Blaupause Schweiz: Erfolgsmodell lässt sich auf andere Länder übertragen

Europa gilt als kranker Mann der Weltwirtschaft: Investitionslücke, Technologierückstand, geringes Wachstum. Doch Jan Mischke, Partner beim McKinsey Global Institute, hält im finews-Podcast bewusst dagegen. Das Buch «A Century of Plenty», bei dem er als Autor mitwirkte, ist ein Plädoyer für wirtschaftlichen Optimismus.

«Wir sollten uns weniger auf die Schwere der Erkrankung fokussieren, sondern konstruktiv fragen: Was kann der Arzt tun?», sagt Mischke im Podcast. Der Befund sei klar: Während Europa und die USA 2010 bei den Unternehmensinvestitionen noch gleichauf lagen, hätten sich amerikanische Unternehmen seither um 700 Milliarden Dollar abgesetzt – vor allem in Technologie und Energie. «Da sind die USA Europa enteilt – und das erklärt einen grossen Teil unserer heutigen Wachstumsschwäche.»

Hoffnungsschimmer Private Equity

Doch das Buch will nicht diagnostizieren, sondern therapieren. Mischke betont: «Europa hat kein Kapitalproblem. Europa ist ein Nettoexporteur von Kapital.» Die eigentliche Herausforderung liege darin, dieses Kapital wieder in europäische Ideen, Unternehmen und Skalierung zu lenken.

Ein Hoffnungsschimmer: Private Equity. Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres flossen rund 300 Milliarden Euro nach Europa. «Investoren sagen uns in Gesprächen, dass Europa attraktiv ist.»

Die Schweiz als Vorzeigemodell

Im Buch dient die Schweiz als Benchmark für möglichen Wohlstand. Nicht aus Patriotismus, sondern aus analytischen Gründen: «Die Schweiz ist eines der wohlhabendsten Länder der Welt, mit hoher Sicherheit, sozialem Frieden und Lebensqualität. Ein Referenzpunkt, den sich viele vorstellen können.» Die provokante These: Jedes Land könne dieses Niveau erreichen. «Das Ziel ist bewusst ambitioniert – aber analytisch erreichbar, wenn die Länder die richtigen Entscheidungen treffen.»

Auch für die Schweiz selbst ist der Status quo laut Mischke kein Selbstläufer: «Stillstand ist keine Option. Bis 2100 sprechen wir von einer möglichen Verdreifachung des heutigen Einkommensniveaus – das erfordert Reformbereitschaft.» Mischke nennt unter anderem Urbanisierung, Wohnungsbau und die Attraktivität für internationale Headquarter als zentrale Stellhebel.

Warum «A Century of Plenty» am World Economic Forum auf so grosses Echo stiess, weshalb Politiker und Bildungsminister das Buch weiterreichen und warum schon wenige mutige Unternehmen genügen könnten, um einen ganzen Kontinent zu drehen, erklärt Mischke im Podcast. 

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