Mark Holman: «Was über Vontobel kommt, ist unser Bonus»

Mark Holman, Gründer und CEO Twentyfour Asset Management

Mark Holman, Gründer und CEO Twentyfour Asset Management

Nein, gesucht habe man nicht. Die Bank Vontobel sei von sich aus vorstellig geworden, sagt Mark Holman, CEO und Mitgründer des britischen Finanzinstituts TwentyFour Asset Management, im Gespräch mit finews.ch. Doch die Aussicht, zusammen mit einem traditionsreichen Schweizer Finanzinstitut schneller und vor allem über die eigenen Landesgrenzen hinaus wachsen zu können, sei sehr verlockend gewesen.

Der Rest ist Geschichte. Zwei Jahre nach dem ersten Kontakt übernahm Vontobel im April des vergangenen Jahres 60 Prozent der Londoner Finanzboutique TwentyFour Asset Management, die mit ihrer Spezialisierung auf festverzinsliche Anlagen (Fixed Income) zu den erfolgreichsten ihres Fachs gehört.

Beliebte Charts

Für Vontobel kam der Deal goldrichtig. Denn gleichzeitig war der Versuch gescheitert, den Düsseldorfer Asset Manager Meriten Investments zu übernehmen. So liess sich diese Schlappe mit einer anderen Transaktion kompensieren – selbst wenn TwentyFour Asset Management mit seinen gut 4,5 Milliarden Pfund an verwalteten Vermögen nachweislich nicht zu den grossen Investmentmanagern in Europa gehört.

«Für uns zählt auch nicht primär die Höhe der verwalteten Vermögen, sondern die Performance, die wir über die Jahre erzielen», unterstreicht der 48-jährige Holman im Gespräch. Tatsächlich geniesst das 2008 gegründete Unternehmen mit seinen mittlerweile 43 Mitarbeitern in der (britischen) Finanzbranche ein grosses Ansehen; und es stellt mit seiner Performance bisweilen sogar grösste Konkurrenten wie Pimco in den Schatten, wie einigen Charts zu entnehmen ist, die Holman nicht ungern präsentiert.

Politische Hahnenkämpfe

Er führt diesen Erfolg vor allem auf zwei Faktoren zurück: Erstens auf die Kompetenz und Erfahrung seiner handverlesenen Mitarbeiter, die allesamt 20 oder mehr Jahre im Geschäft sind und sich auf ihre Arbeit konzentrieren, anstatt «politische Hahnenkämpfe» auszufechten, wie sie in grösseren Firmen gang und gäbe sind; und zweitens auf die Tatsache, dass TwentyFour Asset Management konsequent nur im Fixed-Income-Bereich tätig ist, also von anderen Anlageklassen bewusst Abstand hält.

Vor diesem Hintergrund misst sich Holman tatsächlich nicht stur am Gewinn, den das Unternehmen Jahr für Jahr ausweist, sondern ebenso an der Anlage-Performance, weil diese die wertvollste Referenz ist, um neue Kunden zu gewinnen, wie der Brite betont.

Ein grosser Schritt für Vontobel

Allerdings räumt Holman auch ein, dass es im Alleingang – also ohne Schulterschluss mit Vontobel – wesentlich schwieriger und kostspieliger gewesen wäre, im anhaltenden Tiefzins- und zunehmend verschärften regulatorischen Umfeld weiter zu expandieren. Dieser Umstand habe tatsächlich eine wichtige Rolle beim Entscheid zu Gunsten von Vontobel gespielt, gibt Holman unumwunden zu.

Die Zürcher Bank Vontobel, deren Präsenz an der Themse bislang eher bescheiden war, kann dank TwentyFour Asset Management einen grossen Schritt nehmen und zugleich ihre Expertise im Fixed-Income-Bereich massgeblich ausbauen, was gleichzeitig eine gewisse Diversifikation zu reinen Aktienanlagen erlaubt.

Neues Investment-Vehikel

Welche Möglichkeiten sich für Vontobel unterdessen ergeben, offenbart beispielsweise auch eine kürzliche Transaktion von TwentyFour Asset Management: Das Unternehmen kotierte ein neu gegründetes Investmentvehikel namens UK Mortgages Limited an der Londoner Börse und löste so 250 Millionen Pfund (360 Millionen Franken).

Das Geld aus dieser Publikumsöffnung (Initial Public Offering, IPO) wird nun von TwentyFour Asset Management verwaltet. Das als Trust aufgesetzte Anlageinstrument verspricht den Investoren dabei jährliche Renditen von bis zu 10 Prozent.

«Mit Vontobel ändert sich an unserer Strategie nichts, ausser dass wir nun wesentlich bessere Möglichkeiten haben, um unsere Produkte zu vertreiben», sagt Holman und fügt noch an: «Insofern ist alles, was an Erträgen nun über Vontobel kommt, unser Bonus.»

Beste Zeit für neue Mitarbeiter

So zeigt sich der unternehmerische Brite auch zuversichtlich, das Wachstum der ihm respektive seiner Firma anvertrauten Kundengelder auch künftig um jährlich 20 Prozent zu steigern. «Der Unterschied zwischen guter und schlechter Performance hängt einzig von den Personen ab, die für ein Unternehmen arbeiten», sagt Holman.

Vielleicht braucht er dafür noch ein paar Leute mehr. Doch schmunzelnd fügt Holman hinzu: «Jetzt ist die beste Zeit, um neue Mitarbeiter zu finden. Denn im ersten Quartal werden bei den grossen Banken die Boni verteilt. Danach sind die Leute offen für neue Jobangebote.»

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