Plus 18 Prozent: Strukis gehen durch die Decke
Im Boardroom, zuoberst im Vontobel-Gebäude an der Zürcher Gotthardstrasse 45, ist die Stimmung am Mittwochmorgen besser als das Wetter: Der winterliche Zürichsee liegt grau unter der Wolkendecke. Drinnen dagegen herrscht Sonnenschein – nämlich bei den Vertretern der Derivate-Industrie.
Gastgeber Georg von Wattenwyl, Präsident der Swiss Structured Products Association (SSPA), wirkt ausgesprochen zufrieden. Neben ihm sitzt Vorstandskollege Thomas Wicki, Managing Director Global Markets / Derivatives bei der UBS. Und die beiden haben gute Gründe: Die Branche hat ein Rekordjahr hinter sich.
235 Milliarden Franken Umsatz
Der Schweizer Markt für strukturierte Produkte wuchs 2025 um satte 18 Prozent auf 235 Milliarden Franken. Das Schlussquartal war mit 63 Milliarden Franken besonders stark – unter anderem dank der Volatilität bei den Edelmetallen.
«Strukturierte Produkte sind sehr gefragt im Wealth Management», sagt von Wattenwyl. Und liefert gleich die Begründung: «Es ist die einzige Anlageklasse, mit der man in Volatilität investieren kann.»
Beliebte Renditeoptimierungsprodukte
Die Zahlen geben ihm recht: Renditeoptimierungsprodukte stellten 50 Prozent des Gesamtumsatzes, Hebelprodukte 26 Prozent. Auf Kapitalschutz entfielen 12 Prozent, auf Partizipationsprodukte 8 Prozent. Besonders gefragt waren Reverse Convertibles, Warrants mit Knock-Out sowie Kapitalschutzzertifikate mit Coupon.
Auch die Entwicklung über das Jahr hinweg überzeugte. «Erfreulich ist, dass wir in allen Quartalen ein Umsatzwachstum verzeichnen konnten», sagt Wicki.
Schneller zurück als Aktien
Nach dem turbulenten «Liberation Day» im vergangenen April habe sich die Anlageklasse bemerkenswert robust gezeigt, betont von Wattenwyl: «Die Performance war schneller zurück als bei Aktien.»
Der per Anfang 2025 neu eingeführte Benchmark-Index der SSPA lieferte 2025 eine klar positive Performance – trotz anspruchsvollem Marktumfeld. «Unsere Industrie hat positive Contributions geliefert, und das nicht zu knapp», hält der Verbandspräsident fest.
Weg vom Transaktions-Image
Die Handschrift von Wattenwyl als SSPA-Präsident erhält klare Konturen. Die Branche will sich neu positionieren – weg vom reinen Handelsinstrument, hin zur eigenständigen Anlageklasse.
Ein diesbezügliches Vorbild ist Deutschland, wo mehr Selbstentscheider in Strukis investieren. «Die Schweiz ist hingegen ein Beratermarkt», erklärt von Wattenwyl. Man arbeite aber daran, auch bei privaten Investoren das Verständnis und Interesse für Strukis zu wecken, beispielsweise mit einem eigenen Wettbewerb namens «Traders Cup» und anderen edukativen Initiativen.
Die wilde Welt der AMCs
finews sprach die SSPA-Verbandsspitze auf Actively Managed Certificates (AMC) an: Aktiv verwaltete Produkte mit teilweise sehr exotischen Basiswerten, die in den letzten Jahren verstärkt von sich reden machen.
«Das Instrument hat sich gut etabliert», sagt Wicki. Es existiere seit rund 20 Jahren, war früher aber primär ein Bankprodukt.
Heute treten neue Anbieter auf, die häufig auch mit illiquideren Underlyings operieren. Von Wattenwyl zieht den Vergleich zu Fonds und Hedge Funds. Die Branche habe deshalb eine Art Selbstregulierung entwickelt. «Der Anleger muss wissen, was er hat.» Dieses AMC-Segment wachse zwar stark, bleibe aber ein kleiner Teil des Gesamtmarktes.
Gute Stimmung für 2026
Auch der Start ins neue Jahr ist geglückt. Die hohe Volatilität bei Edelmetallen aus dem vierten Quartal 2025 wirke nach und treibe entsprechende Produkte an. Gleichzeitig beobachten die Anbieter eine Rotation bei Aktien: weniger «intangibles», mehr «tangibles».
«Die Stimmung ist gut bei den Anlegern», sagt von Wattenwyl – besonders im Hebelbereich.
Die Branche blickt entsprechend optimistisch nach vorne. Höhepunkte werden das 20-jährige Jubiläum der SSPA am 11. Juni 2026 sowie das «International Structured Products Forum», das Anfang September erstmals in Interlaken stattfinden wird (bisher war es in Luzern).















