Commerzbank-Kontrolle könnte für Unicredit teuer werden

Unicredit will sich an einer ausserordentliche Generalversammlung am 4. Mai eine Kapitalerhöhung absegnen lassen, um ihr 35 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für die Commerzbank mit den dafür notwendigen neuen Aktien zu unterfüttern.

Die italienische Bank rechnet zum jetzigen Zeitpunkt nicht damit, dass man mit der Offerte die Kontrollmehrheit erlangen wird. Doch sollte die 50 Prozent-Schwelle bei der Commerzbank überschritten werden, dann würde zugleich ein Pflichtangebot ⁠für die polnische Tochter mBank fällig. Das geht laut der Nachrichtenagentur «Reuters» aus den Unterlagen zur a.o. GV hervor.

Angebot mit Bar-Komponente und Mindestpreis

Die Regularien in Polen würden ein Angebot mit einer Bar-Komponente und einen festgelegten Mindestpreis vorschreiben, heisst es in den Unterlagen. Die mBank wird an der Warschauer Börse mit 12,4 Milliarden Euro bewertet, im Streubesitz sind 30,9 Prozent der Aktien im Wert von 3,8 Milliarden Euro.

UniCredit hatte im März ein 35 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt, an der sie fast 30 Prozent der Anteile hält. Damit will sie die 30-Prozent-Hürde überspringen, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen.

Mit der Übernahme einer Kontrollmehrheit rechnet UniCredit aber nach eigenem Bekunden nicht. UniCredit-Chef Andrea Orcel will die Commerzbank-Führung um CEO Bettina Orlopp damit vielmehr an den Verhandlungstisch zwingen. Die Commerzbank hatte erste Kontakte mit den Italienern eingeräumt, diese hätten aber keine Klarheit gebracht, welche Vorteile das Frankfurter Geldhaus von einer Übernahme haben sollte.