Von Luxusgütern zu Finance: PR-Agentur erweitert Geschäft

Was als Nebengeschäft begann, wird zur eigenen Marke: Anfang Juni hat die internationale PR-Agentur PR/TICULAR, die 2012 von Lucy Tallo gegründet wurde und die sich mit Mandaten aus dem Luxus-, Lifestyle- und Hospitality-Segment einen Namen gemacht hat, die Schwesteragentur TRANSP/RENCY lanciert. Diese fokussiert ausschliesslich auf strategische Unternehmens- und Krisenkommunikation.

Die Leitung übernimmt von Zürich aus Katja Grauwiler als Managing Partner; sie bleibt zugleich CEO Switzerland von PR/TICULAR. Als Senior Partner in Lausanne stösst Nicolas Rossé dazu, der als Wirtschaftsjournalist des Westschweizer Fernsehens RTS über Jahrzehnte die grossen Umbrüche der Schweizer Wirtschaft begleitete – von Kuoni über die Swissair bis zur Credit Suisse.

Vom Seitenzweig zum Hauptprodukt

Im Gespräch mit finews bezeichnen Grauwiler und Rossé die Gründung als eine Reaktion auf die Nachfrage der eigenen Kundschaft. «Wir haben von bestehenden Mandaten immer wieder Anfragen erhalten, ob wir diesen Teil der Kommunikation auch abdecken können», sagt Grauwiler. «Es wurde immer mehr – und obwohl wir aus dem Luxus- und Lifestyle-Segment kommen, waren die Fälle zunehmend in Richtung Krise, Strategie und Corporate gewichtet.»

Bislang lief dieses Geschäft nebenbei über Grauwilers eigenen Schreibtisch – etwa für grosse Hotelkunden, die Investitionen im Millionenbereich kommunikativ vorbereiteten und vorsorglich Krisenszenarien aufsetzten. «Viele Kunden stecken viel Geld in Kommunikation und Marketing, vernachlässigen aber die Krise. Im Ernstfall sind sie entsprechend nicht vorbereitet», beobachtet Grauwiler.

Der Seitenwechsler

Für Rossé ist der Schritt vom Journalismus in die Beratung eine späte Premiere. «Firmen haben mich immer wieder gefragt, ob ich für Unterstützung, Ratschläge oder Medientraining verfügbar wäre. Als Journalist habe ich das nie gemacht», sagt er. «Aber nach mehr als 25 Jahren als Wirtschaftsjournalist habe ich gedacht: Jetzt ist es Zeit, etwas anderes zu machen.»

Mit der Doppelpräsenz will die Agentur die Sprachgrenze überbrücken, wie es PR/Ticular im Luxusgüterbereich erfolgreich vorgemacht hat: «Katja ist in Zürich, ich bin zwischen Lausanne und Genf. Das ist ein grosser Vorteil», sagt Rossé, der einst als Korrespondent im Bundeshaus und in Zürich arbeitete und sein persönliches Netzwerk zu Journalisten in der ganzen Schweiz als Trumpf ins Feld führt.

Internationaler Konzern, Immobilien, Finanzboutique

Wenige Wochen nach dem Start ist das Geschäft gemäss den beiden Partnern bereits gut angelaufen. Unterschriftsreif sei das Mandat eines grossen internationalen Konzerns, für den TRANSP/RENCY die gesamte Unternehmenskommunikation im deutschsprachigen Raum übernehmen soll. In Verhandlung stehe zudem auch ein Mandat aus dem Real Estate-Bereich.

Dazu kommen erste Aufträge aus der Romandie: eine Wealth-Management-Boutique mit starkem Leistungsausweis, aber ohne mediale Präsenz – ein langfristig angelegtes Mandat – sowie eine stark gewachsene Industriegruppe, die ihre interne und externe Kommunikation professionalisieren will. Bei bestehenden PR/TICULAR-Kunden ist geplant, die Mandate in Zukunft gemäss den Wünschen der Kunden aufzuteilen: Alles, was Corproate Communications und Krisenkommunikation betrifft, wandert künftig zu TRANSP/RENCY.

«Transparenz schafft Vertrauen»

Auch im Finanzsektor sehen die beiden viel Potenzial. Viele Banken und Vermögensverwalter seien von der Heftigkeit der Krisen der letzten 25 Jahre – Stichwort Bankgeheimnis und Druck aus dem Ausland – überrascht worden und schlicht nicht vorbereitet gewesen, sagt Rossé. Die rigide Kommunikationsmentalität aus den Zeiten der alten Geschäftsmodelle halte sich mancherorts bis heute. Sein Credo: «Man kann als Bank transparent sein und über die eigene Aktivität kommunizieren, ohne das Bankkundengeheimnis zu tangieren. Diese Transparenz schafft Vertrauen gegenüber der Gesellschaft, der Politik und den Medien.»

Als Vorbild nennt er jene Bank, die anfänglich belächelt wurde, heute aber mit einem Börsenwert von über 6,3 Milliarden Franken Vontobel abgehängt hat: «Die Entwicklung von Swissquote in den letzten 20 Jahren ist unglaublich. Für mich ist dies die grösste Errungenschaft des Schweizer Finanzplatzes in diesem Jahrtausend. Die Bank hat immer sehr viel kommuniziert. Das hat ihr stark genützt.»

Was heute gilt, ist morgen alt

Grauwiler wiederum sieht die Stärken aus der Luxuswelt unter anderem auch als Wettbewerbsvorteil in der Finanzbranche: Tempo, Social-Media-Kompetenz und der Draht zu jungen Medien. «Viele glauben, Luxus- und Lifestyle-Themen seien einfach zu kommunizieren. Tatsächlich ist es ein sehr hartes Business. Die Geschwindigkeit hat enorm zugenommen. Was heute gilt, ist morgen alt», sagt sie. Gerade zum Beispiel beim Umgang mit neuen Medien und Shitstorms hinkten viele etablierte Corporate-Agenturen hinterher.

Dass zahlreiche kleinere Player im Wealth Management Nicht-Kommunikation nach wie vor für die beste Kommunikation halten, schreckt die beiden nicht ab. Im Gegenteil, findet Grauwiler: «Nicht zu kommunizieren, ist old school. Man hat langjährige Kunden – aber wie gewinnt man die Jungen? Ohne Kommunikation funktioniert das heute nicht mehr.» Und Rossé ergänzt: «Deswegen gibt es viel Arbeit.»