Prinzessin Therese von und zu Liechtenstein: «Faktor Geopolitik»

Prinzessin Therese von und zu Liechtenstein

Prinzessin Therese von und zu Liechtenstein

Geopolitische Entwicklungen hätten einen grossen Einfluss auf private Vermögen – im positiven wie im negativen Sinn, schreibt Prinzessin Therese von Liechtenstein exklusiv für finews.ch.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie «Eine Zukunftsvision für die Vermögensbetreuung». Der nächste Beitrag in dieser Reihe erscheint am 25. Februar.


Nach einer langen Phase des Friedens steht unsere zunehmend polarisierte Welt nun erstmals wieder vor einer komplexen und gefährlichen Situation. Im Zuge der Globalisierung rücken geografisch weit voneinander entfernte Staaten wirtschaftlich und politisch näher zusammen.

Schwelt ein Konflikt in einer bestimmten Region, so bleibt dieser kaum mehr nur auf diese Gegend beschränkt, sondern wirkt sich auf Grund politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Verflechtungen auf andere Weltregionen aus. Doch auf wen genau? Auf welche Weise? Und welche Ursachen stecken tatsächlich hinter dem Konflikt?

Hintergründe interessieren

Für jene, die Vermögen betreuen, sind die richtigen Antworten auf solche Fragen zentral. Denn wie in einem Kriminalfall interessieren nicht primär der «Mord», sondern die Hintergründe, wie es dazu gekommen ist. Hier setzt die Geopolitik an. Sie beleuchtet weltweit stattfindende geografischen Ereignisse und stellt sie in einen Zusammenhang mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Mit ihr gehen wirtschaftliche, (staats-)politische und finanzielle Aspekte eng einher. Dementsprechend kann das Wissen über geopolitische Entwicklungen einen wesentlichen Einfluss auf die Vermögensbetreuung haben.

Ein aktueller Fall ist der rückläufige Ölpreis. Was steckt dahinter? Die USA sind mittlerweile unabhängig geworden von der internationalen Gas- und Ölproduktion. Dementsprechend ist ihre strategische Allianz mit Saudi-Arabien nicht mehr gleich bedeutsam, wie sie es einmal war. Gleichzeitig nähern sich die USA der Islamischen Republik Iran, welche bekannterweise nicht zum engsten Freundeskreis Saudi-Arabiens zählt.

Staatsfonds muss verkaufen

Das amerikanische Verhalten führt dazu, dass nun auch Saudi-Arabien keine Rücksicht mehr auf die US-Wirtschaft nimmt. Der aktuelle Ölpreiszerfall wird von der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) geduldet, um den eigenen Markt zu schützen. Dieser Preiskampf beeinflusst aber nicht nur die amerikanische Ölindustrie sondern die ganze Welt.

Des Weiteren muss Saudi-Arabien seinen Wohlfahrts-Staat trotz niedrigem Ölpreis weiterhin finanzieren und hat deshalb verfügt, dass sein Staatsfonds monatlich Anlagen in grossen Mengen verkaufen muss. Was in der Folge dazu führt, dass Aktienkurse sinken und weltweit zu Verlusten bei Privatinvestoren und Pensionsfonds führen.

Vergangenheit hält genügend Beispiele bereit

Ein anderer Fall wurde durch die Sanktionen ausgelöst, die sich der Westen und Russland seit geraumer Zeit gegenseitig aufbürden. Denn Sanktionen in Form von Handelshemmnissen haben fast immer einen negativen Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung beteiligter Staaten.

Die Vergangenheit hält genügend Beispiele bereit die belegen, dass in letzter Konsequenz unter Sanktionen auch Privatvermögen schwinden und damit den schwelenden Konflikt zwischen den jeweiligen Ländern noch weiter verschärfen. Leidtragend sind letztendlich die Bürger der betroffenen Länder, wie es beispielsweise der iranische Mittelstand in den letzten Jahrzehnten in zunehmendem Masse erleben musste. Freier Handel ist für eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung wesentlich.

Extremes Machtbedürfnis

Geopolitische Entwicklungen haben einen grossen Einfluss auf private Vermögen; im positiven wie im negativen Sinn. Aus der geopolitischen Brille werden Staaten anders betrachtet. Was kennzeichnet sie? Wirtschaftskrisen, Überregulierung, staatliche Enteignung durch Umverteilung, politische Unsicherheiten oder Kriege? Solche Staaten bergen enorm hohe Risiken für Privatvermögen.

Venezuela beispielsweise zählt zu jenen Ländern, die sich momentan auf Grund ihrer hohen Risiken hervortun. Risiken, die darauf zurückzuführen sind, dass Staatsträger ein extremes Machtbedürfnis haben, nach Kontrolle und übertriebener Regulierung streben, eine Umverteilung befürworten die nur misslingen kann und vor Miss- und Vetternwirtschaft nicht gefeit sind. Damit einhergehen meist eine hohe Rechtsunsicherheit, politische Instabilität und Probleme in internationalen Beziehungen. Ein solcher Cocktail zerstört die Wirtschaft eines jeden Landes und vertreibt das für einen Aufschwung dringend benötigte Privatvermögen.

Populistisch agierende Regierungen

Im Gegenzug bieten Länder sehr viele Chancen, die politisch stabil sind und über gute internationale Beziehungen und Vernetzungen verfügen, Rechtssicherheit und freie Marktwirtschaft anbieten und einen unbürokratischen Staat aufweisen. Liechtenstein und die Schweiz sind gute Beispiele für Staaten, in denen der Respekt vor Privatvermögen noch Bestand hat.

Frankreich hingegen bewegt sich momentan in eine andere Richtung. Die Diskussion um soziale Ungleichheit ist vor dem Hintergrund der hohen Staatsverschuldung Frankreichs zu sehen. Und unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung wird versucht, das Bargeld langsam abzuschaffen und die Kontrolle über Bürger und deren Vermögen zu erhöhen. In unseren Breitengraden stellen momentan eine zunehmende Sozialpolitik und populistisch agierende Regierungen die grössten Risiken für Privatvermögen dar.

Auf einem frostigen Tiefpunkt angelangt

Es wäre illusorisch anzunehmen, dass politische Instabilität in Form von (Bürger-)kriegen, Diktaturen, Revolutionen oder Terrorismus nur ein Problem des Nahen Ostens, Afrikas oder Südamerikas ist. Auch in Europa gibt es solche Tendenzen. Die Annexion der Krim und der Konflikt in der Ukraine beispielsweise spielen sich in Europa ab. Das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist auf einem derart frostigen Tiefpunkt angelangt, dass es vergleichbar mit den Zeiten des Kalten Krieges ist.

Die NATO und die russische Armee rüsten sich für einen eventuellen Krieg. Und die Welt spaltet sich immer mehr in zwei Lager, mit China und Russland auf der einen Seite und der NATO und den Verbündeten der USA in Asien auf der anderen Seite. Ein multipolares System gewährleistet ein gewisses Gleichgewicht, eine Polarisierung in zwei Lager aber erhöht die Eskalationsgefahr.

Geopolitische Ereignisse verstehen

In einer Welt, die sich ständig ändert und immer vernetzter wird, benötigt es mehr denn je Expertise und Professionalität. Deshalb sollten gerade jene, die in der Vermögensbetreuung tätig sind, ein vitales Interesse daran haben, geopolitische Gegebenheiten und Ereignisse dieser Welt zu verstehen, zu durchschauen und in einen Zusammenhang mit den betreuten Vermögen zu bringen. Denn wie sonst können materielle und immaterielle Vermögenswerte langfristig und über mehrere Generationen hinweg Bestand haben?


Prinzessin Therese von und zu Liechtenstein ist in der Kundenbetreuung bei Industrie- und Finanzkontor Ets. (www.iuf.li) tätig. Im Weiteren hält sie gelegentlich Vorträge zu politischen und gesellschaftlichen Themen an «Young Professional Events». Zudem kommentiert sie in loser Folge weltweite Ereignisse auf der Website von Geopolitical Information Service.

Der Industrie- und Finanzkontor, gegründet 1948, ist ein unabhängiges, liechtensteinisches Treuhandunternehmen mit internationaler Ausrichtung und beschäftigt rund 50 Mitarbeitende. Das Unternehmen ist spezialisiert auf den langfristigen und generationenübergreifenden Vermögenserhalt (Wealth Preservation), insbesondere von Familien und Unternehmern. Die Wurzeln liegen im Hause Liechtenstein.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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