IMD-Finanzprofessor Arturo Bris geht zehn Jahre nach der Finanzkrise über die Bücher. Für finews.ch beschreibt er, welche Korrekturen vorgenommen wurden – und mit welchen er nicht einverstanden ist. 

 Am 7. September 2008 kündigte das US-Finanzministerium an, die beiden Immobilien-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac unter staatlich Vormundschaft zu stellen.

Beide Institutionen waren nicht mehr fähig, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen – sie waren recht eigentlich pleite. Eine Woche später, am 15. September, ging mit Lehman Brothers eine der renommiertesten, grössten und erfolgreichsten Investmentbanken der Welt bankrott.

Ein relativ unerfahrener Finanzprofessor

Es sind nun zehn Jahre seit diesen beiden Ereignissen vergangen, welche Auslöser für die grösste Finanz- und Wirtschaftskrise aller Zeiten waren. Vor zehn Jahren war ich ein relativ unerfahrener Finanzprofessor, der sehr wahrscheinlich einige der Übeltäter als Studenten hatte, sicher aber viele der Opfer, welche die Krise forderte.

Die globale Bankenlandschaft sieht heute anders aus. Investmentbanken existieren in der Form von vor zehn Jahren nicht mehr. Die Regulierung ist verstärkt und auch verbessert worden. Die Finanzmärkte sowie ihre Teilnehmer und deren Verhalten haben sich dramatisch verändert. Befürchtete Staatspleiten sind weitgehend verhindert worden.

Was habe ich in diesen vergangenen zehn Jahren gelernt?

1. Die nächste Krise wird anders

Lehman Kollaps

Krisen wird es auch nach 2008 immer wieder geben. Das zeigt die Geschichte. Doch zeigt sie auch auf, dass sich Krisen nicht wiederholen und der nächste Kollaps immer anderen Ursprungs ist. Was wird der nächste sein? China? Eine geopolitische Krise? Oder ein auf Schulden bauendes Wirtschaftssystem in einzelnen Ländern? Klar ist einzig, dass wir mit Einsetzen der Krise sagen werden: «Das haben wir kommen sehen» – ein klassischer Confirmation Bias.

Wir erinnern uns: Den Lehman-Kollaps sah praktisch niemand kommen – und auch seine Folgen nicht.

2. Vor zehn Jahren gab es eine Finanzkrise – nicht eine Krise der Finanzsysteme

Heute werden Bankmanager mehr denn je darin geschult, die Prinzipien der Finanzmärkte fundamental zu kennen und die Instrumente zu beherrschen. Die Anforderungen an die Top-Manager haben sich in den vergangenen zehn Jahren entsprechend verändert. Wir glauben, dass dies ein Fehler ist. Denn die Finanzkrise von 2008 ist grundsätzlich auf menschliches Versagen und Fehlverhalten zurückzuführen, nicht auf das Versagen des Finanzsystems.

Bankmanager haben sich schlicht zu wenig für die fatalen Finanzprodukte interessiert und entsprechend das Risikomanagement vernachlässigt.