaften an», erläutert er.  Das Ziel ist klar: EFG will seinen Kunden noch bessere und massgeschneiderte Produkte anbieten können. Pradelli: «Wir wollen für unsere Kunden Mehrwert generieren.»