Migration der Superreichen: Die Dominanz Europas schwindet

Am Dienstag veröffentlichte Henley & Partners die diesjährige Neuauflage des «Residence and Citizenship Programs»-Reports. Erneut landen europäische Länder an der Spitze: Malta belegt im Index für Staatsbürgerschaftsprogramme («citizenship by investment») zum elften Mal in Folge den ersten Platz (vor Österreich), während Griechenland das Ranking der Aufenthaltsprogramme («residence by investment») vor Italien und der Schweiz auf Platz 2 anführt. Die Schweizer Platzierung reflektiert die kantonalen Modelle der Pauschalbesteuerung für vermögende Zuzüger.

Die weltweite Beweglichkeit der Multimillionäre sowie grenzüberschreitende Domizil- und Steuerplanung sind zunehmend wichtige Phänomene, die auch das Wealth Management betreffen. Insofern ist der Bericht erkenntnisreich, denn er bringt ein gewisses Mass an Struktur und vergleichende Transparenz in ein Geschäftsfeld, das häufig intransparent, politisch sensibel und schwer fassbar ist.

Ein angebotsseitiges Ranking

Gleichwohl ist zu betonen, dass der Index eine angebotsseitige Bewertung vornimmt. Er analysiert Programme anhand objektiver Kriterien wie Investitionsschwellen, Verfahrensstandards, Compliance-Rahmenbedingungen sowie der generellen Attraktivität des jeweiligen Landes.

Nicht berücksichtigt werden hingegen die tatsächliche Nachfrage oder die effektiven Bewilligungszahlen. Ein Spitzenrang bedeutet folglich nicht zwingend, dass eine bedeutende Zahl von Personen in den Genuss der Vorteile eines Programmes kommen kann oder kommt.

Malta: Vom Massenprogramm zum Merit-Modell

Malta verteidigt seine Führungsposition unter wesentlich veränderten Rahmenbedingungen gegenüber früheren Jahren. Nach einem  Urteil des Europäischen Gerichtshofs wurde das frühere «By investment»-Programm faktisch in ein deutlich enger gefasstes «Citizenship by merit»-Modell überführt.

In Branchenkreisen sind die Erwartungen entsprechend zurückhaltend. Statt jährlich Hunderte von Gesuchen zu bearbeiten, dürfte sich der maltesische Weg zu einem sehr selektiven Mechanismus entwickeln, mit lediglich fünf bis zehn Einbürgerungen pro Jahr. In dieser Hinsicht könnte das Modell zunehmend dem exklusiven Verfahren in Österreich ähneln, wo Bewilligungen selten, ermessensabhängig und strategisch bedeutsam sind.

Österreich: Kleine Personenzahl, hohe Wertschöpfung

Henley & Partners agierte zur Blütezeit des maltesischen Programms als zentraler Partner des Landes. Heute gilt das Unternehmen mit Hauptsitz in Zürich im Markt als führender Intermediär im österreichischen Segment, das sich durch eine kleine Personenzahl, aber hohe Wertschöpfung auszeichnet.

Die Schlussfolgerung: Malta mag im qualitativen Vergleich weiterhin den Spitzenrang einnehmen. Der praktische Fussabdruck des Programms hat sich jedoch von einem volumengetriebenen Modell zu einem eher exklusiven Instrument verschoben.

Dubai steigt auf, neue Akteure gewinnen an Gewicht

Die markanteste Bewegung im Ranking der Aufenthaltsprogramme verzeichneten die Vereinigten Arabischen Emirate, die deutlich zulegen und in die Spitzengruppe aufrücken. Insbesondere Dubai hat sich als Drehscheibe für global mobile Unternehmer, Family Offices und Investoren im Krypto-Bereich positioniert.

Auch Jurisdiktionen wie Singapur, Uruguay oder Saudi-Arabien gewinnen an Boden. Dies unterstreicht die geografische Diversifizierung im Wettbewerb um attraktive Aufenthaltsprogramme.

Die Qualitätsunterschiede bei Aufenthaltsprogrammen

Der Vergleich von Aufenthaltsprogrammen ist womöglich noch komplexer als bei den Staatsbürgerschaften. Manche Staaten gewähren unmittelbar eine permanente Aufenthaltsbewilligung. Andere offerieren lediglich befristete, verlängerbare Arrangements. Einige Programme folgen strikt regelbasierten Kriterien, während andere – etwa Singapur – den Behörden zusätzlich erheblichen Ermessensspielraum beim endgültigen Entscheid beimessen.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist, wie leicht ein Aufenthaltsstatus einen glaubwürdigen und planbaren Weg zur Staatsbürgerschaft und damit zum Pass ebnet. In gewissen Ländern stellt der Aufenthalt klar den ersten Schritt zu einer Einbürgerung innerhalb definierter Fristen dar. In anderen ist der Übergang von der Aufenthaltsbewilligung zur Staatsbürgerschaft deutlich ungewisser.

Mit anderen Worten: Zwei Programme können im formalen Scoring nahe beieinanderliegen – und dennoch recht unterschiedliche Grade an langfristiger Sicherheit für eine internationale Planung bieten.

Europa führt, aber nicht unangefochten

Europa bleibt attraktiv, nicht zuletzt aufgrund seiner Rechtssicherheit, des visa-freien Zugangs zum Schengen-Raum sowie seiner Lebensqualität. Doch die relative Dominanz nimmt ab, da Staaten im Nahen Osten, im asiatisch-pazifischen Raum und in Lateinamerika selbstbewusster um global mobiles Kapital und unternehmerisches Talent werben.

Für vermögende Familien und ihre Berater zeigen die Rankings 2026 einen dynamischen globalen Wettbewerb der Staaten um Unternehmer, Steuerbasis und strategische Investoren.