Britischer Asset Manager will Schweizer Markt vom aktiven Investieren überzeugen
Erfolg wirkt anziehend. Die Schweiz mauserte sich in den vergangenen Jahren hinter Grossbritannien und Frankreich zum drittgrössten Vermögensstandort in Europa (Marktanteil 11,2 Prozent). Dies liess die Zahl ausländischer Asset Manager ansteigen.
Das jüngste Beispiel ist Liontrust: Der Asset Manager ist seit Spätherbst 2025 in Zürich vertreten. Die Briten wollen sich mit einem bewusst differenzierten Investmentansatz hierzulande positionieren.
«In einem Umfeld, das von hoher Marktkonzentration, geopolitischer Unsicherheit und strukturellen Umbrüchen geprägt ist, sind wir überzeugt, dass wir mit unserem Ansatz für professionelle Schweizer Investoren, die nach robusten, wiederholbaren Renditequellen suchen, ein Thema sind», sagt Oscar Andreu, Head of Distribution Switzerland bei Liontrust.
Keine klassische «House View»
Der britische Asset Manager positioniert sich als reiner aktiver Vermögensverwalter. Das Geschäftsmodell ist klar fokussiert: Liontrust setzt auf überzeugungsbasiertes, benchmark-agnostisches Investmentmanagement mit einem langfristigen Anlagehorizont. Damit grenzt sich das Unternehmen klar von globalen Universal-Managern mit starkem Passiv- oder ETF-Anteil ab.

Von links: Donald Philipps und Oscar Andreu. (Bilder: zVg)
Kern des Modells sind acht autonome Investmentteams, die jeweils einen klar definierten, wiederholbaren Investmentprozess verfolgen. Liontrust organisiert sich damit team- statt produktzentriert. Es gibt keine einheitliche «House View», sondern bewusst unterschiedliche, voneinander abgegrenzte Philosophien in Aktien-, Fixed-Income- und Multi-Asset-Strategien. Diese Struktur soll Alpha-Generierung ermöglichen und Abhängigkeiten von zentralisierten Investmententscheiden reduzieren.
Chance für risikoaffine Investoren
Dies zeigt sich beim High-Conviction-Ansatz. Portfolios werden ohne primäre Rücksicht auf Indexgewichtungen aufgebaut. Ziel ist es, über Marktzyklen hinweg Mehrwert zu schaffen – nicht kurzfristig Tracking Error zu optimieren.
Während bei den Anleihen die Credit Spreads (Risikoaufschläge) eng geblieben sind, liegen die laufenden Renditen im Bereich von rund 6,5 bis 7 Prozent.
Zunehmende Streuung, attraktive Hochzinsanleihen
Donald Phillips, Leiter Credit (Obligationen) im Multi-Asset-Team, erwartet, dass die Credit Spreads bleiben werden. «Dies bedeutet, dass eher die Erträge als eine Verengung der Spreads der dominierende Renditetreiber sein dürften», sagt er. In diesem Umfeld bleibe ein aktives Management entscheidend, um die zunehmende Streuung zu bewältigen. «Längerfristig, beispielsweise über einen Zeithorizont von fünf Jahren, sind wir der Ansicht, dass Hochzinsanleihen langfristige, aktienähnliche Renditen erzielen können, wobei das Drawdown-Risiko nur einen Bruchteil beträgt», sagt er.
Für Schweizer Marktteilnehmer ist Liontrust damit vor allem als spezialisierter aktiver Manager relevant – nicht als Volumenanbieter. Das Unternehmen eignet sich insbesondere für Investoren, die bewusst aktive Risiken eingehen wollen und klare, nachvollziehbare Investmentphilosophien suchen. Gleichzeitig ist das Modell zyklischer als bei passiv geprägten Anbietern: In Phasen schwacher relativer Performance oder anhaltender Mittelzuflüsse in Indexprodukte steht Liontrust stärker unter Druck.















