Sorgenkind Bitcoin: Kursverluste und immer mehr Miner, die sich KI zuwenden
Bitcoin hat in diesem Jahr stark an Wert eingebüsst, zeitweise bewegte sich der Kurs gar unter 63'000 Dollar und lag damit mehr als 40 Prozent unter seinem Allzeithoch von rund 125'000 Dollar im Oktober 2025. Am Montag handelte er um 68'000 Dollar.
Die jüngste Preisentwicklung von Bitcoin lässt sich jedoch am besten über seine Widerstandsfähigkeit erklären: Die Kryptowährung ist auf Kurs, eine historische Serie von fünf Monaten mit Kursverlusten zu beenden.
Bitcoin-Kursentwicklung in den letzten 6 Monaten (Quelle: Trading View)
«Bitcoin zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung, Anleger sollten jedoch angesichts der kurzfristig dominierenden Einflussfaktoren – insbesondere des Iran-Konflikts – vorsichtig bleiben,» sagt Menno Martens, Produktmanager bei VanEck.
Trotz der Volatilität hat Bitcoin seit Beginn des Krieges im Iran «sich bemerkenswert robust gezeigt und sowohl die grossen Aktienindizes als auch Gold deutlich übertroffen.» Damit werde das «Narrativ von Bitcoin als verlässlichem Store-of-Value erneut gefestigt,» sagt Benedikt Ködel, Head of Credit and Lending bei Sygnum.
Miner unter Druck durch sinkende Hashpreise
Während sich der Kurs also langsam erholt, sieht sich der Markt weiterhin strukturellen Herausforderungen gegenüber – insbesondere im Mining-Sektor, wo Hashpreise und Profitabilität zunehmend unter Druck stehen.
Die Profitabilität im Mining-Sektor steht unter erheblichem Druck, vor allem durch den historisch niedrigen Hashpreis. Seit dem letzten Halving 2024 ist der Hashpreis um über 50 Prozent eingebrochen und liegt aktuell bei rund 33 Dollar pro Petahash (PH) pro Sekunde.
Bitcoin-Hashprice-Index (5 Jahre): Die Einnahmen pro Recheneinheit sind deutlich gesunken und verdeutlichen den zunehmenden Druck auf die Profitabilität der Miner. (Quelle: Hashrate Index)
«Beim aktuellen Preisniveau ist die Lage im Mining-Sektor definitiv angespannt. Der Hashpreis steht durch das historisch hohe Netzwerk-Hashrate-Niveau massiv unter Druck,» sagt Fabio Cavelti, Chief Investment Officer (CIO) von T4 Capital T4 Capital. Er betont: «Der Wettbewerbsdruck ist hoch, und Betreiber mit älterer, weniger effizienter Hardware schmelzen die Marge weg.»
Laut Martens von VanEck sind die Bestände der Miner seit Ende 2023 rückläufig, was darauf hindeutet, dass viele ihre Erträge verkaufen müssen, um laufende Kosten und Investitionen zu decken:«Bleibt der Bitcoin-Preis schwach, dürften weitere Betreiber gezwungen sein, ihre Aktivitäten einzustellen oder vermehrt auf KI auszuweichen, da ihre Reserven schrumpfen.»
Mining wird zum «Strom-Dumping-Tool»
Die zunehmende Effizienz moderner anwendungsspezifischer integrierter Schaltkreise (ASICs) und die explosionsartige Erweiterung neuer Mining-Kapazitäten treiben den Hashpreis weiter nach unten.
Wie Ködel erklärt: «Miner nutzen Mining flexibel für Abwärme, Methanverwertung oder Netzstabilisierung – immer dort, wo Strom günstig ist. Diese Flexibilität drückt den Hashpreis langfristig weiter, da Mining zu einem «Strom-Dumping-Tool» wird; Profitabilität hängt nun primär von Energiepreisen und Effizienz ab.»
Bitcoin-Akteure setzen auf KI
Immer mehr Marktteilnehmer richten ihre Infrastruktur inzwischen auf künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing aus. «Diese Verschiebung ist real und beschleunigt sich, da Miner ihre Infrastruktur zunehmend in Richtung KI und High-Performance-Computing umlenken, wo die Bruttomargen derzeit deutlich attraktiver sind als im reinen Bitcoin-Mining,» sagt Martens.
Cavelti beobachtet dabei einen grundlegenden Wandel der Branche: «Viele grosse Mining Unternehmen (IREN, TeraWulf, Cipher usw.) haben sich zu Digital Infrastructure-Firmen gewandelt und investieren Milliarden in KI-Rechenzentren,» Dabei monetarisieren sie ihre zentrale Ressource – den Zugang zu grossen Strommengen und Netzanschlüssen – über stabilere, langfristige Verträge mit Tech-Konzernen.
Erweiterung des Geschäftsmodells der Miner
Allerdings sehen nicht alle Beobachter darin eine dauerhafte Veränderung. Dominic Weibel, Head of Research bei Bitcoin Suisse, sagt: «Wir sehen derzeit keine Abkehr vom Mining, sondern vielmehr eine strategische Erweiterung der Geschäftsmodelle vieler Betreiber.»
Ähnlich sieht es auch Darius Moukhtarzadeh, Crypto Research Strategist bei 21Shares, der von einer «zyklischen Diversifikation» spricht, «die in erster Linie durch starken Margendruck ausgelöst wurde.» Er geht davon aus, dass das Mining auch bei verbesserten Marktbedingungen das Kerngeschäft bleiben dürfte.
Dennoch ist die Dynamik kaum zu übersehen: «Fast jeder öffentliche Miner evaluiert oder wechselt bereits zu KI-Datenzentren», erläutert Ködel. «Das, was Bitcoin Miner über die Jahre perfektioniert haben — industrielle Datencenter effizient zu betreiben — ist jetzt ein Asset im KI-Rennen.»
















