Avaloq-Index: Schweizer Vermögensverwalter sind digital nur «drittklassig»

Die Schweiz gehöre weiterhin zur Spitzengruppe der globalen Wealth-Management-Standorte. Das zeigt laut Mitteilung vom Dienstag der erstmals veröffentlichte Wealth Management Index von Avaloq, der 15 internationale Märkte anhand von mehr als 60 Indikatoren in fünf Kategorien vergleicht. 

Im Gesamtranking belegt die Schweiz den fünften Platz hinter Singapur, den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Hongkong. Demnach kommt Singapur auf total 86 Punkte, für die Schweiz sind es noch 66 Punkte. Dahinter folgen mit etwas Abstand beispielsweise die UK und Luxemburg.

Die führenden Wealth-Management-Märkte im Vergleich  

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Quelle: Avaloq Wealth Management Index. Die Werte wurden auf einer Skala von 0 bis 100 normalisiert und in absteigender Reihenfolge dargestellt.

Diverse Stärken

Besonders deutlich werden die Stärken der Schweiz als Wealth-Management-Zentrum in drei der fünf untersuchten Kategorien. Bei den makroökonomischen Rahmenbedingungen gehört sie zur Spitzengruppe: Hohe Kaufkraft, stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen und ein hoher Nettozufluss an ausländischen Direktinvestitionen bilden ein solides Fundament für die Vermögensverwaltung. Auch bei der Finanzmarktreife liegt die Schweiz im oberen Feld, gestützt durch eine hohe finanzielle Inklusion und den breiten Zugang zu Finanzdienstleistungen. Besonders stark schneidet die Schweiz zudem beim regulatorischen Umfeld ab. Gemeinsam mit Singapur, Hongkong, Luxemburg, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Vereinigten Königreich zählt sie zu den Märkten mit den klarsten und stabilsten regulatorischen Rahmenbedingungen für das Vermögensverwaltungsgeschäft.

Die höchste Gesamtbewertung im Index erhält Singapur. Der Vergleich mit dem Stadtstaat zeige, wo die Schweiz trotz ihrer starken Ausgangslage gefordert ist. Während beide Märkte bei Regulierung und makroökonomischen Rahmenbedingungen Spitzenwerte erreichen, liegen ihre Ergebnisse in den zukunftsorientierten Kategorien deutlich weiter auseinander.

Dies gilt insbesondere für den Bereich «Technologie und Akzeptanz digitaler Angebote». Die Kategorie misst, inwieweit die digitalen Rahmenbedingungen eines Marktes die effiziente Bereitstellung moderner Wealth-Management-Dienstleistungen unterstützen. Besonders gross sei der Abstand im Bereich der Sicherheit von Systemen und beim täglichen Umgang der Bevölkerung mit digitalen Hilfsmitteln. Die Schweiz erreiche zwar solide Werte bei digitalen Fähigkeiten und technologischer Reife, verfügt jedoch über weniger günstige Voraussetzungen für die digitale Skalierung von Wealth-Management-Angeboten.

So liegt die Schweiz in dieser Spezialauswertung nur auf Platz 12 von 15 Standorten, nur Italien, Thailand und Vietnam schneiden laut dem Index hier schlechter ab. Eher überraschend ist hier der Top-Platz der Vereinigten Arabischen Emirate (UEA) mit gleich dem Maximum von 100 Punkten und damit deutlich vor den USA, Singapur oder den Niederlanden.

«Technologie und Akzeptanz digitaler Angebote»

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Wichtige Demografie

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei demografischen Faktoren. Singapur gehört zusammen mit den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu den «führenden Märkten» in dieser Bewertungskategorie. Der Index betrachtet dabei nicht nur klassische Bevölkerungskennzahlen wie Alter und Urbanisierung, sondern auch Faktoren wie das verfügbare Anlagevermögen, Ausgaben- und Planungsverhalten der Haushalte, das Interesse an Finanzthemen sowie die digitale Interaktion mit Finanzinhalten. Die Schweiz liegt in dieser Kategorie im Mittelfeld der untersuchten Märkte.

Technologie als Zukunftsfaktor

Zusammenfassend zeige der Avaloq Wealth Management Index ein zweigeteiltes Bild für die Schweiz. Einerseits verfügt der Finanzplatz über weiterhin starke strukturelle Voraussetzungen: Die Kombination aus regulatorischer Stabilität, hoher Finanzmarktreife und makroökonomischer Robustheit ermöglicht es der Schweiz, sich auch künftig als eines der weltweit attraktivsten Wealth-Management-Zentren zu positionieren. Andererseits unterstreiche der Index, dass die langfristige Attraktivität eines Wealth-Management-Marktes zunehmend von Faktoren wie Digitalisierung und demografischer Entwicklung geprägt werde. 

Christian Haux, Managing Director Schweiz und Liechtenstein bei Avaloq, kommentiert: «Der Index bestätigt die ausserordentliche Stärke des Schweizer Finanzplatzes. Regulatorische Verlässlichkeit, ein reifer Finanzmarkt und makroökonomische Stabilität sind und bleiben zentrale Vorteile für Wealth Manager in der Schweiz. Der Vergleich mit anderen führenden Märkten zeigt aber auch, wie wichtig digitale Fähigkeiten, neue Formen der Kundenansprache und der Zugang zur nächsten Vermögensgeneration werden.»