Von Swissquote bis Reyl: Ex-Banker investieren in KI-Startup
Cigno wurde von Philippe Reynier (CEO), Nicolas Lagrèze (COO) und Vahan Avetisyan (CTO und Head of R&D) gegründet. Das in Genf ansässige Startup automatisiert den gesamten Beratungs-Workflow von der Recherche und Datenerhebung bis hin zu strukturierten Empfehlungen. Dieser mehrstufige Prozess bildet nach Überzeugung des Unternehmens die tatsächliche Arbeitsweise in der Unternehmensberatung ab.
Herzstück der Plattform sind ein proprietäres Reasoning-Modell und spezialisierte Agenten. Damit wollen die Gründer eine Lücke schliessen, die sie als systemisch betrachten: Generische Large Language Models sind für professionelle Beratung ungeeignet – wegen mangelhafter Ergebnisqualität, unzuverlässiger Daten, fehlender Standardisierung und Risiken für die Datensouveränität.
Schweizer Finanzplatz als Kernmarkt
Die erste Vertriebswelle von Cigno hat einen klaren Fokus. «Unsere ersten Beratungskunden verfügen über eine starke Financial-Services-Praxis in der Schweiz und Europa», sagt Reynier gegenüber finews. «Deren Endkunden sind überwiegend Schweizer und europäische Banken, Versicherer und Asset Manager. Cigno ist die KI-Infrastruktur, die es diesen Firmen ermöglicht, ihre Finance-Kunden besser und schneller zu bedienen.»
Das Startup ist als Schweizer Unternehmen mit einer souveränitätsorientierten Architektur konzipiert: europäisches Hosting, vollständige Client-Datenisolation und Compliance-Infrastruktur. Reynier bezeichnet dies als «Voraussetzung für Schweizer Finanzinstitute und die Berater, die sie betreuen».
Ex-Banker als Investoren
Die Seed-Runde über 1,5 Millionen Franken wurde ausschliesslich mit Akteuren aus Beratung, Finanzen und Technologie abgeschlossen. Zu den Investoren gehören Lino Finini, ehemaliger Group COO von Swissquote, Pasha Bakhtiar, ehemaliger Group CEO von Reyl Intesa Sanpaolo und Mitgründer der Alpian Bank, Niresh Rajah, ehemaliger Group CDO der Danske Bank, Arnaud Denis, ehemaliger Group CEO von MeDirect, Hazem Mulhim, Gründer und CEO von Eastnets, sowie der frühere Credit-Suisse-Manager Martin Mende.
«Ich habe zwanzig Jahre damit verbracht, die technologische Infrastruktur aufzubauen, die Swissquote zu einer Referenzplattform gemacht hat», sagte Finini, der auch dem Verwaltungsrat beitritt. «Was ich bei Cigno gesehen habe, ist dieselbe Disziplin: ein Team, das parallel zur Finanzierungsrunde ein echtes Produkt aufbaut.»
Als Verstärker konzipiert
Die Positionierung von Cigno ist bewusst beraterzentriert. Anders als Tools, die auf die Ausschaltung von Beratungsfirmen abzielen, ermöglicht die Plattform jedem Unternehmen, seine eigene Methodik, Branchenexpertise und Kundenhistorie in ein strukturiertes, skalierbares Asset zu überführen. Co-Design-Workshops mit rund hundert Beratungsverantwortlichen aus grossen internationalen Firmen haben die Produktarchitektur geprägt.
Reynier zieht eine Parallele zum Legal-Tech-Bereich: «Ganze Branchen erkennen, dass generische LLMs nie ausreichen werden, weil der Wert nicht im Modell selbst liegt. Er liegt in der Datenkontextualisierung, der Souveränität und der Fähigkeit, die proprietäre Methodik einer Firma zu kodieren.»
Deployments ab Juni 2026
Pilotprojekte laufen bereits in der Schweiz, Frankreich und Grossbritannien. Die Plattform wird ab Juni 2026 im Abonnement verfügbar sein, mit einer nach Umfang und Individualisierungsgrad gestaffelten Preisstruktur. Cigno bietet zudem ein «AI Readiness Assessment» an, das Firmen hilft, ihre KI-Reife zu bewerten und eine entsprechende Roadmap zu entwickeln.
Mittelfristig planen mehrere Partnerfirmen und unabhängige Berater, Cigno direkt innerhalb von Schweizer Banken für Data-and-AI-Anwendungsfälle einzusetzen. Dies als Produktionsinfrastruktur für gemischte Teams aus Beratern und internen Mitarbeitern.












