M&A-Markt fast wieder auf Rekordhoch
Die Basis des Reports sind Transaktionsdaten aus der Dealogic-Datenbank. Ergänzend hat Bain laut Mitteilung vom Donnerstag erneut eine umfassende Befragung unter mehr als 300 M&A-Verantwortlichen aus zwölf Ländern durchgeführt. Ein Fazit: 80 Prozent der M&A-Verantwortlichen weltweit erwartet, dass die Transaktionsaktivität 2026 auf gleichem Niveau bleibt oder sogar weiter zunimmt.
Das Marktumfeld gilt als günstig: Die makroökonomischen Rahmenbedingungen verbessern sich vielerorts, während sich gleichzeitig ein wachsender Bestand an Private-Equity- und Venture-Capital-Assets auf den Exit vorbereitet. Zugleich erkennen die Befragten branchenübergreifend, dass viele etablierte Geschäftsmodelle die Grenzen ihrer bisherigen Wachstumstreiber erreicht haben.
Im Ausland kaufen
«Für Schweizer Unternehmen liegt der M&A-Schwerpunkt weiterhin vor allem im Ausland, während in der Finanzbranche die Konsolidierung im Inland weiter umgesetzt wird. Für 2026 erwarten wir bei Schweizer Industrieunternehmen eine erneute Zunahme von M&A-Aktivitäten zur Stärkung des Kerngeschäfts», erläutert Bain-Partner und M&A-Experte Renato Jorio. «Die Voraussetzungen für ein weiteres starkes M&A-Jahr sind gegeben – nach der nahezu rekordverdächtigen Erholung in den vergangenen zwölf Monaten», ergänzt er.
Nach drei Jahren mit weniger als 4 Billionen Dollar an weltweiten Deals, fehlt nur nicht mehr viel bis zum Rekord von 5,4 Billionen aus dem Jahr 2021. Das grösste Plus resultierte laut Bain wiederum auf dem grossen amerikanischen Markt. Dort stieg das M&A Volumen um 52 Prozent auf 2 Billionen, das ist deutlich mehr als in Asien-Pazifik oder auch in Europa, Arabien und Afrika (EMEA). Besonders auffällig sind die grossen Zuwächse in den Niederlanden (+328 Prozent) und in Israel (+205 Prozent).
Der Grund liegt bei den zwei Megadeals von über 20 Milliarden Dollar. Ende Juli kündigte Palo Alto Networks den Kauf der israelischen CyberArk Software an, knapp einen Monat später startete der Softdrink-Spezialist Keurig Dr Pepper die Übernahme des holländischen Kaffe-Anbieters JDE Peet's, welche ebenfalls mehr als 20 Milliarden Dollar kostete.
Verkauf von Assets
Branchenübergreifend greifen Unternehmen zudem verstärkt auf Fusionen und Übernehmen zurück – einschliesslich Veräusserungen und Carve-outs –, da strukturelle Veränderungen in vielen Industrien den Anpassungsdruck auf die Portfoliostrategie erhöhen. Mehr als 50 Prozent der befragten Unternehmen bereitet schon heute Assets für einen Verkauf in den kommenden Jahren vor. Treiber sind der Wunsch nach stärkerem Fokus, die Freisetzung von Liquidität sowie die Möglichkeit, das aktuell hohe Bewertungsniveau am Markt zu nutzen.
KI ist im M&A-Prozess angekommen
Technologische Umbrüche – insbesondere in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Robotik und Quantencomputing – werden gemäss dem Report auch in diesem Jahr erhebliche Auswirkungen auf die Transaktionsaktivität haben. Weltweit weist fast die Hälfte aller Deals in der Technologiebranche bereits einen klaren KI-Bezug auf. Dieser Trend dürfte sich weiter beschleunigen, da Unternehmen gezielt nach Assets suchen, um entsprechende Talente und Technologien zu erwerben.
Laut dem Bain-Report haben 45 Prozent der M&A-Verantwortlichen im vergangenen Jahr KI-Tools bei Transaktionen eingesetzt – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Etwa ein Drittel der Befragten nutzt KI bereits systematisch oder gestaltet entsprechende Prozesse gezielt neu. Mehr als die Hälfte erwartet, dass KI die Art und Weise, wie Transaktionen durchgeführt werden, grundlegend verändern wird.
«KI wird im M&A-Geschäft zunehmend unverzichtbar», erklärt Jorio. «Wer früh auf diese Technologien setzt, verschafft sich einen klaren Vorteil im Transaktionsgeschäft. Führende Akteure nutzen KI inzwischen entlang des gesamten Deal-Zyklus zur Wertschöpfung – einschliesslich späterer Phasen wie Transaktionsumsetzung, Integration und systematischem Lernen.»
Kapitaldruck nimmt zu
Eine zentrale Herausforderung für den M&A-Markt 2026 ist laut dem Report der hohe Kapitalbedarf. Trotz der starken Transaktionsaktivität im vergangenen Jahr sei der Anteil des für Fusionen und Übernahmen eingesetzten Kapitals auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren gefallen. Gleichzeitig haben Unternehmen zuletzt ihre Reinvestitionen erhöht, insbesondere in Sachinvestitionen (Capex) sowie in Forschung und Entwicklung.
Angesichts knapper werdenden Kapitals gewinne zudem eine streng thesenbasierte Due Diligence an Bedeutung, die nicht nur Deals absichere, sondern auch kritisch prüfe, ob M&A der beste Einsatz von Kapital ist. «Im Jahr 2026 nutzen erfolgreiche Unternehmen M&A nicht opportunistisch, sondern als integralen Bestandteil ihrer strategischen Neuausrichtung», bilanziert Jorio. «Wichtig ist dabei ein klarer Fokus auf Wertschöpfung, Priorisierung und disziplinierten Kapitaleinsatz.»













