Deutscher Staatsfonds investiert nun auch in Rüstungsaktien

Aufgabe des 2017 mit 24,1 Milliarden Euro Startkapital gegründeten Kenfo ist es, langfristig genügend Rendite zu erwirtschaften, um Zwischen- und Endlagerung von radioaktivem Abfall deutscher Atomkraftwerke zu finanzieren. Aktuell verwaltet der Kenfo – dessen vollständiger Name «Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung» lautet – rund 25,6 Milliarden Euro.

Nun kommt es zu einem Strategiewechsel: Der Staatsfonds hebt Beschränkungen für Investments in Aktien und Anleihen von Rüstungsfirmen zu einem grossen Teil auf. «Bei liquiden Anlagen, also bei Aktien oder Anleihen, darf der Kenfo jetzt auch in Rüstungsunternehmen investieren», sagte Anja Mikus gegenüber Bloomberg. Bislang waren Firmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Rüstung machen, hier tabu.

Geopolitik treibt Umdenken

«Wir halten Rüstung weiter für nicht nachhaltig, aber sie ist aufgrund einer veränderten Sicherheitslage notwendig geworden», sagte Mikus. «Deutschland kann nicht seine Rüstungsausgaben hochfahren - und wir als deutscher Staatsfonds verweigern uns dem Thema.»

Viele Investoren, Asset Manager und Banken in Europa hatten lange Zeit einen Bogen um Waffenhersteller gemacht, teilweise auch aus Reputationsgründen. Der Angriffskrieg auf die Ukraine und Unklarheiten zur künftigen Rolle der USA im Verteidigungsbündnis Nato haben inzwischen jedoch zu einem Umdenken geführt.

Schweiz als Ziel 

Laut Mikus, die einige Jahre im Aufsichtsrat der Commerzbank sass, beziehen sich die neuen Anlagemöglichkeiten bei Aktien und Bonds auf Firmen aus der Europäischen Union sowie aus Grossbritannien, Norwegen und der Schweiz. Das habe auch mit gewissen Mindeststandards bei den Ausfuhrkontrollen zu tun. Investitionen in Unternehmen, die kontroverse Waffen wie etwa Streubomben herstellen, bleiben Mikus zufolge verboten.

«Ich gehe davon aus, dass wir bis Mitte des Jahres ein höheres Exposure gegenüber Rüstung aufgebaut haben werden», sagte Mikus.

Mikus machte deutlich, dass der Kenfo keinen «Förderauftrag» bekommen habe, Aktien und Anleihen aus dem Bereich Rüstung zu kaufen. Wichtig seien für den Fonds vielmehr das Stiftungsziel und die Rendite, die er dafür langfristig im Schnitt erreichen muss. Durch die Neuregelung verbreitere sich aber die Gruppe der Unternehmen, in die er investieren darf.

Entscheidung liegt bei Asset Managern

«Wir sind jetzt in die Gespräche mit unseren externen Asset Managern gegangen», sagte Mikus. «Sie entscheiden, ob Investitionen in Rüstung aus Renditegesichtspunkten Sinn machen. Beispielsweise sind ja viele Aktienkurse im Verteidigungssektor auf extrem hohen Bewertungsniveaus.»

Bei illiquiden Anlagen, also etwa Private-Equity-Investments, durfte sich der Kenfo auch schon in der Vergangenheit bei Unternehmen engagieren, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Rüstung machen. Jedoch sind die Anlagemöglichkeiten in diesem Bereich relativ beschränkt.