Warum Schweizer Anleihen Anleger zum Umdenken zwingen
Von Adam Whiteley, Head of Global Credit bei Insight Investment
Grüsse von der spanischen Küste, wo die langen, warmen Abende den Rhythmus bestimmen und das Leben im Vergleich zum Londoner Alltag wie in Zeitlupe zu verlaufen scheint. Dies ist unser Lieblingsort für den jährlichen Familienurlaub, an dem die Tage zwischen Strand, Märkten und schattigen Terrassen dahinfliessen.
Ein Ort für neue Perspektiven
Obwohl die Atmosphäre entspannt ist, strotzt sie doch vor Leben. Jede Mahlzeit ist ein Fest, und dank der frischen Meeresfrüchte fühlt sich selbst das einfachste Restaurant wie ein Gourmet-Erlebnis an. Es ist ein Ort, der einem vor Augen führt, wie wertvoll es ist, Abstand vom Alltag zu gewinnen und wieder einen neuen Blickwinkel zu erlangen. Nach einem Aufenthalt hier fühlt sich das Leben immer besser an, und man kehrt voller neuer Energie und bereit zurück, sich wieder in den Trubel zu stürzen.
Die Schweiz als Qualitätsversprechen
Auch die Schweiz liegt mir sehr am Herzen, allerdings aus anderen Gründen. Dort herrscht eine tiefe Wertschätzung für Qualität, sei es beim Essen, in der Umgebung oder bei der Handwerkskunst, die hinter alltäglichen Dingen steckt. In Kombination mit der beeindruckenden Landschaft ist ein Besuch dort immer ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis.
Ebenso überzeugend ist die Raffinesse unseres Kundenstamms in der Schweiz. Die Arbeitskultur ist professionell, umsichtig und von starker Zusammenarbeit geprägt, was es zu einer besonders erfreulichen Aufgabe macht, unseren Kunden bei der Lösung ihrer spezifischen Anlageherausforderungen zu helfen.

Adam Whiteley von Insight Investment. (Bild: zVg)
Schweizer Anleihen unter Druck
Die vielleicht drängendste Herausforderung, vor der unsere Kunden derzeit stehen, ist das aussergewöhnlich niedrige Renditeniveau der Schweizer Anleihen, das weiter gesunken ist, obwohl die Renditen in den meisten anderen wichtigen Märkten gestiegen sind. Es ist schwer vorstellbar, dass von hier aus noch viel Spielraum für eine Erholung besteht, während anderswo höhere Verschuldungsniveaus und anhaltende Inflation für erhöhte Volatilität am langen Ende der Zinskurven sorgen.
Warum Flexibilität wichtiger wird
Gleichzeitig sind die Renditen in der Schweiz so niedrig, dass es zunehmend schwer zu rechtfertigen ist, den Fokus ausschliesslich auf den heimischen Markt zu richten. Wir sind der Ansicht, dass Flexibilität und Widerstandsfähigkeit mittlerweile wichtiger sind als das blosse passive Halten von Duration. An den internationalen Anleihemärkten können Anleger den Schwerpunkt auf hochwertige Anleihen legen, jedoch mit kürzeren Laufzeiten oder im Rahmen von Absolute-Return-Strategien.
Diese widerstandsfähigeren Ansätze sind in der Regel weniger anfällig für Renditevolatilität. Bei einem guten Management haben solche Strategien das Potenzial, im Vergleich zu Schweizer Anleihen attraktive risikobereinigte Renditen zu erzielen – selbst nach Währungsabsicherung.
KI-Infrastruktur als Kreditstory
Als aktive Manager können wir in Bereiche investieren, von denen wir glauben, dass sie den grössten Wert bieten, und gleichzeitig diejenigen meiden, bei denen dies nicht der Fall ist. Eine überzeugende Chance, die wir derzeit sehen, ist der Ausbau der KI-Infrastruktur. KI-getriebene Investitionsausgaben nehmen in aussergewöhnlichem Tempo zu, und wir erwarten, dass der Technologiesektor zur grössten Einzelquelle für Emissionen auf dem US-Investment-Grade-Markt wird – und damit letztendlich den Finanzsektor überholt.
Mehr als ein Technologie-Hype
Der Finanzierungsbedarf für den Ausbau der KI-Infrastruktur ist beispiellos: Der Bau von Rechenzentren, der Ausbau des Stromnetzes, die Stromerzeugung, Glasfasernetze, Sendemasten, Kühlsysteme und neue Halbleiterkapazitäten lösen einen mehrjährigen Finanzierungszyklus aus. Entscheidend ist, dass sich diese Kreditwelle strukturell von früheren technologiebezogenen Emissionen unterscheidet: Sie ist an umsatzgenerierende, oft vertraglich gebundene oder regulierte Infrastruktur gebunden und nicht an spekulative «Moonshots». Dieser Wandel verschafft Anlegern Zugang zu stabileren Cashflows, klarerer Transparenz und attraktiven risikobereinigten Renditen.
Verbriefungen rücken wieder in den Fokus
Eine weitere Entwicklung, die Schweizer Anleger unserer Meinung nach genau im Auge behalten sollten, ist die europäische Verbriefungsreform. Sollten die Vorschriften vereinfacht werden, könnte es zu einem Boom bei hochwertigen Verbriefungen kommen, da Banken Kapital umschichten und mehr Kredite an Privathaushalte und Unternehmen vergeben, während sie gleichzeitig hochwertige Vermögenswerte für Anleger schaffen. Der derzeitige Rechtsrahmen ist zu komplex und restriktiv und schränkt sowohl das Emissionsvolumen als auch die Nachfrage ein, obwohl er eigentlich Investitionen in der gesamten Wirtschaft fördern sollte.
Im Erfolgsfall könnte dies das Wachstum in der gesamten Eurozone ankurbeln und gleichzeitig einen umfangreichen Pool an hochwertigen, variabel verzinslichen Vermögenswerten schaffen.












