Orbit36 schlägt alternative Kapitalunterlegung für UBS-Stammhaus vor
Die vom Bundesrat vorgeschlagene vollständige CET1-Unterlegung ausländischer Beteiligungen im Stammhaus systemrelevanter Banken stösst in der Vernehmlassung weiterhin auf Widerstand. Die Beratungsgesellschaft Orbit36 mit Sitz im Pfäffikon Schwyz kritisiert die Vorlage als «undifferenziert» und «ökonomisch ineffizient» und legt einen eigenen Lösungsvorschlag vor, der auf eine risikoadäquate und international kompatible Kapitalunterlegung zielt.
Vorlage schiesst über das Ziel hinaus
Die Gesetzesänderung sollte Lehren aus der Credit-Suisse-Krise ziehen und die Kapitalbasis des Schweizer Stammhauses stärken. Aus Sicht von Orbit36 schiesst der Bundesrat jedoch über dieses Ziel hinaus: Die vollständige CET1-Unterlegung stelle faktisch auf eine Immunisierung des Stammhauses gegen sämtliche Wertverluste ausländischer Töchter ab – selbst unter extremen Stressszenarien.
Dies gefährde die internationale Wettbewerbsfähigkeit der UBS, die hierzulande als einzig verbleibendes Institut betroffen wäre.
Kritikpunkt Bewertung
Ein zentrales Problem liege nicht in unzureichenden Kapitalanforderungen, sondern in der bisherigen Bewertungsmethodik: Die Credit Suisse konnte über optimistische DCF-Modelle im Stammhaus Eigenmittel ausweisen, die auf Gruppenstufe nicht existierten.
Orbit36 fordert deshalb die regulatorische Verankerung einer Bewertung zum Nettoinventarwert (NAV), welche die tatsächliche vorhandene Substanz der Tochtergesellschaften abbildet und prozyklische Effekte reduziert.
Neuer Lösungsvorschlag
Als Alternative schlägt Orbit36 eine differenzierte Kapitalunterlegung vor:
- NAV-Bewertung der ausländischen Beteiligungen
- 60 Prozent Unterlegung mit CET1 zur Abdeckung von Going-Concern-Risiken
- Restunterlegung mit Bail-in-Instrumenten (Gone-Concern-Kapital)
Damit würden Verluste im operativen Geschäft durch CET1 aufgefangen, während Extremrisiken – etwa Ring-Fencing im Ausland – über Bail-in-Kapital gedeckt würden. Aus Sicht von Orbit36 ist dies sachgerecht, da es funktional mit internationalen Abwicklungsstrategien («Single Point of Entry») kompatibel ist und zugleich die Schweizer Steuerzahler schützt.
Argument für geringere ökonomische Kosten
Orbit36 verweist zudem auf die deutlich geringeren ökonomischen Kosten der Lösung. Während CET1 eine erwartete Eigenkapitalrendite von rund 10 Prozent bedienen müsse, sei Bail-in-Kapital markant günstiger. Die vollständige CET1-Unterlegung des Bundesrates erhöhe den Kapitalbedarf der UBS jedoch so stark, dass Investoren bereits öffentlich Standortalternativen ins Spiel gebracht hätten.
Implizite Neugewichtung der Ziele
Der Orbit36-Vorschlag setzt auf ein anderes Zielverständnis: Nicht eine vollständige Immunisierung des Schweizer Stammhauses, sondern die Sicherstellung der Abwicklungs- und Sanierungsfähigkeit soll entscheidend sein. Damit rückt die Vorlage näher an das ursprüngliche Mandat des Bankenstabilitätsberichts des Bundesrates heran.
Mit dem Modell der Beratungsgesellschaft liegt erstmals ein detailliert ausformulierter Gegenvorschlag auf dem Tisch, der eine ausländische Best Practice – getrennte Behandlung von Going- und Gone-Concern-Risiken – regulatorisch verankert und die Wettbewerbsfähigkeit der UBS weniger stark beeinträchtigt.
Politisch dürfte die Diskussion damit an Schärfe gewinnen: Zwischen den Polen «Maximale Abschirmung des Stammhauses» und «Risikoadäquate Kapitalunterlegung» steht künftig ein drittes Lager: «Abwicklungsfähigkeit ohne Überkapitalisierung».















