Griechenland: Ein «upgrade» mit unbekannten Folgen
Seit der Euro-Krise betrachtete der wichtige Indexbetreiber Griechenland als Schwellenland. Seitdem sind griechische Aktien «nur» im MSCI Emerging Markets enthalten, nicht aber im MSCI World. Doch die Börse in Athen entwickelte sich sehr positiv und überzeugte vor allem im vergangenen Jahr mit einer sehr starken Performance.
So legte der MSCI Greece Index 2025 inklusive Dividenden um mehr als 60 Prozent zu. In den vergangenen vier Jahren hat sich der Index verdreifacht. Insbesondere die Banken, die im griechischen Index hoch gewichtet sind, profitieren vom stabilen wirtschaftlichen Umfeld.
Viele Beobachter gehen daher davon aus, dass ein Upgrade erfolgen wird. Die Umsetzung soll dann bis August geschehen. Das gilt als ein Vertrauensvotum für das Land, dass sich wirtschaftlich enorm stark erholt hat. So kündigte etwa der Indexbetreiber FTSE Russel bereits für September eine Heraufstufung Griechenlands zum Developed Market an. Auch Stoxx führt Griechenland auf einer Beobachtungsliste für ein Upgrade in diesem Jahr.
Immer noch sehr klein
Gelingt der Börse in Athen der Aufstieg zu den entwickelten Märkten, werden griechische Aktien auch für institutionelle Anleger handelbar, die bislang nicht in Schwellenmärkte investierten. Aus diesem Grund gehen einige Experten von zusätzlichen Kapitalzuflüssen aus. Auf der anderen Seite werden wohl Schwellenländer Fonds ihre Anteile in Griechenland abstossen. Analysten der britischen Grossbank HSBC schreiben dazu: «Schwellenmarkt-Fonds werden gezwungen, griechische Aktien zu verkaufen, während Fonds für Industrieländer den griechischen Markt aufgrund seiner geringen Grösse wahrscheinlich weitgehend ignorieren werden.»
Aktuell hat der MSCI Greece unter den Schwellenmärkten ein Gewicht von 0,57 Prozent. Bei einer Heraufstufung zum entwickelten Markt würde der Anteil laut Analystenberechnungen auf bloss noch 0,06 Prozent fallen. Damit wäre Griechenland nach Portugal der zweitkleinste Markt im MSCI Europe.
Das Beispiel Israel
Die HSBC-Analysten fürchten, «dass Griechenland zu einem Teil des Universums der entwickelten Märkte werden könnte, den niemand beachtet». Dabei verweisen sie auf das Beispiel Israel: Nach der Hochstufung des Landes im Jahr 2010 ging die Gewichtung in den Indizes auf ein Zehntel zurück. In den drei Jahren nach dem Upgrade halbierte sich das Handelsvolumen an der Börse Tel Aviv.
Auch die Analysten von JP Morgan bleiben eher skeptisch. Sie sind der Ansicht, dass die viel geringere Gewichtung die Zahl der Analysten und Investoren verringern dürfte, die bislang ihre Aufmerksamkeit auf den griechischen Markt richteten.
Als positiv werten Marktbeobachter die Übernahme der Athener Börsengesellschaft Athens Exchange Group durch die Börsengruppe Euronext im vergangenen November. Die Integration in die Handelsplattform von Euronext mache griechische Aktien für internationale Fonds sichtbarer und attraktiver.














