Jauch entdeckt: Ein Vintage-Champagner jenseits der Klischees

Wenn Champagner mehr sein soll als Anlass und Etikett, dann ist 2019 ein guter Einstieg: jung, aber schon mit Struktur. Drappier liefert dazu aus der südlichen Champagne beste Produkte nach dem Prinzip «Substanz statt Glamour».

Jahrgangschampagner sind in der Champagne die Ausnahme – nur ein niedriger, einstelliger Prozentanteil, inklusive Prestige-Cuvées und Rosé-Vintages, wird überhaupt als Jahrgang produziert. Gerade diese Seltenheit hat ihnen den Ruf eingebracht, vor allem ein Thema für Kenner zu sein. 

Ein Jahr mit Potential

2019 deklarieren einige Häuser jedoch häufiger als sonst als Jahrgang, denn es war in Teilen der Region ein nahezu ideales Jahr, das uns  noch lange begleiten wird. Künftig werden Sie einige Produkte von unterschiedlichen Produzenten geniessen können. Erste, wunderbare Beispiele kommen jetzt in den Verkauf. Eine, welche es mir angetan hat: Champagne Drappier «Millésime Exception» 2019.

Wenn man Drappier verstehen will, muss man gedanklich kurz weg von Reims und Épernay. Drappier sitzt in Urville, ganz im Süden der Champagne, im Département Aube in der Côte des Bar. Diese Region wirkt für viele noch immer wie «Champagne light», dabei ist sie in Wahrheit eine der spannendsten Antworten auf die Frage, wohin sich Champagner geschmacklich hinbewegen kann.

Erdig, vinös, griffig

Die Côte des Bar ist historisch und geologisch anders geprägt als die nördlichen Kernzonen. Statt Kreide-Ikone dominiert vielerorts ein Bodenmix mit Kalkmergel (in Teilen mit klarer Verwandtschaft zu jenen Formationen, die man auch aus Chablis kennt). Das ergibt Weine, die weniger «kosmetisch» wirken, dafür oft erdiger, vinöser, griffiger – mit einer Struktur, die man eher aus gutem Wein kennt als aus Schaumwein-Klischees.

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Substanz statt Glamour: Champagne Drappier «Millésime Exception» 2019. (Bild: zVg)

Und dann ist da die Rebsorte, die hier gefeiert wird: Pinot Noir. In der Côte des Bar ist Pinot nicht nur «Komponente», sondern häufig Rückgrat, sprich zum grössten Teil in den Cuvées zu finden. Im 2019er sind 60 Prozent Pinot Noir mit einem feinen Begleiter von 40 Prozent Chardonnay. Drappier hat diesen Stil seit Jahrzehnten kultiviert: Champagner mit Körper, mit Mundgefühl, mit einem Finish, das lange auch im Kopf nachklingt. 

Der Jahrgang 2019 – ohne Wetterbericht

Ein Jahrgang ist in der Champagne immer auch eine Stilfrage: Er entscheidet, ob ein Champagner eher über Säure und Schliff kommt – oder über Reife und Struktur. 2019 wird in vielen Kellern als Jahrgang erinnert, der viel Fruchtqualität geliefert hat: gute Reife, klare Aromen, solide Konzentration. Das bedeutet im Glas meist: weniger «grün», weniger nervös – dafür mehr Textur, mehr Druck in der Mitte, und oft ein sehr gastronomischer Charakter.

Wichtig: Reife ist nicht automatisch Schwerfälligkeit. Gute 2019er können genau diese moderne Balance zeigen, die heute viele suchen: trocken, präzise, aber nicht dünn. Und das passt zu Drappier – weil Drappier (vereinfacht gesagt) Champagner macht, die nicht mit Schminke arbeiten, sondern mit weniger Dosage. Der Millésime 2019 kommt als Extra-Brut (5g/l Dosage) daher. 

Die Entdeckung: Drappier Millésime 2019

Drappier 2019 ist ein Jahrgangschampagner, der sich wie ein Statement anfühlt, ohne eins sein zu wollen. Er ist vinös und daher ein Champagner, der am Tisch zu einer grossen Bandbreite an Speisen seine beste Form zeigt. Durch seinen Ausbau – die Erstvinifikation erfolgt zum Grossteil in Holz – bringt er trotz seines jungen Alters bereits eine grosse Tiefe und Breite im Geschmacksbild mit:

  • Frucht: reifer Apfel, Birne, gelbe Nuancen, eher Zitrusabrieb als Frische
  • Struktur: Pinot-getragen, mit Griff und spürbarer Mitte
  • Aromatische Tiefe: Brioche/Toast, Nussigkeit, feine Würze – eher über Textur als über Duft

In einem Satz: Ein Champagner für Menschen, die bei «trocken» nicht an Verzicht denken, sondern an Präzision.


Genuss-Tool: So servieren Sie Drappier 2019, damit er zeigt, was er kann

Temperatur

  • Start bei 9–10°C.
  • Trinkgenuss ist bei 11–12°C maximal. Zu kalt wirkt er schnell «nur straff».

Glas

  • Tulpenglas oder kleines Weissweinglas.
  • Flöte nimmt ihm genau das, wofür Sie ihn öffnen: Textur und Länge.

Timing

  • Das erste Glas ist häufig «Setup». Das zweite ist der eigentliche Moment.
  • Kleiner Trick: erst wenig einschenken, 2–3 Minuten warten, nachgiessen.

Food (3 sichere Anker)

  • Hartkäse (Comté/Gruyère): Salz + Nuss trifft Reife + Struktur
  • Pilzgerichte: Erdigkeit harmoniert mit Pinot-Griff
  • Grilliertes: Toast/Briochenoten werden plötzlich kulinarisch logisch

Wünsche Ihnen beim Nachverkosten und vor allem beim Geniessen viel Spass. Sie finden diesen Champagne Drappier Millésime 2019 in Zürich bei der Vinothek Brancaia zum Preis von 75 Franken. Familie Drappier habe ich erst wieder bei der Wine Paris getroffen. 

#cheers
Peter Jauch


«Jauch entdeckt»: Die zweiwöchentliche finews-Kolumne, in der Peter Jauch Champagner und andere Genussmittel präzise einordnet und mit Praxis-Tipps ergänzt.