Nun versucht McLaren sein Glück im Golfgeschäft
Ganz neu ist die Verbindung von McLaren und Golf nicht. 2020 inszenierten die Briten den McLaren GT als golfaffinen Grand Tourer – inklusive massgeschneidertem Golfbag, das farblich abgestimmt zum Fahrzeug erhältlich war und perfekt in den grosszügigen Heckstauraum passte. Nun startet die Gruppe laut Mitteilung mit einem eigenen Team und versucht sein Glück im Geschäft mit Golfschlägern etc.
Neil Howie, der neue CEO von McLaren Golf, definierte das Projekt bei der ersten Ankündigung so: «McLaren Golf ist ein High-End, engineering-led venture» – also nicht einfach ein Marken-Label auf Standard-Schlägern, sondern ein technikorientiertes Unternehmen, das über klassische Schlägerentwicklung hinausgehen soll. Das Versprechen: McLaren will Aerodynamik, Materialwissenschaft und Performance-Design neu denken und zugleich optisch wie funktional «unverkennbar McLaren» sein, sagte er.
Mehr als PR
Hinter dem Einstieg steht laut Experten mehr als ein willkommener PR-Effekt für die Gruppe, welche seit Frühling 2024 zu 100 Prozent dem Königreich Bahrain gehört, geführt über den Staatsfond Mumtalakat Holding. Zak Brown, CEO von McLaren Racing, nennt es eine «natürliche» Ausweitung der Marken-DNA – jene Standards der Ingenieurskunst, die auf der Rennstrecke gelten, sollen auf die Golfplätze übertragen werden.
Nick Collins, CEO von McLaren Automotive, fasst die Ambition zusammen: «McLaren hat technische Exzellenz schon immer in aussergewöhnliche Erlebnisse verwandelt. Wir entwickeln Ausrüstung, die wunderschön konstruiert, sorgfältig verfeinert und unverkennbar McLaren ist.»
Porsche und weitere haben es auch schon versucht
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Transfer von Automobil-Know-how ins Golfsegment kein Novum ist. Ende der 1990er- bis Anfang der 2000er-Jahre versuchte sich Porsche mit Metallhölzern und geschmiedeten Eisen im Markt, arbeitete später bei einzelnen Designs mit TaylorMade zusammen. Die Premium-Schläger konnten sich jedoch nicht dauerhaft etablieren. Edelhersteller wie Lamborghini oder Bentley haben Golf-Kooperationen getestet. Doch McLaren geht einen Schritt weiter: nicht Kooperation, sondern gleich eine eigene Marke.
Ob McLaren mehr Erfolg beschieden sein wird, bleibt laut Experten offen. Das weltweite Ausrüstungs-Geschäft mit Schlägern etc. läuft speziell seit Corona wieder gut bis sehr gut. Allerdings ist der Konkurrenzkampf gegen die grossen und etablierter Hersteller wie Titleist, Callaway, Ping, TaylorMade teuer und braucht wohl auch einen langen Atem.
Guter Deal für Private Equity
Ein Blick zurück zeigt: Das Geschäft mit Golf war für die ganz grossen Namen in der Sportindustrie wie Nike oder Adidas nicht einfach. Die Amerikaner stoppten schon 2016 die Produktion von Schlägern, konzentrieren sich seither auf Golfschuhe und Bekleidung. Die deutlich kleinere Konkurrentin Adidas verkaufte 2017 das verlustbringende Geschäft von TaylorMade an die amerikanische Private-Equity Firma KPS Capital Partners. Diese setzte den Rotstift an, kündigte sehr vielen der über 400 Profis unter Vertrag und machte dann mit dem Turnaround einen höchst lukrativen Deal.
KPS hatte 425 Millionen Dollar für TaylorMade bezahlt und vier Jahr später für 1,7 Milliarden Dollar an den Koreaner Jinhyeok Jeong, respektive seiner Investitionsgesellschaft weiterverkauft. Unter anderem lanciert Jeong mit Tiger Woods die neue Marke «Sun Day Red» und so interessierten sich plötzlich auch das Wall Street Journal oder Bloomberg für den starken Mann hinter der Marke TaylorMade.
Immer neue Besitzer bei TaylorMade
Schon fünf Jahre nach der Gründung kaufte der Wintersportspezialist Salomon die damals noch kleine Firma TaylorMade. Weitere vier Jahre später wurde Salomon von Adidas übernommen. Trotz den vielen Besitzerwechseln hat sich TaylorMade mit rund 1,1 Milliarden Dollar Umsatz klar als Nummer 3 im Markt etabliert, dies hinter Acushnet (Titleist&Co.) und Callaway.
Callaway kam bereits 1992 an der Börse. Erst zehn Jahre zuvor war die Firma vom damals 63-jährigen Geschäftsmann Ely Callaway gegründet worden. Das Geschäft boomte, allein zwischen 1988 und 1998 stiegen die Verkäufe von 5 auf 800 (!) Millionen Dollar. Seither wachsen die Umsätze mit Schlägern und Zubehör deutlich langsamer und liegen aktuell bei rund 1,4 Milliarden Dollar pro Jahr. Zu den grössten Investoren bei Callaway gehören bekannte Namen wie Blackrock, Providence Equity Partners oder Vanguard. Sie alle bekommen bereits seit 2020 keine Dividenden mehr.
Koreanische Fila kontrolliert Titleist
Mehr Geld für die Aktionäre zahlt Titleist, respektive der Mutterkonzern Acushnet. In den vergangenen Jahren ist die Quartalsdividende regelmässig leicht gestiegen. Gut 50 Prozent der Ausschüttungen bekommt der koreanische Sportkonzern Fila. Diese hatte Acushnet im Jahr 2011 für 1,23 Milliarden Dollar gekauft und vier Jahre später an die New Yorker Börse gebracht. Kurz danach hat Fila ihren Anteil wieder aufgestockt und kontrolliert noch etwas mehr als die Hälfte aller Aktien am Ball-Spezialisten.
Als Spezialist für Gummi existierte Acushnet bereits seit 1910. Ab 1935 wurden unter der Leitung von Phil Young, einem passionierter Golfer, die ersten Bälle produziert und nach der oft erzählten Geschichte wird noch heute jeder Titleist Ball geröntgt, bevor er die Produktion verlässt. Durch seine bessere Balance und gleichmässigere Flugbahn unterschieden sich die Bälle von den Konkurrenz und halten die Vormachtstellung bei den Profis bis heute.
Familie Solheim als Spezialfall
Ein Spezialfall unter den grossen Ausrüstern bleibt Ping. Die Ende der 1950er Jahre von Ingenieur Karsten Solheim gegründete Firma ist bis heute im Familienbesitz. Auch nach seinem Tod 2000 blieb das Unternehmen privat und wird von seinem Sohn John Solheim geführt. Die Ping-Geschichte begann mit einem Putter. Solheim konstruierte die ersten in der heimischen Garage. PING stand für das Geräusch, das beim Treffen des Balls entstand.
Vor allem dank seiner neuartigen Gewichtsverteilung im Schlägerkopf war der neue Ping-Putter für seine Zeit absolut revolutionär. Bereits 1962 gewann John Barnum das erste Profiturnier der PGA mit Ping. Mittlerweilen bieten die Amerikaner natürlich das ganze Angebot von Schlägern bis Bags. Als private Firma veröffentlicht Ping keinerlei Zahlen, Experten schätzen den Umsatz auf rund 400 bis 500 Millionen Dollar.

Vor dem Schlägerkauf hilft der Simulator beim Ausprobieren. (Bild Shutterstock)
Indirekt an der Börse
Deutlich älter ist Wilson, welche seit 1913 existiert und in den frühen Jahren stark von Thomas E. Wilson geprägt war. Der Spezialist für Baseball, Basketball, Badminton, Tennis und viele weitere Sportarten gehörte ab 1989 zur Gruppe Amer Sports mit Salomon, Atomic oder Peak Performance als eigene Marken. Seit Anfang 2024 ist Amer Sports an der Börse von New York. Laut eigenen Angaben arbeiten weltweit über 11'400 Menschen für die Sportgruppe.
Wilson alleine beschäftigt rund 1600 Leute, Angaben zu den Verkäufen im Golf gibt es keine. Ähnliches gilt bei Bridgestone-Golf welche schon seit den 30-er Jahren Bälle produziert. Die amerikanische Firma gehört zu 100 Prozent zum grossen Reifenhersteller mit dem gleichen Namen. Die Firma ist mit total über 144'000 Angestellten weltweit ein grosser Player in der Auto-Industrie, Golf spielt für die Aktionäre von Bridgestone keine wichtige Rolle.
Newcomer aus den USA
Deutlich jünger ist PXG oder Parsons Xtreme Golf. Bob Parsons startete 2014: Das Konzept vom Vietnam-Veteran und Tech-Milliardär ist so simpel wie herausfordernd: Er will die besten Schläger der Welt produzieren. Ohne Zeit- oder Budgetdruck gelingt dies offenbar ganz gut. PXG gehört in den USA zu den Firmen mit dem schnellsten Wachstum, allerdings gibt es keine konkreten Zahlen zu den Verkäufen oder ähnliches.
Dazu kommen diverse weitere «Edelanbieter», zu den bekanntesten gehört etwa die japanische Honma oder XXIO.
Grosser Vorsprung aufholen
Mit viel Erfahrung, vielen Daten und optimierten Fertigungsprozessen haben die bisherigen Anbieter einen klaren Startvorteil. Für Formel-1-Fans mit gut gefülltem Bonus-Topf könnte der 29. April interessant werden. Dann präsentiert McLaren nach eigenen Angaben die ersten Schläger, wann sie wo zu testen und vor allem zu kaufen sind, sollte dann auch klarer werden.













