UBS: Abgang von Carsten Kengeter

Also doch: Der ehemalige Chef der Investmentbank verlässt das Haus. In seiner Rolle als Abwickler gewisser UBS-Teile ersetzt ihn ein Ex-Bear-Stearns-Mann.

Carsten_Kengeter_Aufmacher

Carsten Kengeter beim Besuch einer Mittelschule in Hackney, Juni 2011 / English Translation

Carsten Kengeter verlässt die UBS. Dies meldeten am Dienstagabend «Wall Street Journal» wie «Financial Times» unter Berufung auf ein internes Memo. Gegenüber «Bloomberg» bestätigte die Bank den Abgang inzwischen.

Kengeters Nachfolger als Chef der «Nicht-Kern-Abteilung» der UBS-Investmentbank wird Sam Molinaro, der im März 2012 als COO der Investmentbank zum Schweizer Haus gestossen war.

Molinaro war früher CFO von Bear Stearns, und dies auch in der Phase, als die Investmentbank 2008 einbrach; eine gewisse Erfahrung im Abwickeln solcher Institute kann ihm also attestiert werden. Die Wallstreet-Site «Zerohedge» witzelte denn auch umgehend: «Now Bear Stearns taking over what's left of UBS...».

Laut dem Memo soll ihm Carsten Kengeter bis auf weiteres bei der Abwicklung des FICC-Bereichs der UBS beratend zur Seite stehen.

«Ein bemerkenswerter Überlebender»

Ein Kolumnist der «Financial Times» vertwitterte den Rücktritt mit dem Kommentar: «A remarkable survivor in investment banking».

Ein bemerkenswerter Überlebender war Kengeter in der Tat: Als FICC- und dann als Investmentbanking-Chef sass er auf Positionen, die zwar bei Amtsantritt noch als matchentscheidend galten, doch bald eher problematisch wirkten. Dann war der Adoboli-Skandal in London unter seiner Ägide passiert. Und der Libor-Skandal betraf die Ära Kengeter zwar nicht alleine – aber auch.

Als der «Rogue-Trader»-Fall Adoboli im Herbst 2011 aufflog, hätten die wenigsten gewettet, dass Kengeter sogar Oswald Grübel bei der UBS überleben könnte. Eine Umfrage beim finews.ch-Publikum ergab im November 2011, dass 40 Prozent einen raschen Rücktritt von Kengeter erwarteten, und 23 Prozent rechneten damit, dass er im Rahmen der damals geplanten Restrukturierung des Investmentbanking mittelfristig gehen müsse.

Er  blieb, er blieb weiter, und er blieb nochmals

Solch ein Ablauf schien auch durchaus logisch: Als oberster Chef der verantwortlichen Division musste der Adoboli-Fall den Einfluss von Kengeter zwangsläufig beschädigen. Im – sehr ähnlich gestrickten – Kerviel-Fall bei Société Générale war auf den Rücktritt des Konzernchefs jedenfalls nach einer Anstandsfrist von gut einem Monat auch der Investmentbanking-Chef abgegangen.

Doch Carsten Kengeter blieb, und er blieb sogar in der ersten Umbauphase. Ihm wurde mit Andrea Orcel lediglich ein Co-Investmentbanking-Chef zur Seite gestellt; ein Mann allerdings, der seine eigene Position stetig auszubauen wusste. Im November 2012 übernahm Orcel dann tatsächlich die alleinige Leitung der Division.

Aber selbst da erschien Kengeter noch als UBS-Mann mit einer gewissen Zukunft. CEO Sergio Ermotti und Präsident Axel Weber verkündeten, die Investmentbank definitiv in eine neue Liga hinabstufen zu wollen, und der Deutsche übernahm dabei die Position eines «Manager des nicht weitergeführten Geschäfte» – also jener Investmentbanking-Teile, die in den nächsten Jahren abzuwickeln sind.

Wie gut war er nun bezahlt?

Über diese Treue zwischen UBS und Kengeter wurde in der Branche natürlich heftig spekuliert, etwa mit der Frage: Wo soll er sonst hin? (die Zeiten, wo FICC-Experten seines Fachs teuer und gefragt sind, waren vorbei). Zu hören war aber auch das Gerücht, dass Kengeter sogar in der neuen Position zu den bestbezahlten UBS-Leuten überhaupt gehören werde – die Beteiligungsprämien und Erfolgschancen hier seien einiges erklecklicher als im Haupthaus der UBS…

Das waren, wie gesagt, Gerüchte. Spekulationen, in denen sich allerdings auch Kengeters Ruf als Goldnase spiegelte: Der ehemalige Goldman-Sachs-Mann, abgeworben im Krisenjahr 2008, hatte 2009 nominal 13 Millionen Franken zugesprochen erhalten – die höchste Summe im Haus, und das in einem Jahr, wo UBS rote Zahlen schrieb. 2010 erhielt er gut 9 Millionen und schwang sich erneut zum hausinternen Grösstverdiener auf. Nach dem Adoboli-Skandal gab er freilich bekannt, er würde einen allfälligen Bonus für 2011 ablehnen (falls ihm der Verwaltungsrat einen zusprechen würde).

Der Abgang jetzt, Mitte Februar 2013, folgte jedenfalls unmittelbar auf die Bonus-Festlegungen und -Mitteilungen für 2012.

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