Commerzbank: EZB-Vize kritisiert deutsche Regierung

Nationaler Widerstand gegen grenzüberschreitende Bankenkonsolidierungen untergrabe den europäischen Binnenmarkt, sagte der Spanier Luis de Guindos in einem Interview mit der «Financial Times».

«Es ist sehr schwierig für Regierungen zu argumentieren, dass sie die Spar- und Investitionsunion unterstützen, wenn sie dann sagen ‹nun ja, wir sind gegen diese konkrete Transaktion›», sagte de Guindos, der seit 2018 als Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) amtet. Das gelte nicht nur für diesen konkreten Übernahmestreit. «Regierungen sind sich in ihrer Versuchung, in private Deals einzugreifen, sehr ähnlich. Aber solche Schritte widersprechen dem Geist eines Binnenmarkts.» Den deutschen Bankenmarkt bezeichnete de Guindos als «sehr fragmentiert».

Mittlerweile hat die Unicredit ein freiwilliges Übernahmeangebot vorgelegt, um ihren Anteil von gut 26 auf mehr als 30 Prozent zu erhöhen. Die Commerzbank jedoch lehnt das Angebot ab, pocht auf ihre Eigenständigkeit und erhält dabei breite Unterstützung der deutschen Regierung. Der Staat ist aktuell noch mit zwölf Prozent an der Bank beteiligt.

Nur noch kurz im Amt

Die Aussagen sind brisant. Es ist unüblich, dass sich EZB-Vertreter offiziell zu konkreten Banken oder Übernahmekämpfen äussern. Die EZB-Bankenaufsicht prüft aktuell, ob Unicredit ihren Anteil an der Commerzbank auf über 30 Prozent aufstocken darf, und muss deshalb eigentlich neutral bleiben. Mit seinen Aussagen und der Bekräftigung, dass die EZB grenzüberschreitende Fusionen befürwortet, ergreift de Guindos nun jedoch zumindest indirekt Partei für Unicredit.

Im EZB-Direktorium verantwortet de Guindos den Bereich Finanzstabilität. Die Amtszeit des Spaniers endet planmässig in wenigen Wochen. Seinen Platz nimmt der Kroate Boris Vujcic.