GZO Spital Wetzikon: Verkauf der Aktiven oder strategische Beteiligung?

Von einer umschwärmten Braut zu sprechen, wäre etwas übertrieben, aber das in Nachlassstundung stehende GZO Spital Wetzikon hat seit Montag einen zweiten Bewerber. Es handelt sich um ein Angebot der Thurmed AG an die Aktionärsgemeinden für eine strategische Beteiligung.

Wie das GZO in einer Mitteilung festhält, erlaube die Offerte eine gegenüber dem bereits seit längerem bekannten Sanierungsplan eine nochmals höhere Nachlassdividende für die Gläubiger (zu der namentlich die Obligationäre der notleidenden Anleihe über 170 Millionen Franken zu zählen sind). Das Angebot werde nun unter Aufsicht der Sachwalter (die bisher auf eine eigene Kommunikation zum neuen Angebot verzichtet haben) geprüft, das GZO und die Aktionärsgemeinden stünden mit der Thurmed im Austausch.

Anbieter im Besitz des Kantons Thurgau

Die Thurmed-Gruppe gehört zu 100 Prozent dem Kanton Thurgau, wobei sich dieser gemäss seiner Eigentümerstrategie nicht in operative und strategische Entscheide einmischt. Grösste Tochter ist die Spital Thurgau AG mit den Akutspitälern Frauenfeld und Münsterlingen, der Psychiatrie in Münsterlingen und der Rehabilitationsklinik in Diessenhofen.

Die Thurmed-Gruppe wirbt in ihrem Communiqué damit, dass bei ihrem am 10. Juli eingereichten Angebot das Spital Wetzikon wie bestehend weiterbetrieben und damit die wohnortnahe Spitalversorgung im Zürcher Oberland gesichert werden könne. Zudem würden die Synergien eines grossen Spitalverbunds genutzt. Auch blieben die Gemeinden als Miteigentümerinnen im Boot.

Noch keine konkreten Angaben

Und zum Zeitplan halten die Thurgauer fest: «Über die konkreten Inhalte des Angebots informiert Thurmed nach Prüfung und allfälliger Zustimmung der zuständigen Gemeindeorgane im Spätsommer.» Die definitiven Entscheide zur strategischen Beteiligung sollen im Spätherbst 2026 fallen.

Erstmals nennt das GZO auch die (schon länger im Markt kursierenden) Namen, die hinter dem im Frühling eingegangenen Kaufangebot für Spitalaktiven stehen. Es handelt sich wie erwartet um die Investmentgesellschaft Kawa aus Florida und den Spitalbetreiber Swiss Medical Network (SMN) aus dem Unternehmensgeflecht von Aevis Victoria. «Die GZO AG steht auch mit diesen Angebotsparteien in einem intensiven Austausch. Über die weiteren Schritte wird im Spätsommer informiert», heisst es in der Mitteilung. 

Kriterium: Bestmögliche Dividende für die Gläubiger

Das GZO stellt auch einen Fragen-Antworten-Katalog zur Verfügung. Darin heisst es unter anderem, dass die Höhe des Schuldenschnitts im Vorfeld der Gläubigerversammlung (an welcher der definitive Nachlassvertrag im Zentrum steht) nicht bekanntgegeben wird.

Falls beide Angebote in verbindliche Verträge münden sollten, werde das GZO im Nachlassvertrag einen Mechanismus vorschlagen, der den Gläubigern die bestmögliche Dividende sichere. Welches das bessere Angebot ist, will das GZO nicht sagen, «angesichts der Komplexität des Kaufangebots von Kawa und SMN und dem andauernden Austausch zwischen den Parteien».

«Nicht möglich, eine Meinung dazu abzugeben»

Klar ist, dass bis spätestens bis 19. Dezember 2026 eine Lösung mit den Gläubigern gefunden werden muss, weil dann die definitive Nachlassstundung abläuft und eine weitere Verlängerung nicht zulässig ist.

Patrick Hasenböhler, als Bonitätsanalyst Zürcher Kantonalbank (ZKB) ein ausgewiesener Kenner der am Frankenanleihenmarkt relevanten Schweizer Spitalszene, hat am Dienstag die Einstufung für das GZO bestätigt (C, Ausblick negativ). «Da uns weder Zahlen noch Details der beiden Angebote vorliegen, ist es für uns nicht möglich, eine Meinung dazu abzugeben», hält er in seinem Beitrag in der Publikation «Daily Market Opinion» fest.

Ansprechendes operatives Ergebnis

Darin würdigt er aber das «angesichts der schwierigen Umstände bemerkenswert stabile Ergebnis», welches das Spital Ende Juni für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt hat. Der Reinverlust beträgt 4 Millionen Franken;  im Vorjahr hatte noch ein Minus von 123 Millionen resultiert, aufgrund einer Wertberichtigung im Zusammenhang mit dem (nach wie vor ruhenden) Neubau. Ohne ausserordentliche Aufwände (insbesondere Kosten für Sachwalter und Berater, Abschreibungen usw.) hätte das Betriebsergebnis 2025 7,9 Millionen Franken betragen.

Hasenböhler hält auch fest, dass Anfang Juli mit Seegräben die letzte Aktionärsgemeinde dem aufgrund des Neins von Bubikon zu seinem Anteil von 3,1 Millionen Franken fälligen Zusatzkredit zugestimmt hat. Damit bringen es die elf Aktionärsgemeinden nun tatsächlich wie ursprünglich versprochen auf die im Sanierungsplan vorgesehenen 50 Millionen Franken.

Steiner blitzt vor Bundesgericht ab

Zudem ist dem ZKB-Analyst nicht entgangen, dass die bestehenden Eventualverbindlichkeiten in Form von Bauhandwerkerpfandrechten von 56 auf 31 Millionen Franken abgenommen haben. Grund dafür ist die Abweisung einer Beschwerde des ebenfalls in Nachlassstundung stehenden Generalunternehmens Steiner (das verantwortlich für das Bauprojekt war) durch das Bundesgericht.

Die weiterhin an der SIX gehandelten GZO-Obligationen bewegen sich unverändert in einem Band zwischen 35 und 40 Prozent. Vor dem Angebot von Kawa und SMN erreichte der Kurs im März allerdings noch ein Tief auf 29 Prozent.

ZKB entlässt See-Spital aus dem Ratinguniversum

Im gleichen Aufwisch zieht die ZKB ihr Rating (BB+/negativ) für das See-Spital zurück, nachdem dieses Anfang Juli seine Anleihe fristgerecht zurückgezahlt hatte. Im Frühling hatten die Horgener eine Sale-and-Lease-Back-Transaktion mit Infracore abgeschlossen und so die Zweifel an der Rückzahlung zerstreut.

Infracore ist auf Spitalliegenschaften spezialisiert, gehört ebenfalls zum Aevis-Victoria-Universum und hat jüngst den Börsengang an der SIX Swiss Exchange vollzogen.