Bitcoin-Crash: «Viele Kreditkunden haben Geld nachgeschossen»
Seit dem Rekordhoch von 124'720 Dollar am 6. Oktober 2025 hat sich der Preis von Bitcoin zwischenzeitlich auf 60'001 Dollar mehr als halbiert, ehe sich die älteste Kryptowährung der Welt wieder etwas erholte. Über die Gründe für den Absturz wurde zuletzt sehr breit diskutiert, teilweise mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Bei Bloomberg hiess der Titel: «Bitcoin-Crash: Der $2-Billionen-Rutsch seit Oktober ist so ungewöhnlich wie unklar», während «20 Minuten» offensichtlich mehr weiss: «Bitcoin-Preis nach Allzeithoch halbiert – die Gründe sind einfach». Und nochmals anders tönt es in einem Kommentar von «ETC-Echo» aus Deutschland: «Gründe für den Bitcoin Crash: Alle liegen falsch!»
Franz Bergmüller, Chef der Amina Bank weiss von «100 Gründen» für den schnellen Preisrückgang, die im Markt diskutiert werden. «Der Trend zu weniger riskanten Anlagen läuft schon rund ein halbes Jahr. Viele Retailkunden waren relativ neu dabei und sind erschrocken, wie schnell die Preise sinken können.»
Weshalb Volatilität gut ist
Dabei helfe ein Blick zurück: «Rückschläge zwischen 58 und 72 Prozent gibt es beim Bitcoin in einem Vierjahreszyklus, nach 2023 ging es diesmal seit vergangenem Oktober etwas früher nach unten», erläutert Bergmüller. Er wolle nichts beschönigen. «Es ist nicht schön, wenn alles fällt, es kam nicht ganz überraschend, und wir sind vorbereitet», sagt der CEO von Amina.
«Praktisch alle haben zusätzliche Sicherheiten geliefert, weil sie ans Potenzial glauben.»
Die vergangenen zwei Jahre seien sehr erfolgreich gewesen, vor allem auch punkto Wachstum. Die Einnahmen für die Verwahrung der Kryptoassets dürften wegen der tieferen Preise eher sinken, beim wichtigen Handelsgeschäft seien die Volumen noch recht hoch. «Die ersten Tage im Februar waren schon wieder recht aktiv», erläutert Bergmüller. «Die Volatilität ist grundsätzlich gut für uns, das gilt, egal ob es nach oben oder unten geht.»
Ein immer grösserer Teil der Einnahmen von Amina stammt aus dem Kreditgeschäft. Dies wurde laut dem CEO zuletzt sogar noch etwas ausgebaut. Trotz «sehr konservativen» Belehnungen teilweise unter 30 Prozent habe man einige Kunden anrufen müssen. «Praktisch alle haben zusätzliche Sicherheiten geliefert, weil sie ans Potenzial glauben und nicht verkaufen wollten», sagt Bergmüller auf eine entsprechende Frage.
Kosten schon reduziert
Ähnlich tönt es bei Peter Camenzind, Chef von Bitcoin Suisse. «Viele Kreditkunden haben Geld nachgeschossen.» Anders als bei Amina übernimmt Bitcoin Suisse das Collateral Management und vermittelt die Kredite von Kunde zu Kunde. Bei diesem Vermittlungsgeschäft habe man laut Camenzind zuletzt deutlich zulegen können, der Handel sei speziell in den vergangenen zwei Monaten sehr gut gelaufen, und einige Signale am Markt deuteten darauf hin, dass «die Preise einen Boden finden». «Die Kunden sind direkt betroffen, sie suchen in diesen Zeiten unsere Nähe», erläutert Camenzind.
Man habe die Kostenbasis schon frühzeitig reduziert, etwa den Personalbestand von gut 300 Leuten auf 200 angepasst und einen Teil der Produktion in die deutlich günstigere Slowakei ausgelagert. Gerade weil man in den vergangenen Monaten trotz Bullenmarkt konsequent Kostendisziplin gewahrt habe, seien jetzt keine zusätzlichen Massnahmen im Personalbereich erforderlich.
«Die Kunden sind direkt betroffen, sie suchen in diesen Zeiten unsere Nähe.»
Heftig trifft es beispielsweise Strategy (ehemals MicroStrategy). Der grösste börsennotierte Bitcoin-Investor hat allein für das vierte Quartal 2025 einen Nettoverlust von 12,6 Milliarden Dollar ausgewiesen – nahezu vollständig verursacht durch unrealisierte Verluste auf seine Bitcoin-Bestände. Die Aktie verlor am Tag der Bekanntgabe weitere 17 Prozent. Strategy hatte im vierten Quartal so aggressiv zugekauft wie nie und 218’887 Bitcoin für 20,5 Milliarden Dollar erworben. Insgesamt hält das Unternehmen nun 713’502 Bitcoin mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 76’052 Dollar pro Coin.
Extreme Angst
Für Pascal Hügli, Kryptospezialist bei der Privatbank Märki Baumann, wird gerade diese grosse Position innerhalb der Branche als «immer kritischer» gesehen. Was würde passieren, wenn die Firma plötzlich doch verkaufen müsse? Zum Vergleich: Die USA besitzen mit etwa 300'000 Bitcoins weniger als die Hälfte von Strategy. Für Hügli ist klar: «Auf der Blockchain werden im historischen Vergleich relativ wenige Bitcoins bewegt, dafür aber oft in sehr grossen Summen. Es sind also vor allem Grossinvestoren, die Bitcoin seit geraumer Zeit bewegen.» Positiv sei, dass sich die Verschuldung seit vergangenem Oktober halbiert habe: «Anleger gehen weiterhin gehebelte Positionen ein. Das ist ein Zeichen, dass der Markt noch keinen Boden gefunden hat.»
«Ein kollektiver Anstieg der Short-Positionen könnte das erste wirkliche Signal für einen Boden sein.»
Er glaubt aber, dass ein solcher nicht mehr weit entfernt ist. Hügli geht von einer Konsolidierung über mehrere Wochen aus, wobei sich der Bitcoin-Kurs zwischen 55'000 und 70'000 Dollar bewegen dürfte. Er bezeichnet dies als «Value-Zone».
«Ein kollektiver Anstieg der Short-Positionen im Markt könnte das erste wirkliche Signal für einen Boden sein», glaubt er. Für antizyklische, langfristig denkende Investoren bietet das aktuelle Marktumfeld aber jetzt bereits gute Einstiegschancen.»
Der Fear-and-Greed-Index von Coinmarketcap zeigte in den vergangenen Tagen eine «extreme Angst». «Es ist sicher viel Psychologie im Markt», erläutert Hügli. Wenn die Gier überwiegt, sei es aus seiner Erfahrung meist eher Zeit zum Verkaufen, wenn alle ängstlich sind, könnte man sich überlegen, wieder einzusteigen. Für den Spezialisten ist allerdings auch klar. «Krypto hat sich nicht als Zahlungsmittel durchgesetzt und erfüllt derzeit auch die Rolle des digitalen Goldes noch nicht. »
Grössere Bestände
Laut einer aktuellen Studie von 21Shares konzentrieren sich die realisierten Verluste auf kurzzeitige Wallets, sprich solche, die weniger als drei Monate aktiv sind. «Trotz des Preisrückgangs seit November stieg die Anzahl der grossen Bitcoin-Halter mit um 6,6 Prozent auf 1'299. Dies deute auf eine Übertragung der Bestände an grössere, preisunempfindliche Investoren hin, konsistent mit Deleveraging.
«Dank diversen neuen Produkten sehen wir auch aktuell noch steigende Einnahmen.»
«Der Preisrückgang war zu erwarten und keine Überraschung für uns», sagt 21Shares CEO Russell Barlow. Die Kunden zeigten sich sehr resistent, und «wir sehen immer noch viel Neugeld, seien es Retail- oder institutionelle Kunden», sagt er auf eine entsprechende Frage. Man beobachte zudem einen Trend zu Alternativen zu Bitcoin oder Ethereum. «Wir hatten schon 2025 ein sehr gutes Jahr, und dank diversen neuen Produkten sehen wir auch aktuell noch steigende Einnahmen», erläutert der ETP-Spezialist.













