BSI: Mutter BTG macht gute Miene

Wie im Struwwelpeter: «Und die Mutter blickte stumm / auf dem ganzen Tisch herum»

Wie im Struwwelpeter: «Und die Mutter blickte stumm / auf dem ganzen Tisch herum»

Der krachende Untergang der über 140 Jahre alten Banco della Svizzera Italiana (BSI) wurde auch in Brasilien vernommen.

Wie gestern überraschend bekannt wurde, muss die Tessiner Privatbank auf Geheiss der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) innert zwölf Monaten von der Bildfläche verschwinden. Dies, nachdem dem Institut schwere Verstösse gegen die Geldwäscherei-Bestimmungen und die Gewähr nachgewiesen wurden.

Das BSI-Mutterhaus BTG Pactual reagierte in einem ersten Schritt, indem es BSI-CEO Stefano Coduri umgehend mit dem eigenen Manager Roberto Isolani ersetzte. Ansonsten war von der Konzernmutter in São Paulo nicht viel zu vernehmen – obschon die letzten Dezember selber in Schieflage geratene Bank Fragen zuhauf zu beantworten hätte.

«Gut für BSI»

Für Stirnrunzeln sorgt, wieso sich BTG, welche BSI Mitte 2014 kaufte, bei ihrer Due-Diligence-Prüfung nicht am Finma-Rüffel vom Vorjahr störte. So ist nun bekannt, dass die Behörde die Tessiner Privatbank bereits Ende 2013 wegen ihrem Umgang mit Geldwäscherei-Vorschriften scharf zurechtgewiesen hatte.

Wie jedoch Recherchen von finews.ch zeigen, lassen sich die Brasilianer von den Geschehnissen in der Schweiz nicht so schnell aus der Fassung bringen. Wie gute Kenner der BTG berichten, wird das Einschreiten der Behörden gar positiv gewertet.

Coduri geopfert

Laut diesen Quellen sei das Verdikt der Aufsichtsorgane «gut für die BSI» – denn damit würden die Unsicherheiten rund um den 1MDB-Skandal endlich beseitigt. Ebenfalls hilfreich sei der «schnelle Abgang» des bisherigen Chefs Coduri.

Isolanis unmittelbare Aufgabe sei es nun, den Mitarbeitenden und den Kunden zu erklärem, das es keinen «umittelbaren Grund zur Sorge» gäbe. Die Zeiten schwacher Kontrollen und mangelnder Beaufsichtigung seien definitiv vorbei. Diese Botschaft sei umso wichtiger, als Konkurrenten nun wohl versucht sein könnten, aus den Vorgängen Gewinn zu schlagen, so die Sorgen bei der BTG.

Weniger Kopfzerbrechen bereitet den Brasilianern offenbar der Umstand, dass sich nun auch die Bundesanwaltschaft mit der BSI befasst. Schliesslich seien die relevanten Komplexe schon im Rahmen des Finma-Verfahrens aufgearbeitet worden, wie über die Meinung bei der BTG berichtet wird.

Generali muss zahlen

Noch wichtiger: Der Verkauf von BSI an EFG International ist auf Kurs. Niemand Geringeres als die Finma hat den Deal am Dienstag zusammen mit den Strafmassnahmen abgesegnet.

Die finanziellen Folgen des Debakels sehen die Brasilianer ebenfalls als verkraftbar, da nach ihrer Ansicht die ehemalige BSI-Besitzerin Generali für die Verfehlungen vor der BTG-Übernahme verantwortlich ist und gemäss Verkaufsvertrag für Schäden einstehen muss. Das wurde allerdings von Generali auch schon bestritten.

Pfand an die EFG

Ganz ungeschoren kommt BTG Pactual allerdings nicht davon. Die Finma liess neben anderen Massnahmen bei der Tochter BSI einen Gewinn von 95 Millionen Franken einziehen. Wie EFG zudem berichtete, sicherte sich die Käuferin gegen Schäden ab, indem sie 51 Millionen an die BTG zu übertragende EFG-Aktien auf ein Sperrkonto überwies. Dort bleiben die Titel als Pfand für die nächsten zwei Jahre.

Ob es dabei bleibt – und vor allem, was von der BSI nach den jüngsten Tumulten an Vermögen noch übrig bleibt – ist allerdings völlig ungewiss.

Die BSI-Mutter kann deshalb nicht viel mehr als gute Miene zum bösen Spiel machen. Oder, um es mit einem Vers aus dem Kinderbuch-Klassiker «Struwwelpeter» auszudrücken: «Und die Mutter blickte stumm / auf dem ganzen Tisch herum».

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