Wenn die Regulierung der UBS zum Gesprächsstoff an einer Vernissage wird

Es war ein gelungener Abschluss eines Buchprojekts, dessen Frucht finews schon früher vorgestellt hat: die Vernissage für «Spillover» im Landesmuseum Zürich, die am Mittwochabend über die Bühne ging.

Autor, Fotograf und Wirtschaftshistoriker Peter Püntener hatte für seine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Krisen, die in den letzten 20 Jahren (auch) den Schweizer Bankensektor erschütterten (internationale Finanzkrise mit UBS-Rettung, Eurokrise, Kampf um das Bankgeheimnis und zuletzt Untergang der Credit Suisse), einen einzigartigen Zugang gewählt. Im Zentrum des Werks stehen Porträts von 88 Persönlichkeiten, die in diesen Krisen national und international eine Schlüsselrolle als Entscheidungsträger oder Berater spielten.

Die Typologie der Finanzelite

Denise Tonella, Direktorin des Schweizerischen Nationalmuseums (zu dem auch das Landesmuseum Zürich zählt), würdigte das fotografische Langzeitprojekt und erinnerte an die langfristigen Folgen der Krisen für den hiesigen Finanzplatz und damit auch die Schweiz. In der Geschichtswissenschaft werden die Bankenbranche, die Geld- und Währungsordnung sowie das Finanzsystem oft eher als Randthemen oder klischiert behandelt. Das scheint sich erfreulicherweise zu ändern. Tonella nutzte die Gelegenheit, für die Wechselausstellung «Bankenland Schweiz» zu werben, die im Juni im Landesmuseum eröffnet wird.

Einen originellen und zugleich erhellenden Ansatz wählte Aaron Estermann, Kurator Historische Fotografie des Schweizerischen Nationalmuseums. Er analysierte und ordnete die Porträts «quantitativ», anhand äusserer Merkmale wie Geschlecht, Bekleidung oder Gesichtsbehaarung – und schuf so eine Typologie der «Finanzelite».

Die Stadt Zürich und die Finanzkrisen

Im von SRF-Moderatorin Eveline Kobler geführten Gespräch mit dem Autor bestätigte sich, dass noch nicht überall erkannt wird, welche grosse Rolle der Finanzsektor seit vielen Generationen für die Entwicklung der Schweiz spielt. Püntener, der über den Verlag Scheidegger & Spiess versucht hatte, Mäzen für sein Werk zu gewinnen, hatte nämlich auch bei der Stadt Zürich angeklopft – und wurde dort von der zuständigen Stelle allen Ernstes aufgefordert aufzuzeigen, inwiefern denn ein Zusammenhang zwischen seinem Werk und der Limmatstadt bestehe.

Im ebenfalls von Kobler geleiteten Podiumsgespräch unter dem Titel «Wie geht die Schweiz mit Bankenkrisen um?» landeten Corinne Zellweger-Gutknecht, Professorin für Privatrecht und Wirtschaftsrecht an der Universität Basel, und Peter Kurer, ehemaliger Chefjurist und Verwaltungsratspräsident der UBS (und heute als Verwaltungsratspräsident des Verlags Kein & Aber selber im Buchgeschäft tätig), schnell bei der Aktualität.

Sehr Aktuelles und sehr Grundsätzliches zur Regulierung

In Bezug auf die Eigenkapitalunterlegung ausländischer Tochtergesellschaften unterstützte Zellweger-Gutknecht die Linie des Bundesrats, während für Kurer Basel III final genügen würde. Auch die Frage von bundesrätlichen Zusicherungen betreffend künftige Regulierungen an die UBS im Vorfeld der Übernahme der Grossbank im März 2023 wurde diskutiert: Kurer geht fest davon aus, dass solche erfolgten, Zellweger-Gutknecht hegt daran grosse Zweifel.

Kurer regte zudem an, zu hinterfragen, ob die Verschmelzung verschiedener Aufsichtsbehörden zur Finma per Anfang 2009 wirklich der Weisheit letzter Schluss gewesen ist. Eine Motivation dafür war der vermeintliche Trend zur Allfinanz, der sich aber dann in der Branche bekanntlich nicht durchsetzte. Aber auch die Professorin übte Kritik an den Behörden. Ihr Krisenmanagement sei zu wenig koordiniert und transparent gewesen.

Zellweger-Gutknecht und Kurer waren nicht die einzigen anwesenden Porträtierten. So waren beispielsweise auch Daniel Zuberbühler, ehemaliger Direktor der Eidgenössischen Bankenkommission und damit einer Behörde, die in der Finma aufging, und Fritz Zurbrügg, ehemaliger Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (in deren Dienst Püntener mehrere Jahrzehnte stand), im zahlreich erschienenen Publikum auszumachen.