«Schweizer Vermögensverwalter brauchen direkten Zugang zu Asien»
Herr von Wedel, warum legt DBS einen stärkeren Fokus auf externe Vermögensverwalter und Family Offices in Europa?
Wir verfügen bereits über ein etabliertes Geschäft mit externen Vermögensverwaltern in Singapur und Hongkong.
Betrachtet man jedoch den globalen Markt, bleibt die Schweiz einer der weltweit wichtigsten Standorte für unabhängige Vermögensverwalter.
Das Geschäft mit externen Vermögensverwaltern hat dort eine lange Tradition. Einige von ihnen verfügen bereits über Niederlassungen in Singapur oder Hongkong, viele jedoch nicht.
Gleichzeitig beobachten wir, dass sich die Prioritäten von Ultra-High-Net-Worth-Kunden und Unternehmerfamilien verändern. Es geht längst nicht mehr nur um Diversifikation.
«Kunden Zugang zu einem der weltweit führenden Wealth-Management-Zentren, ohne die bestehende Beziehung zu ihrem vertrauten Berater verändern zu müssen.»
Für viele vermögende Familien ist Asien zu einer zentralen Säule ihrer langfristigen Wachstumsstrategie geworden. Die Region trägt einen erheblichen Teil zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei, verfügt über einige der dynamischsten Kapitalmärkte der Welt und schafft weiterhin in einem beispiellosen Tempo neues Vermögen.
Für europäische Vermögensverwalter lautet die Frage deshalb nicht mehr, ob ihre Kunden in Asien engagiert sein sollten, sondern wie sie ihnen einen substanziellen und effizienten Zugang zu den Chancen der Region ermöglichen können.
Wie sieht eine solche Lösung in der Praxis aus?
Ein Schweizer externer Vermögensverwalter kann seine Kunden weiterhin aus der Schweiz beraten und deren Vermögen verwalten. Gleichzeitig stellt DBS die Buchungs- und Depotplattform in Singapur zur Verfügung.
Damit erhalten die Kunden Zugang zu einem der weltweit führenden Wealth-Management-Zentren, ohne die bestehende Beziehung zu ihrem vertrauten Berater verändern zu müssen.
Singapur hat sich als eines der weltweit führenden Zentren für Vermögensverwaltung etabliert. Für viele Unternehmer, Family Offices und sehr vermögende Familien ist der Stadtstaat heute das bevorzugte Tor nach Asien. Die Kunden können an den Chancen partizipieren, die sich in der gesamten Region eröffnen, und gleichzeitig weiterhin mit dem Berater zusammenarbeiten, den sie kennen und dem sie vertrauen.
Auch für den Vermögensverwalter ist dieses Modell attraktiv, weil er damit seine Bankbeziehungen diversifizieren und gleichzeitig das Dienstleistungsangebot für seine Kunden erweitern kann.
DBS will also nicht die Kundenbeziehung übernehmen?
Nein. Unser Modell basiert darauf, die Kundenbeziehung des externen Vermögensverwalters zu respektieren und zu bewahren. Wir stellen die Infrastruktur, die Plattform und unsere Kompetenzen zur Verfügung.
«Es entsteht ein Mehrwert, der weit über eine klassische Depotbank-Beziehung hinausgeht.»
Der externe Vermögensverwalter bleibt Berater und Portfoliomanager des Kunden.
Um dieses Modell zu unterstützen, verfügen wir über spezialisierte Teams und entsprechende technologische Lösungen. Externe Vermögensverwalter können mit ihren eigenen Trading Desks arbeiten und gleichzeitig auf unsere Wealth-Management-Plattform und unsere Investmentkompetenzen zugreifen.
Wo liegt der Mehrwert gegenüber einer klassischen Depotbankbeziehung?
Der entscheidende Unterschied ist unser One-Bank-Ansatz. Viele Private-Banking-Kunden sind Unternehmer oder Firmeninhaber. Ihre privaten und geschäftlichen Ziele sind häufig eng miteinander verknüpft. Deshalb führt DBS im Rahmen unseres One-Bank-Ansatzes Private Banking, Commercial Banking, Investment Banking und Wealth Planning auf einer einzigen Plattform und über einen zentralen Ansprechpartner zusammen.
Nehmen wir als Beispiel einen deutschen Industrieunternehmer, dessen Vermögen von einem Schweizer externen Vermögensverwalter betreut wird und der in Vietnam eine Produktionsstätte errichten möchte.
Über DBS kann der Vermögensverwalter seinem Kunden nicht nur Zugang zu Wealth-Management-Lösungen bieten, sondern auch zu Finanzierung, Kapitalmarkt-Know-how, M&A-Beratung und Spezialisten für die Nachfolgeplanung. Wir können Kunden bei Finanzierungen unterstützen, bei der Beurteilung lokaler Partner helfen, Due-Diligence-Prüfungen durchführen und den Markteintritt erleichtern. Damit entsteht ein Mehrwert, der weit über eine klassische Depotbankbeziehung hinausgeht.
Wird DBS damit zu einer Brücke und einem Tor nach Asien?
Genau. Diese Kompetenzen besitzen wir als Bank bereits. DBS unterstützt seit Jahrzehnten Unternehmer, Familien und Unternehmen in den wichtigsten asiatischen Märkten. Als grösste Bank Südostasiens verfügen wir über umfassende lokale Kenntnisse und langjährige Beziehungen in der gesamten Region. Dieses Know-how lässt sich von ausserhalb Asiens nur schwer aufbauen.
Der Vorteil für einen externen Vermögensverwalter besteht darin, dass er über eine einzige Beziehung mit DBS schnell und effizient auf diese Kompetenzen zugreifen kann. Damit kann er wiederum das Leistungsversprechen gegenüber seinen eigenen Kunden deutlich erweitern.
Warum ist das gerade für Schweizer Vermögensverwalter relevant?
Weil ihre Kunden immer globaler aufgestellt sind. Ein Unternehmer benötigt heute möglicherweise nicht nur Dienstleistungen in der Vermögensverwaltung, sondern auch Unterstützung bei Investitionen, Finanzierungen, Expansionsplänen und Geschäftsmöglichkeiten in Asien.
Ein unabhängiger Vermögensverwalter kann realistischerweise nicht alle diese Dienstleistungen selbst anbieten. Über eine Plattform wie DBS kann er seinen Kunden jedoch Zugang zu diesen Kompetenzen verschaffen und gleichzeitig im Zentrum der Kundenbeziehung bleiben.
Damit positioniert er sich zugleich als vertrauenswürdiger Berater für ein wesentlich breiteres Spektrum an Kundenbedürfnissen.
Wie funktioniert die Partnerschaft operativ?
Der externe Vermögensverwalter schliesst eine Vereinbarung mit DBS ab. Wir verfügen über ein eigenes Team, das dieses Kundensegment betreut. Der Vermögensverwalter bringt seine Kunden auf unsere Plattform und betreut die Kundenbeziehung weiterhin direkt. Dabei erhält er Zugang zu unserer Infrastruktur, unseren Handelskapazitäten, Wealth-Management-Lösungen und unserer spezialisierten Expertise.
Für europäische externe Vermögensverwalter verfügen wir zudem über spezialisierte Ansprechpartner, die ihre Märkte kennen und regelmässig nach Europa reisen.
Viele Unternehmerfamilien scheinen sich zunehmend auf den Erhalt ihres Vermögens statt auf dessen reine Maximierung zu konzentrieren. Beobachten Sie diesen Trend ebenfalls?
Absolut. Über viele Jahre lag der Fokus hauptsächlich darauf, mit dem vorhandenen Vermögen Renditen zu erzielen. Heute legen Familien deutlich mehr Wert darauf, ihr Vermögen zu schützen, ihre Unternehmen zu erhalten und die langfristige Widerstandsfähigkeit über Generationen hinweg sicherzustellen.
Geopolitische Spannungen, veränderte Handelsströme und eine zunehmend fragmentierte Weltwirtschaft haben das Bewusstsein für diese Themen geschärft.
«In Asien kann der Zugang zu Private Markets schwieriger sein als in Europa oder den USA.»
Entsprechend gehen die Gespräche heute immer häufiger weit über Portfoliorenditen hinaus. Es geht um Nachfolgeplanung, Governance-Strukturen, Geschäftskontinuität und die geografische Positionierung.
Für viele sehr vermögende Familien sind Widerstandsfähigkeit und langfristiger Vermögenserhalt inzwischen ebenso wichtig wie die Performance.
Private Markets haben sich zu einem wichtigen Anlagethema entwickelt. Welche Rolle spielen sie in dieser Partnerschaft?
Eine sehr bedeutende. In Asien kann der Zugang zu Private Markets schwieriger sein als in Europa oder den USA.
Für einen Investor in der Schweiz ist es nicht immer einfach, eine Private-Credit-Gelegenheit oder ein Private-Equity-Investment in einem schnell wachsenden asiatischen Markt zu beurteilen.
Wir hingegen verfügen über direkten Zugang. Wir finanzieren Unternehmen, arbeiten eng mit Private-Equity-Gesellschaften zusammen und sehen Investmentmöglichkeiten, sobald sie entstehen.
Asien bietet in diesem Bereich aussergewöhnliche Chancen. Die Region verbindet starkes Wirtschaftswachstum mit einem steigenden Kapitalbedarf und zunehmend ausgereiften privaten Kapitalmärkten. Viele dieser Möglichkeiten bleiben jedoch ohne lokale Präsenz und lokales Know-how nur schwer zugänglich.
Erwarten Sie, dass der Boom bei Private Markets anhält?
Ja, davon bin ich überzeugt. In Asien wird weiterhin erhebliches neues Vermögen geschaffen, während gleichzeitig ein grosser Bedarf an Wachstumskapital besteht.
Das schafft starke strukturelle Treiber sowohl auf der Anlage- als auch auf der Finanzierungsseite. Investoren suchen zudem zunehmend nach Möglichkeiten ausserhalb der öffentlichen Märkte und sind bereit, im Gegenzug für Illiquiditätsprämien längere Anlagehorizonte zu akzeptieren.
Wir sehen deshalb weiterhin erhebliches langfristiges Potenzial.
Was bedeutet das langfristig für Schweizer externe Vermögensverwalter und Family Offices?
Meiner Ansicht nach werden sie zunehmend einen direkten Zugang zu Asien benötigen. Dabei geht es nicht einfach darum, asiatische Aktien oder regionale Fonds zu kaufen. Es geht um den Zugang zu lokalen Netzwerken, Private Markets, Unternehmensfinanzierungen, unternehmerischen Ökosystemen und zu einer der weltweit wichtigsten Wachstumsregionen der kommenden Jahrzehnte.
Singapur spielt dabei eine zentrale Rolle. Der Stadtstaat hat sich als eines der führenden globalen Wealth-Management-Zentren etabliert und verbindet Kapital, Unternehmer und Investitionsmöglichkeiten zwischen Ost und West.
DBS ist in diesem Umfeld einzigartig positioniert. Wir verbinden tiefgreifende lokale Expertise in Asien mit einem ausgeprägten Verständnis für internationale Kunden und grenzüberschreitende Anforderungen in der Vermögensverwaltung.
Für Schweizer externe Vermögensverwalter und Family Offices bedeutet dies Zugang zu Erkenntnissen, Investmentmöglichkeiten und Kompetenzen, die sich von Europa aus nur schwer erschliessen lassen. Genau darin sehen wir unsere Rolle als langfristiger Partner.
Rüdiger von Wedel ist Managing Director bei DBS Bank in Singapur.













