Ferrari fährt erstmals vollelektrisch
Die Ankündigung kam schon länger, mit einer Scheibchen-Strategie zeigten die Italiener der Branche erst die einzelnen Bauteile, dann das Design des Cockpits. Am Pfingstmontag folgte die lang erwartete Präsentation es ersten Ferraris ohne klassischen Motor mit Namen «Luce» für Licht.
«Es ist das Ergebnis von fünf Jahren Arbeit», erklärte Firmenchef Benedetto Vigna bei der spektakulären Vorstellung vor mehr als 200 Journalisten in Rom. Doch die erste Reaktion an der Börse war brutal, die Aktien des Luxussportwagenbauers rutschen in Mailand am Dienstag um rund sechs Prozent ab. Laut einem Händler vor Ort enttäuschte das Design die Investoren. «Für sie ist das kein Ferrari», sagte er.
Schon vergangenen Oktober kam es zu einem heftigen Kurszerfall bei den Papieren. Ferrari hatte angekündigt, die Ziele für den Umstieg auf Elektrowagen zu halbieren. Bis 2030 sollen es noch 20 statt 40 Prozent Anteil an Batterie-Autos sein.
Das passt zu anderem Meldungen aus der Branche: Lamborghini hat sein erstes reines Elektroprojekt verschoben, Porsche kämpft mit einer schwächeren Nachfrage nach dem Taycan, und selbst im Luxussegment nimmt die Skepsis gegenüber vollelektrischen Sportwagen zu. Ferrari setzt dennoch bewusst auf die Elektrifizierung – allerdings ohne sich vollständig vom klassischen Verbrenner zu verabschieden.
Erstmals als Fünfsitzer
Der «Luce» ist kein umgebautes Verbrennermodell, sondern basiert auf einer komplett neu entwickelten Elektroplattform. Vier Elektromotoren liefern zusammen über 1000 PS und beschleunigen den Wagen in rund 2,5 Sekunden auf Tempo 100. Die Reichweite liegt laut Ferrari bei mehr als 500 Kilometern. Mit fünf Sitzen und einem vergleichsweise grossen Kofferraum positioniert Ferrari den «Luce» zudem deutlich alltagstauglicher als viele bisherige Modelle der Marke.
Für internationale Aufmerksamkeit sorgt auch die Zusammenarbeit mit den Designern Jony Ive und Marc Newson. Beide arbeiteten früher in leitender Position bei Apple. Anders als viele Elektroautohersteller verzichtet die Marke auf eine radikale Touchscreen-Philosophie und setzt stattdessen bewusst auf haptische Bedienung.
Bleibt noch der (fehlende) Sound. Ferrari hat sich hier für einen neuen Weg entschieden: Der Luce fährt mit dem Sound seines Elektromotors – und versucht gar nicht erst, das Geräusch eines klassischen Verbrennungsmotors nachzuahmen. Auf Wunsch des Fahrers könne der Sound des Antriebsstrangs, so Ferrari, wie bei einem Gitarrenverstärker in den Innen- und Aussenraum übertragen werden.
Nur ein teurerer Tesla oder echte Rarität?
Die Reaktionen bei der Vorstellung des Luce in Rom sind laut Handelsblatt zweigeteilt: Viele zeigen sich vom neusten Ferrari überzeugt – andere meinen, dass ein Ferrari ohne Verbrennermotor nur ein teurerer Tesla ist.
Stephen Reitman von der Investmentbank Bernstein sagt gegenüber dem Handelsblatt: «Wer sagt, dass es nur ein echter Ferrari ist, wenn er einen V12-Motor hat, der verkennt, dass es den Kunden von Ferrari im Kern um Exklusivität geht.» Die Italiener hätten im vergangenen Jahr rund 13’700 Autos produziert, während es bei beispielsweise bei Porsche 280’000 Fahrzeuge waren. «Ferrari-Käufer wollen diese Exklusivität», sagt Reitman.
Ferrari hat zwar noch keine Details zu Stückzahlen veröffentlicht. Doch Experten geht davon aus, dass die Anzahl deutlich geringer sein wird als bei den typischen Serienmodellen, bei denen weniger als 9000 Einheiten über einen Zyklus von 15 Quartalen üblich seien. «Der Luce wird eine echte Rarität sein und sich allein deshalb verkaufen», sagt Reitman.














