St.Galler KB sieht weiter positive Rahmenbedingungen für Aktien
Eine erratische Handels- und Zollpolitik der USA, ein steigender Goldpreis, tiefere Zinsen und ein schwacher Dollar, das waren laut der St. Galler Kantonalbank (SGKB) die beherrschenden Themen im fast beendeten Jahr 2025. Das habe zu Volatilität an den Aktienmärkten geführt.
Insgesamt sei jedoch das konjunkturelle Umfeld relativ stabil. Die Inflation bleibe im Zaum, der Arbeitsmarkt erweise sich als stabil und die meisten Anlegerinnen und Anleger könnten zufrieden auf die Entwicklung ihres Portfolios blicken, hiess es bei der Vorstellung der Thesen für das kommende Anlagejahr 2026 am Mittwoch in Zürich.
Aktienmärkte zwischen KI-Euphorie und Konjunktursorgen
Thomas Stucki, Chief Investment Officer der SGKB, rechnet damit, dass sich der bisherige Trend fort auch im neuen Jahr fortsetzt. Das bedeutet ein schwacher US-Dollar, ein starker Franken, Nullzinsen in der Schweiz – und Aktienmärkte, die zwischen KI-Euphorie und Konjunktursorgen pendeln.
«Eine Rezession in den USA erwarten wir nicht», betonte Stucki. «Die robuste Konsumnachfrage und der Dienstleistungssektor mit den hohen Investitionen im Technologiebereich stabilisieren die Wirtschaft.»
Europa bleibe ein schwacher Wachstumsfaktor. Als Faktoren wird hier auf die Exportabhängigkeiten, die bekannten strukturellen Herausforderungen in der Industrie sowie die hohe Regulierungsdichte und fehlenden Fachkräfte verwiesen.
In der Schweiz werde das BIP-Wachstum 2026 das vierte Jahr in Folge unter Potenzial bleiben, lautet die Prognose der SGKB. «Die Schweizer Binnenkonjunktur sorgt für eine gewisse Stabilität, doch die exportorientierten Sektoren bleiben unter Druck. Die Arbeitslosenrate dürfte leicht ansteigen», betont Stucki.
Schwindendes Vertrauen in den Dollar
Als Belastung für den Dollar verweist der CIO auf politische Unsicherheiten und ein schwindendes Vertrauen in die Staatsfinanzen der USA. Ein kritische Moment für den Dollar könnte der absehbare Wechsel an der Spitze der Federal Reserve werden.
Demgegenüber würde der Euro von der Dollarschwäche und der vorsichtigen wirtschaftlichen Stabilisierung profitieren und sich gegenüber dem Franken behaupten.
Die Gefahr einer weiteren deutlichen Aufwertung des Frankens zum Euro sei derzeit geringer als in früheren Jahren. «Für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft bleiben die Rahmenbedingungen anspruchsvoll», erläutert Stucki. «Der starke Franken schmälert die Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere bei Exporten in den US-Dollar-Raum.»
Hohe Hürden für Negativzinsen
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) werde an ihrer zurückhaltenden Haltung bei Deviseninterventionen festhalten und den Wechselkurs weiterhin primär über die Zinsen steuern, lautet die Einschätzung. Mit dem Abkommen mit den USA zum Thema Deviseninterventionen sei der Spielraum der SNB eingeschränkt. «Die SNB wird es sich jetzt zwei- oder dreimal überlegen müssen, ob sie interveniert.»
Zudem habe die Nationalbank klar gemacht, dass die Hürden für Negativzinsen hoch seien. Für einen solchen Schritt bedürfe es schon einer deutlichen Aufwertung des Franken oder einem starken Rückgang der Inflation. Eine Zinserhöhung könnte frühestens 2027 wieder Thema werden, lautet die Einschätzung der Experten.
«Die Rahmenbedingungen für Aktien bleiben günstig», betont Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie bei der SGKB (Bild unten). «Doch auch 2026 werden die Nachfrage nach künstlicher Intelligenz und die Investitionen in KI-Infrastruktur den Takt an den Börsen vorgeben.» Die Anlegerinnen und Anleger hiesse das, dass sie breit diversifizieren und die hohen Bewertungen im Auge behalten müssen.

Dominik Schmidlin. (Bild: zVg)
Als langfristiger Investor müsse man bei Aktien dabei sein, betonte Stucki. Die SGKB habe Aktien zugekauft und die Gewinnerwartungen würden dafür sprechen. Die Unternehmen seien in der Lage sich den geänderten Rahmenbedingungen anzupassen. Auf kurze und mittlere Sicht würden auch die Investitionen in KI weitergehen, so seine Einschätzung.
«Für 2026 gehen wir von einem ‘normalen’ Aktienjahr aus, mit einer Performance im oberen einstelligen Prozentbereich», fügt Stucki hinzu.
















