Das Ende von «Fire and Forget» bei Strukis

Wer das Zürcher Büro von Silex unweit des Bahnhofs Enge betritt, dem fällt zuerst ein Tablar an der Wand auf. Darauf aufgereiht: getrunkene Weinflaschen, darunter viele exklusive Tropfen aus aller Welt.

«Geschmackssache – die einen lieben es, die anderen weniger», sagt Managing Partner Adrian Steinherr. Die Partner des Unternehmens seien grosse Weinliebhaber. Zum Gespräch mit finews sind er und Tino Fotsch, Sales Director in Zürich, im sportlichen Business-Look erschienen.

Vor zehn Jahren gegründet

Gegründet wurde Silex 2016 in Genf von Xavier Laborde. Die ursprüngliche Idee beschreibt Steinherr als «Independent Investment Office» für externe Vermögensverwalter und Family Offices. Bald aber fragten Kunden, ob Silex nicht gleich die ganze Verwaltung übernehmen könne.

«Ein Vermögensverwalter wollten wir aber nicht werden. Daher haben wir den Weg gewählt, einen Asset Manager in Luxemburg zu gründen», sagt Steinherr. Für die Kunden hat das einen praktischen Vorteil: Produkte und Strategien landen als einziger Posten im Portfolio. Das Asset-Management-Anleihengeschäft in Genf mit vier Fonds hat die Gruppe dagegen vor zwei Jahren an Axiom Alternative Investments verkauft (finews berichtete).

Viele Mitarbeiter mit Derivate-Hintergrund

«Der Schwerpunkt bei strukturierten Produkten ergab sich von alleine, weil viele von uns aus dem Derivatebereich kommen», sagt Fotsch. Er selbst kam vor gut einem Jahr von Leonteq, wo er während elf Jahren als Executive Director im Bereich Structured Solutions mehrheitlich das Geschäft mit externen Vermögensverwalter mitaufbaute. Steinherr führt Silex in Zürich seit 2020. Zuvor war er neun Jahre als Managing Director in der Investment Bank der UBS in Zürich verantwortlich für das Derivategeschäft, davor arbeitete er in London für Citigroup, Nomura, Lehman Brothers und die Commerzbank.

Mit einem klassischen Broker habe man dennoch wenig gemein. «Hauptsächlich strukturieren wir unsere eigenen Markt-Convictions», sagt Steinherr. Fotsch spricht von zwei Säulen: «der menschlichen mit Research, Convictions und dem Sales und der technologischen».

«Nichts outgesourced»

Von den 100+ Mitarbeitenden arbeiten nur etwa 30 im Verkauf, der Rest auf der Investment-Seite und in nachgelagerten Prozessen, allein 13 in der Technologie. «Wir haben gar nichts outgesourced», sagt Steinherr. Das Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren mit einer engen Verteilung, für die Branche vergleichsweise hoch. «Für unsere Kunden ist es entscheidend, erfahrene und fachlich versierte Ansprechpartner zu haben.», sagt Fotsch. Der Kunde müsse seinem Gegenüber schliesslich vertrauen.

Technologisch setzt Silex auf eigene Systeme, zum Beispiel die Plattform Spark. Über sie erhalten Kunden unter anderem ein Echtzeit-Reporting ihrer strukturierten Produkte, auch solcher, die sie bei anderen Anbietern gekauft haben. Dazu kommen API-Schnittstellen zu 26 Emittenten, über die Preise automatisch und in Echtzeit eingeholt werden.

Schwerpunkte bei KI, Energie und Rohstoffen

Auf der Anlageseite verortet Steinherr das grösste Knowhow bei künstlicher Intelligenz, Energie und Rohstoffen. Derzeit empfiehlt Silex etwa, diversifiziert von der hohen Volatilität bestimmter Titel zu profitieren – durch verwaltete Strukturierte-Produkte-Mandate. «Wenn man mit solchen Convictions rausgeht, muss man dafür natürlich geradestehen.»

Bei den Aktien hat Silex 150 bis 200 Titel aus Europa und den USA unter intensiver Beobachtung. Umgesetzt werden die Strategien meist über Actively Managed Certificates (AMC), die ihrerseits aus verschiedenen strukturierten Produkten bestehen. Für einfache Long-Only-Aktien-Strategien nutzt man AMCs von Banken, «für die meisten, Multi-asset- oder Strukturierte-Produkte-Strategien, aber unser luxemburgisches Special Purpose Vehicle», so Steinherr.

Von der Coupon-Jagd zum strategischen Ansatz

Die Branche werde transparenter, sagt Fotsch: «Das Zeitalter von Produkten mit fünf Fee-Layern ist vorbei.» Retrozessionen seien in manchen Märkten zwar nach wie vor ein Thema, etwa im Nahen Osten, in Frankreich und im Mittleren Osten, «in der Deutschschweiz aber kaum noch».

Der zweite Trend: Strukturierte Produkte werden zum Portfoliobestandteil, der laufend bewirtschaftet werden will. Die opportunistische Jagd nach einem hohen Coupon (oder nach einem Kickback zum Quartalsende) habe ausgedient. «Fire and forget» sei vorbei, sagen beide. Die wichtigste Leistungskennzahl für Silex sei deshalb der Anlageerfolg der aktiven Strategien.

Das Beispiel eines Family Offices

Steinherr nennt ein Beispiel. Mit dem eigenen Spark-Tool habe er das Struki-Portfolio eines grossen Family Office über 100 Millionen Franken durchleuchtet, bestehend aus zahlreichen Reverse Convertibles. Zum Vorschein kam ein Exposure von 80 Prozent gegenüber amerikanischen Tech-Aktien und 15 Prozent gegenüber europäischen Industriewerten. «Das war dem CIO gar nicht richtig bewusst.»

Gemeinsam mit dem Kunden habe man eine breiter diversifizierte Strategie entwickelt, die das Renditeziel mit deutlich weniger Klumpenrisiko, geringerer Komplexität und tieferen Kosten erreichen soll. Bei jedem Liquiditätsereignis wird die Wiederanlage nach denselben Kriterien neu berechnet. Der Kunde spart viel Zeit und bekommt ein professionell verwaltetes Portfolio.

Kein Engagement im Verband

Im Branchenverband Swiss Structured Products Association (SSPA) ist Silex nicht aktiv, obwohl man deren Arbeit schätze. Nach der Klassifizierung des Verbands gilt Silex als Broker und ist damit von den Arbeitsgruppen ausgeschlossen. «Diese wären für uns eigentlich interessant», sagt Steinherr. Man stehe aber periodisch in Kontakt.

Steinherr kennt den Verband von innen. Als UBS-Banker sass er ab 2016 im Vorstand (finews berichtete), 2019 war er Vizepräsident und zeitweise auch Präsident. 

Euphorisches Jahr 2026

Über das laufende Jahr äussern sich beide euphorisch. Silex verzeichne zweistelliges Wachstum beim Umsatz wie beim Gewinn. Das liege auch am freundlichen Markt. «Die Rahmenbedingungen in der Struki-Industrie sind derzeit so gut, dass man sich fast anstrengen muss, um kein Rekordjahr zu erzielen», sagt Steinherr.

Bis 2030 will Silex das Volumen gegenüber 2025 verdoppeln, vor allem über den geografischen Ausbau. Die Firma weise ein «sehr positives EBIT» aus, sagt Steinherr. Reinvestiert werde stets alles ins Wachstum.

Jährliches Volumen von 5 bis 6 Milliarden Franken

Sein jährliches Volumen an strukturierten Produkten gibt das Unternehmen mit etwa 5 bis 6 Milliarden Franken an. Neben Zürich, dem Verkaufszentrum für die Deutschschweiz und Asien, ist Silex in Genf für die Romandie und den Mittleren Osten präsent, in Paris für den EU-Markt, und in Monaco für Lateinamerika.. Ein Büro in Dubai ist in Planung. Der grösste Markt bleibt die Schweiz. «Wir sind verankert im Wealth Management», sagt Fotsch.

In der Schweiz sucht Silex vor allem Leute für Verkauf und Portfoliomanagement. Entscheidend sei der kulturelle Fit. «Es geht darum, zusammen etwas zu erreichen und dabei Freude zu haben», sagt Fotsch.

Sportsgeist und ein Jubiläum

Als Beispiel für den Sportsgeist im Haus nennt er den Silex Cup in Chamonix, einen Skianlass für Kunden und Mitarbeitende. Ausserdem sponsert Silex im Rahmen des SILEX Racing Team Profiskifahrer.

Das zehnjährige Bestehen feierte die Firma kürzlich in den Carrières des Lumières in Les Baux-de-Provence, einem ehemaligen Kalksteinbruch, in dem Kunstwerke auf die meterhohen Felswände projiziert werden. Das Essen kam von Emmanuel Renaut, Dreisternekoch des Flocons de Sel in Megève. Erfolg, so zeigte uns schon das Weinregal, darf bei Silex ausgekostet werden.