Was unabhängige Vermögensverwalter unverzichtbar macht
Es ist eine ambivalente Situation: Zwar gibt es weniger unabhängige Vermögensverwalter, doch sie verwalten immer grössere Assets. Mehrere Dutzend EAMs haben inzwischen die Schwelle von drei bis fünf Milliarden Franken an verwalteten Vermögen überschritten.
Gleichzeitig lagern immer mehr – vor allem kleinere Vermögensverwalter – wegen des Kostendrucks und die höhere Anforderungen seitens der Regulierung Compliance und Portfoliomanagement aus. Doch was lässt sich nicht outsourcen und wie lässt sich mit diesem unverzichtbaren Teil Wachstum genieren? finews-CEO und Chefredaktor Dominik Buholzer ging dieser Fragen am EAM Day vom vergangen Herbst in Zürich nach.
Kunde steht im Epizentrum
Seine Gäste: Josef U. Bollag (Tareno), Cindy Eicher (DCP Client Partner) und Markus Wintsch (Swisspartners).
Die Runde war sich schnell einig: Der Kunde steht im Epizentrum des Geschäftsmodells.
«Alles kann man auslagern – ausser die Beziehung zum Kunden», brachte es Josef U. Bollag auf den Punkt. Relationship Management sei der eigentliche Kern der Tätigkeit, nicht primär das Portfoliomanagement. Auch Cindy Eicher betonte die treuhänderische Verantwortung und die Unabhängigkeit in der Anlagestrategie. Für Kunden entscheidend seien Vertrauen, Spezialisierung, Kostentransparenz und Servicequalität. «Investmentlösungen sind heute weitgehend eine Commodity – das Kundenerlebnis ist es nicht.»
Markus Wintsch ergänzte, dass Zeit für den Kunden die wichtigste und nicht delegierbare Ressource bleibe. Strategien oder Portfoliomanagement könnten durchaus ausgelagert werden, nicht aber die persönliche Betreuung.
Ein zentrales Thema war die Regulierung. Die Teilnehmer des Panels waren sich einig, dass Compliance unverzichtbar ist, warnten jedoch vor Überregulierung. Bollag verwies darauf, dass viele Skandale der vergangenen Jahre weniger auf Compliance-Fehler als auf gravierende unternehmerische Fehlentscheide zurückzuführen seien. Wichtig sei ein pragmatischer Ansatz, klare Marktdefinitionen und das Vertrauen in die Relationship Manager.
Wintsch ging noch einen Schritt weiter und sprach von einer zunehmenden Gefahr, dass Unternehmen faktisch von Compliance getrieben würden. Zu viel interne Regulierung gehe zulasten der Kundenbetreuung und damit der Qualität. Eicher hingegen sah auch positive Effekte: Regulierung zwinge zu Professionalität und setze Mindeststandards, kritisierte jedoch das «Giesskannenprinzip» bei Kosten und Reporting-Pflichten.
Was KI nie ersetzen kann
Breite Zustimmung fand das Thema Outsourcing. Standardisierte, hochautomatisierte Prozesse wie IT, Cybersecurity, Lohnbuchhaltung, Legal oder Compliance eigneten sich besonders gut für externe Spezialisten. Dies bringe Skaleneffekte, Fachwissen und spürbare Effizienzgewinne – vor allem im Compliance- und Rechtsbereich.
Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wurde intensiv diskutiert. KI wird zunehmend als Booster für Datenanalyse, Research und Prozessautomatisierung gesehen. Gleichzeitig betonten die Podiumsteilnehmer klar, dass KI den Kundenberater nicht ersetzen könne.
Beim Thema Positionierung herrschte Realismus: Ein echter USP sei selten. Stattdessen gehe es um eine «Unique Service Proposition» – also exzellente Servicequalität über die gesamte Wertschöpfungskette. Einige Anbieter setzen bewusst auf eine Ausweitung der Dienstleistungen, etwa in Buchhaltung, Steuern, Immobilien oder Nachlassregelungen, um die Kundenbindung zu erhöhen.
Im Weiteren äusserten sich die Podiumsteilnehmer zu Private Markets und gaben Firmengründern Tipps. Mehr zum Thema gibt es im aktuellen Podcast von finews.
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