Schweizer KMU: Rekord bei den Übernahmen aus dem Ausland

Nach zwei rückläufigen Jahren hat sich der M&A-Markt für Schweizer KMU 2025 wieder deutlich erholt, schreibt Deloitte in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 208 Fusionen und Übernahmen abgeschlossen, was einem Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit folge der Schweizer KMU-Markt dem globalen Trend einer spürbaren Belebung.

Deloitte definiert KMU als Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 10 Millionen Schweizer Franken, weniger als 250 Beschäftigten und einem Unternehmenswert zwischen 5 und 500 Millionen Schweizer Franken.

Ausländer kaufen kräftig zu

So ist es nicht allzu überraschend: Ausländische Käufer trieben zuletzt den Markt an und waren für die Hälfte aller Transkationen verantwortlich: Die Zahl der Inbound-Deals, also Übernahmen von Schweizer KMU durch ausländische Unternehmen, stieg um 65 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 104 abgeschlossenen Transaktionen. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung durch Deloitte im Jahr 2013. 2022 waren es 91 ausländische Käufer bei total 216 Deals, ein Jahr später nur noch 60 von 196 Transaktionen mit Schweizer KMU.

 

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«Die Schweiz profitiert in einem unsicheren globalen Umfeld von ihrer wirtschaftlichen Stabilität, ihrer Innovationskraft und ihrer starken Position in spezialisierten Nischenmärkten», sagt Kristina Faddoul, Leiterin Strategy, Risk & Transactions Advisory bei Deloitte Schweiz zu dieser jüngsten Entwicklung. Besonders europäische Investoren sind laut Studie an Schweizer KMU interessiert: Sie sind für mehr für über 80 Prozent der Inbound-Transaktionen verantwortlich. 

Frankreich nun vor Deutschland

Im vergangenen Jahr kam es zu auffälligen Verschiebungen: Französische Käufer stellten mit 27 Prozent erstmals die grösste Gruppe der ausländischen Investoren dar und überholten Deutschland mit 19 Prozent. Stark zugelegt haben auch Investitionen aus dem restlichen Europa (total 31 Prozent), darunter vor allem aus den nordischen Ländern, deren Anteil auf 13 Prozent anstieg.

Gleichzeitig zeigten die Daten ein klares Minus bei den Übernahmen durch US-Käufer, die 2025 nur noch 8 Prozent ausmachten. «Der Rückgang amerikanischer Käufer um mehr als die Hälfte ist bemerkenswert. Der schwache Dollar gegenüber dem Schweizer Franken sowie die US-Zollpolitik machten Transaktionen teurer und unsicherer», sagt Kristina Faddoul.

Leicht mehr Schweizer Deals

Die rein inländischen Transaktionen (Domestic) konnten sich 2025 wieder ein wenig erholen. Die Zahl der Übernahmen zwischen Schweizer KMU stieg um 10 Prozent auf 53. Damit bleibe die Zahl zwar unter den Höchstständen früherer Jahre, signalisiert jedoch ein anhaltendes Vertrauen der Unternehmen in den heimischen Markt. Mit 73 Deals zwischen Schweizer Firmen war 2021 ein kleiner Rekord aufgestellt worden, danach fiel die Zahl der Transaktionen bis auf 48 zurück.

Schweizer KMU halten sich im Ausland zurück

Laut Deloitte ging die Zahl der Outbound-Transaktionen, also Fusionen und Übernahmen im Ausland, in denen Schweizer KMU als Käufer auftreten, deutlich zurück. Mit nur noch 51 Transaktionen lag das Volumen gleich um 25 Prozent unter dem Vorjahr. «Besonders stark betroffen war die Life-Sciences-Branche, wo 2025 keine einzige Akquisition verzeichnet wurde, sowie die produzierende Industrie mit einem Rückgang um 50 Prozent», heisst es dazu.

Private Equity als Wachstumsmotor

Private Equity hat sich gemäss der Studie zum wichtigsten Treiber des Schweizer M&A-Markts entwickelt und spielte 2025 eine Schlüsselrolle. Insgesamt waren Finanzinvestoren an 116 Transaktionen beteiligt – ein Anstieg von 45 Prozent gegenüber 2024. Damit entfielen 56 Prozent aller Transaktionen auf Private-Equity-getriebene Investitionen. 

Für die nahe Zukunft sei mit einer weiteren Belebung der M&A-Aktivitäten mit einem noch stärkeren Europa-Fokus zu rechnen. Kristina Faddoul: «Die Vorzeichen für 2026 stehen gut: Ein tiefes Zinsumfeld, viel Investitionskapital bei Private Equity und innereuropäische Investitionen sprechen für noch mehr Transaktionen. Geopolitische Risiken und Handelsbarrieren bleiben aber grosse Unsicherheitsfaktoren.»