Lombard Odier und die Schule der Philanthropen

Die Genfer Privatbank Lombard Odier hat am Donnerstag ihren Report «The Next [Gen] Chapter of Philanthropy» veröffentlicht. Dafür  wurden 260 vermögende Privatpersonen mit mindestens 1 Million Franken an investierbaren Mitteln befragt (je 65 in der Schweiz, in Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Grossbritannien). Die Hälfte der Befragten ist unter 45 Jahre alt.

Erhoben hat die Daten das Institut CoreData im Januar und Februar 2026. Bei Lombard Odier war Maximilian Martin, Global Head of Philanthropy, federführend.

Jüngere Generationen wollen Impact und Innovation

Von einem Generationengraben bei der Motivation für Philanthropie ist wenig zu sehen: 80 Prozent der Befragten sagen, Jung und Alt teilten dieselben Werte und Motive.

Interessanter wird es bei der konkreten Durchführung. Jüngere Spender nennen messbare Wirkung fast dreimal so häufig als Priorität (19 gegenüber 7 Prozent bei den Alten) und Innovation mehr als doppelt so häufig (27 gegenüber 13 Prozent).

Schweizer Philanthropen setzen auf Messbarkeit

In der Schweiz ist die Messbarkeit der Resultate keine Forderung der Jungen, sondern Konsens über beide Generationen hinweg. Für 98 Prozent der Befragten hierzulande ist sie wichtig. Und sogar 100 Prozent der Schweizer Studienteilnehmer stufen die langfristige Tragfähigkeit eines Projekts als wichtig ein, 82 Prozent sehen die Generationen in den Werten geeint (der zweithöchste Wert aller vier untersuchten Märkte).

Trotz dieser grundsätzlichen Einigkeit erwarten die Befragten methodische Verschiebungen. 49 Prozent gehen davon aus, dass künftige Generationen die Zwecke der Vorgänger weiterführen, 40 Prozent rechnen mit einer Verschiebung des Fokus, 31 Prozent mit neuen Gefässen und Instrumenten. Wer die Schweizer Studienteilnehmer fragt, was sie zu mehr Philanthropie bewegen würde, erhält eine nüchterne Antwort: bessere Mess- und Tracking-Instrumente (52 Prozent) und mehr Transparenz (49 Prozent).

Eine Rechnung für die Banken

Für Wealth Manager ist eine weitere Zahl interessant: 50 Prozent der Schweizer Befragten nennen die Integration der Philanthropie in die Familienvermögensstrategie als jene Dienstleistung, die sie von ihrer Bank am dringendsten erwarten. Unter allen anderen Anliegen belegt sie Platz eins.

Der Nährboden dafür ist günstig: Über 13'700 aktive gemeinnützige Stiftungen verwalten in der Schweiz mehr als 100 Milliarden Franken und schütten jährlich rund 6 Milliarden aus. 46 Prozent der Schweizer Befragten diskutieren regelmässig in der Familie über Philanthropie (der höchste Wert aller vier untersuchten Märkte).

Weniger Stifter, trotzdem mehr Geld

Hinter dem Professionalisierungsschub steht allerdings eine unbequeme Entwicklung. Das Spendenvolumen erreicht global gesehen Rekordwerte, doch es verteilt sich auf immer weniger Schultern. 

«Die Philanthropie tritt in die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts mit einem ungelösten Widerspruch ein», sagt Maximilian Martin,. «In der Summe war das Spendenvolumen nie grösser, doch die Basis jener, die Geld geben, dünnt aus.»