Berliner Adlon vor dem Verkauf

Das Hotel Adlon Kempinski in der deutschen Hauptstadt zählt zu den bekanntesten Luxushotels Europas und beherbergt seit jeher auch Staatsgäste, Royals und Weltstars.

Der Hotelier Lorenz Adlon eröffnete das ursprüngliche Haus am 26. Oktober 1907. Das von den Architekten Carl Gause und Robert Leibnitz errichtete Hotel galt damals als eines der modernsten und luxuriösesten Häuser Europas. Schnell entwickelte es sich zu einem Treffpunkt von Politik, Adel und internationaler Gesellschaft. Zu den bekanntesten Gästen gehörten damals der Zar von Russland, der Maharadscha von Patiala, aber auch Industrielle und Politiker wie Thomas Alva Edison, Henry Ford, John D. Rockefeller, Walther Rathenau, Gustav Stresemann oder Aristide Briand. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg endete die erste Epoche des Hotels. Ein Brand im Mai 1945 zerstörte das Gebäude weitgehend, lediglich ein Seitenflügel blieb erhalten. 1984 wurde auch der letzte Gebäudeteil abgerissen. Nach dem Mauerfall entstand von 1995 bis 1997 ein Neubau an der Stelle des früheren Hotelkomplexes. Am 23. August 1997 eröffnete Bundespräsident Roman Herzog das (neue) Hotel Adlon Kempinski. Erst ein Jahr danach folgte das Gourmet-Restaurant Lorenz Adlon.

400 Millionen Euro investiert

Das «neue» Adlon gehört zum Fundus-Fonds 31 des deutschen Immobilienunternehmers Anno August Jagdfeld. Über diesen Fonds wurde Mitte der 1990er-Jahre der Wiederaufbau des traditionsreichen Hotels finanziert. Die Investitionssumme für das Projekt lag damals bei mehr als 400 Millionen Euro, die «Fonds-Eigentümer» mussten jeweils mindestens 25'000 Euro investieren.

Nun berichtet die «Immobilien Zeitung» über den geplanten Verkauf des geschichtsträchtigen Gebäudes an prominenter Stelle. Die Gesellschafter des Eigentümerfonds stimmen derzeit über eine mögliche Veräusserung ab. Ein entsprechender Vorschlag sehe für das Hotel einen Mindestverkaufspreis von 280 Millionen Euro vor, bestätigte das Fondsmanagement.

Die Abstimmung unter den mehr als 4'000 überwiegend privaten Investoren laufe bereits seit Ende Juli und sei auf eine Dauer von vier Wochen angesetzt. Um den Verkauf zu beschliessen, sei eine Mehrheit von 75 Prozent der abgegebenen Stimmen erforderlich. Sollte die nötige Zustimmung erreicht werden, sei im Anschluss «ein strukturiertes, internationales Bieterverfahren geplant».

Seit kurzem kündbar

Als Grund für den angestrebten Verkauf nennt das Fondsmanagement zum einen die Altersstruktur der Anleger. «Nach nunmehr fast 30 Jahren, in denen das Adlon wieder existiert, ist das Gros der mehr als 4'000 Eigentümer, überwiegend Privatanleger, in einem Lebensalter, in dem sie sich von ihren Anteilen trennen wollen», sagt Christian Plöger, Sprecher der Jagdfeld Gruppe, gegenüber dem Handelsblatt.

Mit dem angestrebten Verkauf komme man dem Wunsch der Anleger am besten nach und sei damit «in der Lage, den höchstmöglichen Preis zu erzielen». Zum anderen wolle man mit dem Verkauf potenziellen Liquiditätsrisiken vorbeugen. Da die Fondsanteile seit Ende 2024 gekündigt werden könnten, drohten andernfalls finanzielle Engpässe für die Gesellschaft.

Zimmer zwischen 350 und 7'700 Euro

Plöger versichert: «Für alle Gäste und Partner des Hotels ändert sich mit dem angestrebten Verkauf vorerst nichts.» Und voll ausgebucht scheinen die insgesamt 307 luxuriösen Zimmer und 78 stilvollen Suiten derzeit nicht zu sein.

Kurzfristige Angebote gibt es «schon» ab 354 Euro pro Nacht; die teuerste, freie Suite schlägt mit Frühstück für zwei Personen dann mit 7'745 Euro zu Buche.