Finanz 26: Warum Bitcoin und Stablecoins keine Rivalen sind

Der Wechsel von Oerlikon ins Herz der Stadt erweist sich als Glücksgriff. Das Kongresshaus am See sorgt für spürbares Stadtfeeling, zieht zusätzliche Besucher an und verleiht der Messe neue Aufmerksamkeit. Die Gänge sind voll, das Stimmengewirr legt sich wie ein Soundteppich über die Halle. Zwischen Stehtischen, Espresso-Bechern und angeregten Diskussionen bleibt kaum ein Platz frei. finews sicherte sich im Open Forum einen der letzten Stühle – gerade rechtzeitig zum Paneltalk über Stablecoins und digitale Währungen.

Ein paar Impressionen von der Finanz 26

(Bilder: finews)

Drei digitale Welten – aber keine Rivalen

Dieser drehte sich um die zwei Fragen: «Wie verändern Stablecoins und staatliche Digitalwährungen das Finanzsystem? Welche Chancen und Risiken ergeben sich für institutionelle Anleger – und welche Rolle spielt Bitcoin in diesem Zusammenspiel?» Auf dem Podium diskutierten Michael Eidel, CEO der Neobank Yapeal, Serge Kaulitz, Head DLT/Blockchain/Digital Assets bei der Luzerner Kantonalbank, Tina Jessop, Senior Economist bei LGT Private Banking, sowie Markus Fehn, Managing Director bei Chartered Invest. Moderiert wurde die Runde von Thierry Hess, Partner & Head of Blockchain & Digital Assets.

Wer eine klare Kampfansage zwischen Bitcoin, Stablecoins und Central Bank Digital Currencies (CBDC, digitale Zentralbankwährungen) erwartet hatte, wurde enttäuscht. Denn der Tenor war etwas differenzierter: Die drei Formen digitaler Währungen würden unterschiedlichen Logiken folgen und damit auch unterschiedliche Probleme adressieren.

Bitcoin, Stablecoins, CBDC und ihre Eigenheiten

Bitcoin wird institutionell kaum mehr als Zahlungsmittel verortet. Zu volatil, zu schwer greifbar in seiner fundamentalen Bewertung. Stattdessen hat er sich laut den Sprechern als Anlageinstrument etabliert. Für professionelle Investoren dient er als Beimischung und Diversifikator mit eigenständigem Rendite-Risiko-Profil. Die Rolle als «digitales Gold» mag zugespitzt sein – im Portfolio-Kontext ist sie angekommen.

Stablecoins hingegen sind weniger ideologisch aufgeladen. Sie versprechen Effizienz. Als an staatliche Währungen gekoppelte Token (digitale Werte) ermöglichen sie Zahlungen in Echtzeit, rund um die Uhr, über Ländergrenzen hinweg. Gerade für institutionelle Akteure liegt der Reiz in der Infrastruktur, denn sie verspricht schnellere Settlement-Prozesse, programmierbare Zahlungsflüsse sowie potenziell tiefere Kosten. 

CBDC wiederum sind ein staatliches Projekt. Zentralbanken verfolgen Projekte primär im Grosshandelsbereich, also für Interbankenzahlungen und die Modernisierung bestehender Marktinfrastrukturen. Retail-Varianten werden auch geprüft, insbesondere von der Europäischen Zentralbank, allerdings stellen sich grundlegende Fragen zur Rolle der Geschäftsbanken, zum Datenschutz und zur Systemstabilität.

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Stablecoins, CBDC und Bitcoin – Brücke oder Konkurrenz? Darüber wurde im Paneltalk am Mittwoch diskutiert. (Bild: finews)

Effizienz als gemeinsamer Nenner

Was alle Konzepte verbindet, ist das Versprechen struktureller Effizienzgewinne. Tokenisierte Vermögenswerte, automatisierte Abwicklungsprozesse, global zugängliche Anlageprodukte – in diesem Sinne: Digitale Währungen könnten die Architektur des Finanzsystems nachhaltig verändern. 

Für institutionelle Investoren entsteht daraus ein doppeltes Spannungsfeld: Einerseits eröffnen sich neue Opportunitäten, denn Transaktionen lassen sich beschleunigen, Liquidität präziser steuern und neue Investorengruppen erschliessen. Andererseits steigen die Anforderungen an Technologie, Verwahrung und Governance. Wer digitale Assets professionell integrieren will, braucht robuste Strukturen.

Regulierung entscheidet

Mit MiCAR hat die EU erstmals einen kohärenten regulatorischen Rahmen für Krypto-Assets und Stablecoins geschaffen.

Das bringt Rechtssicherheit für institutionelle Marktteilnehmer. Und setzt ausserdem klare Standards für Reservehaltung, Transparenz und Risikomanagement.

Chancen und Risiken

Aus institutioneller Sicht kristallisieren sich mehrere Linien heraus:

  • Bitcoin als Diversifikationsinstrument mit hoher Volatilität, aber wachsender Akzeptanz
  • Stablecoins als operative Werkzeuge für effizientere Zahlungs- und Abwicklungsprozesse
  • CBDC als potenzielle Modernisierung der staatlichen Geldinfrastruktur

Dem stehen Risiken gegenüber wie etwa die technologische Verwundbarkeit, regulatorische Brüche oder systemische Fragen bei grossen Stablecoin-Emittenten.

Schwellenländer im Fokus

Ein spannender Aspekt betrifft Schwellenländer.

Dort ist der Bedarf an stabilen digitalen Währungen besonders ausgeprägt – sei es zur Absicherung gegen Inflation, zur Reduktion von Transaktionskosten oder zur Förderung finanzieller Inklusion. Hier zeigt sich das transformative Potenzial deutlicher als in etablierten Märkten.

Kein Entweder-Oder

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Panels könnte sein, dass es nicht um Verdrängung geht, sondern um Koexistenz. Bitcoin, Stablecoins und CBDC erfüllen unterschiedliche Funktionen im entstehenden digitalen Finanzökosystem.

Während Bitcoin als marktorientierter Vermögenswert positioniert bleibt, könnten Stablecoins und CBDC die operative Infrastruktur des Finanzsystems neu gestalten. Wie schnell und wie weitreichend dieser Wandel ausfällt, hängt weniger von technologischer Machbarkeit ab als von regulatorischer Ausgestaltung und institutioneller Umsetzung.