GAM: Minderheits-Aktionäre proben den Aufstand

Die GAM Holding hat am Montag die geplante Zusammensetzung ihres Verwaltungsrats für die Generalversammlung vom 12. Mai 2026 bekannt gegeben. Damit will der Zürcher Asset Manager die Nachfolge- und Kontinuitätsplanung vorantreiben; finews berichtete darüber.

Doch der Verwaltungsrat wird kein einfaches Spiel haben. Gegen seine Pläne macht sich Widerstand breit. Eine Aktionärsgruppe, die rund 2,5 Prozent der Stimmrechte an GAM Holding hält, hat die Wahl von Benedetta Arese Lucini in den Verwaltungsrat beantragt. Doch davon will der Verwaltungsrat nichts wissen und lehnt ihre Wahl ab. 

Benedetta Arese Lucini

Benedetta Arese Lucini. (Bild: LinkedIn)

Die Minderheitsaktionäre stören sich insbesondere daran, dass durch die vom Verwaltungsrat vorgeschlagenen Kandidaten Mehrheitsaktionär Xavier Niel über seine Beteiligungsgesellschaft NJJ künftig massgeblichen Einfluss auf die Zusammensetzung des Gremiums nehmen kann, wie sie in einer Mitteilung schreiben.

Der aktuelle Vorschlag für den Verwaltungsrat umfasst unter anderem den CEO Albert Saporta sowie John Niel, den Sohn des Mehrheitsaktionärs.

Kritik an Governance-Struktur

Aus Sicht der Minderheitsaktionäre birgt die geplante Struktur erhebliche Governance-Risiken. Hintergrund ist eine stark verwässernde Kapitalerhöhung, die NJJ eine Beteiligung von über 70 Prozent eingebracht hat.

«Ein Verwaltungsrat darf nicht zu einem Family Office des Mehrheitsaktionärs werden», sagt Aktionärsvertreter Antonio De Negri. Mit der aktuellen Konstellation drohe, dass die verbleibenden rund 30 Prozent der Aktionäre faktisch ohne Einfluss bleiben.

Forderung nach unabhängiger Kontrolle

Mit Benedetta Arese Lucini bringen die Minderheitsaktionäre gezielt eine unabhängige Kandidatin mit ausgewiesener Technologie- und Finanzexpertise ins Spiel. Sie soll sicherstellen, dass die Interessen aller Anspruchsgruppen gewahrt bleiben.

Arese Lucini verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Aufbau digitaler und regulierter Finanzunternehmen. Sie war unter anderem Mitgründerin der Fintech-Plattform Oval Money und bekleidete Führungsfunktionen bei regulierten Finanzinstituten. Zuvor war sie als Investmentbankerin bei Morgan Stanley und Credit Suisse tätig. Zudem leitete sie als General Managerin das Italien-Geschäft von Uber in einer Phase starken Wachstums.

Appell an institutionelle Investoren

Die Aktionärsgruppe hat nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit Stimmrechtsberatern und den Aufsichtsbehörden in der Schweiz geführt, um auf die Governance-Problematik aufmerksam zu machen. Insbesondere institutionelle Investoren in der Schweiz werden nun aufgefordert, die Wahl einer unabhängigen Verwaltungsrätin zu unterstützen.

Der Verwaltungsrat von GAM hat den Antrag inzwischen formell als gültig anerkannt, empfiehlt die Wahl von Lucini aber zur Ablehnung. Weitere Details zur Kandidatur sowie zur Generalversammlung sollen mit der Einladung am 20. April 2026 veröffentlicht werden.