Helvetia Baloise drückt bei der Integration aufs Tempo
Am Donnerstagmorgen hatte Helvetia Baloise erstmals die Halbjahreszahlen als kombinierte Gruppe präsentiert. Im Zentrum standen zunächst das operative Ergebnis sowie die Folgen des schweren Hagelereignisses vom 28. August. Über beide Themen hat finews bereits berichtet.
Die Medienkonferenz zeigte auch, wie weit die Integration von Helvetia und Baloise inzwischen fortgeschritten ist – und welche Schritte als Nächstes anstehen.
«Speed over Perfection»
Konzernchef Fabian Rupprecht machte deutlich, dass bei der Integration weiterhin Tempo vor Perfektion geht: «Die Integration konsequent und zügig durchzuführen, ist besser für unsere Kunden, die Mitarbeitenden und letztlich auch für die Investoren», sagte er bei einem Pressetermin in Zürich.
Nun tritt die Zusammenführung in eine neue Phase. Das bisherige übergreifende Integration Office soll seine Aufgaben zunehmend an die reguläre Linienorganisation abgeben.
Integration wandert ins Tagesgeschäft
Ganz abgeschlossen sei die Arbeit damit allerdings nicht. «Da ist noch eine Menge Arbeit vor uns», sagte Rupprecht. Diese Arbeit müsse nun jedoch zunehmend von den einzelnen Geschäftsbereichen übernommen werden.
Aufgaben rund um die Realisierung der geplanten Synergien, das sogenannte «Value Capture», würden künftig beim Finanzchef Matthias Henny gebündelt. Die Steuerung des Projektportfolios wandert zum Technologie-Bereich.
«Die Verantwortung klar in die Linie zu übergeben», sei nun entscheidend, sagte Rupprecht. Die Integration werde damit zunehmend vom zentral gesteuerten Projekt zur Aufgabe des operativen Geschäfts.
Helvetia Baloise hatte im Rahmen des Zusammenschlusses jährliche Synergien von rund 350 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Zusätzlich strebt der Konzern mit bereits bestehenden Effizienzprogrammen, die unter anderem durch künstliche Intelligenz unterstützt werden, Einsparungen von rund 300 Millionen Franken an. Insgesamt beläuft sich das Ziel damit auf 650 Millionen Franken.
Schneller als erwartet
Rechtlich waren die wesentliche Schritte zügig vollzogen. In der Schweiz wurden die operativen Gesellschaften im Lebens- und Nichtlebengeschäft rückwirkend per 1. Januar 2026 fusioniert. Zuvor waren bereits die Holdinggesellschaften zusammengeführt worden.
«Das ging schneller, als wir erwartet haben», sagte Rupprecht. Die Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma bezeichnete er als «hervorragend».
Ebenfalls zusammengeführt wurden die Asset-Management-Gesellschaften. Parallel dazu hat der Konzern in der Schweiz die Arbeitsverträge der beiden bisherigen Unternehmen harmonisiert.
Gemeinsamer Vertrieb nimmt Form an
Auch im Vertrieb ist die Zusammenführung inzwischen angekommen. In Deutschland ist der gemeinsame Verkaufsstart ebenfalls erfolgt. Im Firmenkundengeschäft soll dieser Schritt dort im Oktober folgen. Durch den Zusammenschluss habe sich das Geschäft in der Schweiz für beide ehemaligen Gesellschaften verdoppelt, sagte Rupprecht.
Dabei bringe jede Seite unterschiedliche Geschäftsfelder in den neuen Konzern ein. Das Wealth Management über die Bank stamme etwa von Baloise, während das Specialty-Markets-Geschäft stärker von Helvetia geprägt sei.
KI erhält mehr Gewicht
Parallel zur Integration baue Helvetia Baloise die organisatorische Verantwortung für künstliche Intelligenz um. KI gehöre zu den strategischen Schwerpunkten des neuen Konzerns.
Die Gruppe hat dafür einen AI Transformation Officer ernannt und die Funktion mit der CTO-Rolle gebündelt. Damit wolle man bei der KI-Transformation das bisherige Tempo «sogar noch erhöhen», sagte Rupprecht.
Wie die Technologie bereits eingesetzt wird, zeigte das Management am Beispiel des Hagelereignisses vom August. Nach Angaben Rupprechts konnte ein Chatbot zeitweise ein vierfach höheres Aufkommen bearbeiten. In Spitzenzeiten habe dieser pro Sekunde drei bis vier Nachrichten an Kunden gesendet oder beantwortet.












