FSB-Vorsitzender warnt vor Spannungen im Finanzsystem

Das globale Finanzsystem hat den durch den Iran-Krieg verursachten wirtschaftlichen Schock bislang abgefedert. Das sei zum Teil den Reformen nach der Finanzkrise von 2008 zu verdanken, betont Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England und Vorsitzender des Financial Stability Board (FSB). Er warnt im einem Schreiben an die G20 jedoch davor, dass steigende Finanzierungskosten die wachsenden Spannungen in anderen Teilen des Systems verschärfen könnten.

Es könne einen «doppelten oder dreifachen Schlag» geben, falls strengere Finanzierungsbedingungen dazu führen, dass sich mehrere Schwachstellen gleichzeitig konkretisieren – darunter überzogene Vermögensbewertungen, die Verschuldung von Nichtbanken und Belastungen im privaten Kreditbereich.

Abrupte Neubewertung der Aktienkurse

Darin schreibt der FSB-Vorsitzende, dass ein Auslöser für Finanzturbulenzen darin bestehen könnte, dass die Finanzmärkte beginnen, eine weitaus grössere Auswirkung auf das globale Wirtschaftswachstum einzupreisen. In diesem Szenario könnte eine abrupte Neubewertung der Aktienkurse mit der ohnehin schon verstärkten Fokussierung auf die Bewertungen privater Vermögenswerte zusammenfallen.

Der Einsatz hoher Hebelwirkung durch eine begrenzte Anzahl von Fonds, die in verschiedenen Ländern ähnliche Strategien verfolgen, habe das Risiko einer ungeordneten Auflösung von Positionen erhöht. Dies könnte zu Illiquidität auf den Märkten für Staatsanleihen führen und grenzüberschreitende Auswirkungen nach sich ziehen.

Zudem würden sich die weltweiten Vermögenspreise im historischen Vergleich weiterhin auf hohem Niveau befinden. Bestimmte Sektoren, wie beispielsweise diejenigen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), in denen die Bewertungen bereits vor dem Konflikt überzogen waren, seien besonders anfällig für drastische Korrekturen, sollte sich die Wirtschaftslage verschlechtern.

Druck auf Schuldendienstfähigkeit

Die Stimmung der Anleger gegenüber bestimmten risikoreichen Kreditmärkten, insbesondere dem Markt für private Kredite, hatte sich bereits vor Ausbruch des Konflikts verschlechtert. Bailey weist darauf hin, dass der Konflikt den Druck auf die Schuldendienstfähigkeit hoch verschuldeter Kreditnehmer erhöhen und die Qualität der Vermögenswerte beeinträchtigen könnte, was den Druck auf Fonds für private Kredite weiter verstärken würde.

Trotz der Unsicherheit haben sich die Banken bislang als widerstandsfähig erwiesen, was die Stärke der Reformen nach der globalen Finanzkrise widerspiegelt und die Bedeutung der Umsetzung der Basel-III-Kapitalvorschriften unterstreicht.