Schwellenländer: Trotz EU-Krise kaum Rendite

Die Schwellenländer haben dieses Jahr enttäuscht. Warum ist das so, zumal in Europa Krise herrscht? Richard Titherington von J.P Morgan AM hat Erklärungen.

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Die Frage ist berechtigt. Angesichts der desolaten Situation in Europa wundert sich manch ein Investor, warum sich die viel gepriesenen Schwellenländer (Emerging Markets) an der Börse bisher nicht besser entwickelt haben (vgl. nachstehende Grafik, orange der Emerging-Market-Index).

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Für Richard Titherington (Bild oben), Manager des JPM Emerging Markets Opportunities Fund von J.P. Morgan Asset Management, gibt es für diese enttäusche Entwicklung mehrere Erklärungen.

Zunächst einmal korrelieren die Schwellenmärkte wesentlich stärker mit der westlichen Welt als man dies gemeinhin annimmt (vgl. nachstehende Grafik). Das hänge vor allem damit zusammen, dass es in den meisten Schwelländern eben westliche Investoren seien, die ihr Geld anlegten, während die einheimische Bevölkerung zumeist noch weit entfernt sei von der Börse, sagt Titherington.

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Kommt es in der westlichen Welt zu Einbrüchen an der Börse, werden die Anleger grundsätzlich zurückhaltender und ziehen so auch ihr Geld in den Schwellenländern ab. Das begründet denn auch die hohe Korrelation und erklärt denn auch, warum die Emerging Markets so volatil reagieren.

Ein weiterer Indikator für die Befindlichkeit der Schwellenländermärkte ist sicherlich China, das allein von seiner schieren Grösse und Konsumkraft her immer im Auge behalten werden muss.

Da in diesem Jahr mehrere negative Einflussfaktoren (schwächeres Wachstum, Angst vor einem Immobilienboom, Gefahr fauler Kredite im Bankensystem) Chinas Aussichten eintrübten, blieb dies nicht ohne Auswirkungen auf die übrigen Emerging Markets. Daran wird sich auch künftig nichts ändern – zu hoffen bleibt jedoch, dass die Wachstumsraten auf einem Niveau bleiben, das mittel- bis langfristig gehalten werden kann.

Titherington weist aber auch darauf hin, dass die Unternehmensgewinne in den Schwellenländern mittlerweile nicht mehr stärker als das Bruttoinlandprodukt (BIP) wachsen würden. Das habe zu einer gewissen Gewinnenttäuschung geführt, sagt der Fondsmanager.

Die Ursache für die ausgebliebenen Gewinne liegt nach den Worten Titheringtons in den gestiegenen Kosten, die sich letztlich auch in den Inflationszahlen manifestieren. Vor diesem Hintergrund würden sich die Margen zunehmend dem westlichen Niveau anpassen.

Sobald jedoch eine grössere Stabilität eintreten würde, könnte auch die Inflation zurückgehen (vgl. nachstehende Grafik), wie Titherington vermutet und sieht hier ein gewisses Potenzial, das gezielte Aktienengagements durchaus attraktiv macht, zumal die aktuellen Bewertungen in zahlreichen Schwellenländermärkten recht tief sind.

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 Zudem geht Titherington davon aus, dass das immer mehr Firmen zu einer Dividendenpolitik übergehen dürften, die den westlichen Usanzen entspricht.

Unter diesen Prämissen favorisiert Fondsmanager Titherington die Branchen Konsumgüter, Telekommunikation, Nahrungsmittel, Energie und Finanzen (vgl. nachstehende Grafik). Die Hände lässt er von den so genannten Zyklikern, die seiner Ansicht nach zu wenig voraussehbar seien.

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Mit Blick auf die Märkte hat der JPM Emerging Markets Opportunities Fund derzeit eine Übergewichtung gegenüber der Benchmark (MSCI Emerging Markets Net Index) bei China, Türkei, Russland, Polen und Brasilien.

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Richard_Titherington_q«Langfristig», sagt Richard Titherington, «ist die Investment-Story in den Emerging Markets durchaus intakt» (vgl. obenstehende Grafik).

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Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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