Mit der neuen Partnerschaft zweier Genfer Finanzinstitute entsteht ein neues Geschäftsmodell: Eine Privatbank und ein unabhängiger Vermögensverwalter spannen zusammen – und sehen in der weiteren Konsolidierung zusätzliche Wachstumschancen.

Die Schweizer Bankengruppe Reyl, die seit Mai 2021 von der italienischen Intesa-Sanpaolo-Gruppe kontrolliert wird, und der unabhängige Vermögensverwalter 1875 Finance spannen zusammen, wie einer Mitteilung vom Donnerstag zu entnehmen ist.

Dabei wird Reyl eine 40-prozentige Beteiligung an 1875 Finance erwerben. Die Mitgründer von 1875 Finance, Olivier Bizon, Paul Kohler, Aksel Azrac und Jacques-Antoine Ormond, werden gemeinsam die Kontrolle über 1875 Finance mit einem Anteil von 60 Prozent behalten, Sie wollen sich auch weiterhin voll für die langfristige Entwicklung des 2006 gegründeten Unternehmens einsetzen, wie weiter zu erfahren war.

Überraschender Abgang

Als Teil der Transaktion werden die Genfer Institute eine Geschäftspartnerschaft eingehen, in deren Rahmen Reyl als bevorzugter Partner für 1875 Finance und dessen Kunden für Produkte und Anlagelösungen in den Bereichen Wealth Management, Asset Management, Corporate Advisory & Structuring und Asset Services agieren wird, wie es weiter hiess.

Damit sollen dem Vernehmen nach Skaleneffekte und neue Wachsstumschancen entstehen, was wiederum das Multi-Custody- und Wealth-Management-Geschäft von 1875 Finance stärken soll. Der Genfer Vermögensverwalter, der auch als Multi-Family-Office fungiert, ist ebenfalls in Zürich vertreten, wo er unlängst den Abgang des Managing Partners Filippo Taddei beklagen musste, wie finews.ch unlängst berichtete.

In Zürich profitabel

Ein Sprecher von 1875 Finance erklärte auf Anfrage, dass der Standort Zürich ein Front-Office sei, während die rückwärtigen Dienste aus Genf bezogen würden. Vor diesem Hintergrund sei man auf eine kritische Grössse nicht angewiesen. Aktuell verwalte man in Zürich rund 1 Milliarde Franken an Kundengeldern und sei profitabel. Insgesamt sind in der Limmatstadt zehn Personen für 1875 Finance tätig.  

Präzedenzfall in der laufenden Konsolidierung

Mit der Hilfe von Reyl könnte der Standort einen Ausbau erfahren, beispielsweise mit einem Italien-Desk, dank der Nähe nun zu Intesa Sanpaolo. Die Partnerschaft, die noch von der Finma genehmigt werden muss, soll Reyl und 1875 Finance in die Lage versetzen, im Zuge der anhaltenden Konsolidierung auch unter unabhängigen Vermögensverwaltern in der Schweiz eine aktive Rolle zu spielen, wie von den beiden Unternehmen zu erfahren war.

«Diese Transaktion ist ein Präzedenzfall in der laufenden Konsolidierung des Sektors und zeigt, dass Banken und unabhängige Vermögensverwalter innovative Partnerschaften eingehen können, bei denen beide Parteien von vielfältigen Wachstumsmöglichkeiten für ihre jeweilige Kundenbasis profitieren, ohne ihr Geschäftsmodell, ihre Managementautonomie oder ihre Franchise aufzugeben», sagte François Reyl, CEO der gleichnamigen Gruppe. «Wir freuen uns über diese strategische Partnerschaft mit einem etablierten Marktführer, der ein Vermögen von mehr als elf Milliarden Franken verwaltet.»

Weitere Akquisitionen im In- und Ausland

«1875 Finance wird ein unabhängiger Vermögensverwalter bleiben, der von der Finma reguliert wird und die Möglichkeit hat, sowohl organisch als auch durch Akquisitionen in der Schweiz und im Ausland zu wachsen, mit der Unterstützung unseres neuen Aktionärs», sagte wiederum Paul Kohler, CEO und Gründungspartner von 1875 Finance.

Die 1973 gegründete Reyl-Gruppe ist international präsent. Mit mehr als 250 Mitarbeitenden verwaltet sie rund 20 Milliarden Franken an Kundengeldern. Mitsamt den Private-Banking-Depots von Intesa-Sanpaolo sind es sogar 25 Milliarden Franken.