ING Deutschland sucht einen neuen CEO – aus Versehen

Für ambitionierte Bankerinnen und Banker klang es zunächst nach einer seltenen Gelegenheit: Auf der LinkedIn-Seite von ING Deutschland war seit dem späten Donnerstagabend offenbar eine Stelle ausgeschrieben, die nicht alle Tage auf einem Jobportal auftaucht.

Gesucht: «Group Chief Executive Officer».

Der Haken dabei ist: ING Deutschland hat bereits einen. Lars Stoy führt die Direktbank seit Anfang 2025 und daran soll sich offenbar auch nichts ändern.

Erstaunlich detailliertes Stellenprofil

Für zusätzliche Verwirrung sorgte, dass die Ausschreibung keineswegs wie ein offensichtlicher Irrläufer aussah. Im Gegenteil, das Stellenprofil las sich durchaus so, wie man es von der Suche nach einem neuen Bankchef erwarten würde. Der künftige Group CEO sollte demnach die «strategische, finanzielle und operative Führung der ING Deutschland» übernehmen, Verantwortung für Gewinne und Verluste, Kapitalallokation und Risikomanagement tragen und eng mit Vorstand und wichtigen Stakeholdern zusammenarbeiten.

Auch die Anforderungen an potentielle Kandidatinnen und Kandidaten waren detailliert formuliert und auf C-Level-Niveau angesiedelt. Wer die Anzeige las, konnte also ohne Weiteres  zu dem Schluss kommen, dass in Frankfurt eine überraschende Wachablösung bevorstehen könnte.

Bank gibt Entwarnung

Doch daraus wird nichts. Auf Anfrage des Branchenportals «Finanz-Szene», das am Freitagmorgen über den Vorfall berichtete, stellte ein Sprecher von ING Deutschland am frühen Freitagmorgen klar, dass es sich bei der Ausschreibung um eine «Panne» handle. Die ausgeschriebene Position gebe es nicht. Wie die vermeintliche CEO-Vakanz auf LinkedIn gelangen konnte und wer die Anzeige eingestellt hatte, war zunächst unklar.

Damit war die Geschichte allerdings noch nicht beendet. Obwohl die Bank angekündigt hatte, das Inserat zu löschen, blieb es vorerst sichtbar. Gegen 9:15 Uhr am Freitagmorgen war die Ausschreibung weiterhin online. LinkedIn verlieh der unfreiwilligen Personalsuche sogar noch zusätzlichen Schub: Die Plattform verschickte das Angebot über einen «Job Alert» an ausgewählte Nutzer.

ING prüft Hintergründe

Inzwischen ist die Anzeige verschwunden. ING Deutschland teilte mit, sie sei «umgehend bei LinkedIn als missbräuchlich gemeldet» worden und mittlerweile offline. Die Bank prüfe derzeit die Hintergründe des Vorgangs und stehe dazu mit LinkedIn im Austausch. Weitere Angaben könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.

18 Bewerber wittern ihre Chance

Und offenbar liessen sich einige die Gelegenheit nicht entgehen. Nach Angaben auf LinkedIn waren zu diesem Zeitpunkt bereits 18 Bewerbungen für den vermeintlichen Chefposten eingegangen.