Ariane de Rothschild – entzaubert und in Erklärungsnot

Seinen Namen will niemand lesen. Zu heikel ist die Sache. Gesprochen wird lediglich unter vorgehaltener Hand. Chaotisch seien derzeit die Verhältnisse bei Edmond de Rothschild, sagen Mitarbeitende. Und Ariane de Rothschild sei aufgebracht und könne das ganze Treiben nicht verstehen. 

Die Chefin der Genfer Bankengruppe steht im Gegenwind. Fast täglich werden neue Details ihrer einstigen Beziehung zu Jeffrey Epstein bekannt. Zwischen 2013 und 2019 standen die beiden in Kontakt. Aufgrund der enormen Menge und der Unstrukturiertheit lassen sich die von der US-Justiz jüngst freigegebenen Daten derzeit schwer einordnen. Es zeigt sich jedoch: Ariane de Rothschild und Jeffrey Epstein pflegten einen sehr regen Austausch und sprachen über sehr vieles. 

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«Was meinst du dazu?» Jeffrey Epstein fungierte mehrere Jahre lang als Berater von Ariane de Rothschild. (Screenshot:  DoJ)

Beratungsmandat gibt intern zu reden

Sie unterhielten sich über Belanglosigkeiten wie das Wetter oder mühsame Meetings, aber auch über Personalentscheide und weitere heikle Themen. So verhalf Epstein dem Genfer Traditionshaus im Jahre 2015 im US-Steuerstreit zu einer im Vergleich zu anderen Instituten milden Geldstrafe. Auch über einen möglichen Zusammenschluss mit Julius Bär wurde diskutiert. Es kam in der Folge auch zu einem Treffen der beiden Häuser. Mehr wurde daraus allerdings nicht, als Boris Collardi Julius Bär verliess.  

Intern gibt vor allem ein 25 Millionen Dollar schwerer Beratungsvertrag zwischen dem Bankhaus und Epstein zu reden. «Eine solche Summe entbehrt jeglicher Logik», sagt einer.  

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Ausschnitt aus dem 25 Millionen Dollar-Mandat mit Epstein. (Ausschnitt: DoJ)

Zweifel vor ihrer Aufgabe

Die Mails zeigen aber auch ein Bild einer Frau, die grosse Zweifel hatte, ob sie ihrer Aufgabe als Chefin der Genfer Bankengruppe gewachsen ist. 

Ariane de Rothschild wurde in San Salvador geboren und wuchs sowohl in Lateinamerika wie Europa und Afrika auf. Nach dem Start ihrer Karriere im Handel bei Société Générale in New York übernahm sie ab 1997 die Verantwortung für die nichtbankmässigen Familienaktivitäten. Diese bündelte sie unter Edmond de Rothschild Heritage und trieb die Modernisierung sowie das Wachstum von Weinbau-, Hotel- und philanthropischen Engagements voran, darunter der Ausbau der Edmond de Rothschild Stiftung in Israel und die internationale Positionierung des ophthalmologischen Stiftungskrankenhauses, wie der Webseite der Bankengruppe zu entnehmen ist.

Gemeinsam mit Benjamin de Rothschild gründete sie 2000 das Offshore-Segelteam Gitana. 2006 trat sie in den Verwaltungsrat von Edmond de Rothschild ein und führte ab 2013 die Bankaktivitäten unter einer einheitlichen Marke zusammen. Seit 2023 ist Ariane de Rothschild CEO der Gruppe.

Zuerst vereint, dann muss Bank zurück krebsen

Wohlgemerkt: Es ist nicht aussergewöhnlich, dass Topmanager Personen ausserhalb des Unternehmens für eine sogenannte «Second Opinion» in berufliche Details einweihen. Aussergewöhnlich ist jedoch, dass im Falle von Ariane de Rothschild der gesamte Mailverkehr mit Epstein nun öffentlich zugänglich ist. Dies bringt sie in Erklärungsnot. 

Denn im gleichen Jahr wie sie die Leitung der Bankengruppe übernahmen, erschienen erste Berichte über die Verbindung von de Rothschild und Epstein, unter anderem im Wall Street Journal. Die Bank bestritt die Treffen zunächst, musste dann aber später zurück krebsen: Frau de Rothschild sei Herrn Epstein im normalen Rahmen ihrer Tätigkeit für die Edmond de Rothschild Gruppe sowie im Zusammenhang mit den finanziellen Aktivitäten von Herrn Epstein vorgestellt worden, teilte die Bank mit und schloss nicht aus, dass persönlichere Kontakte auf privater Basis stattgefunden haben. Im Jahr 2025 berichtete das Wall Street Journal zudem von dem 25 Millionen Dollar-Beratungsmandat mit Epstein. 

Keine Rechtsverletzung

Bei der Bank bemüht man sich auf Anfrage von finews darauf hinzuweisen, dass die Veröffentlichung der Dokumente durch das US-Justizministerium (DOJ) keine aufsichtsrechtlichen Fragen aufwerfen: «Wir bekräftigen, dass die Gruppe keine Partei der US-Verfahren im Zusammenhang mit Herrn Epstein ist.» 

Frau de Rothschild habe keinerlei Kenntnis vom Verhalten oder den persönlichen Handlungen von Herrn Epstein gehabt. «Sie ist zutiefst schockiert über die in den vergangenen Jahren bekanntgewordenen Taten. Sie möchte erneut bekräftigen, dass sie ein solches Verhalten sowie die von ihm begangenen Verbrechen unmissverständlich verurteilt. Sie bedauert zutiefst, all dies nicht gewusst zu haben», schreibt das Institut weiter. 

«Wohl besser als die Realität» 

Skandale sind in der Regel Gift für die Kundenbeziehung. Insbesondere sehr vermögende Kunden ziehen es vor, wenig oder dann nur Positivnachrichten von ihrer Bank in der breiten Öffentlichkeit zu sehen. 

Im Falle von der Bank Edmond de Rothschild dürfte es jedoch nicht zu einem Kundenexodus kommen. Zwar heisst es intern, erste Beziehungen seien aufgelöst worden. Doch in Genf machen sich die Privathäuser keine falsche Hoffnungen. «Natürlich mag der eine oder andere Bankberater davon träumen, dass sich nun enttäuschte Kunden bei ihm melden. Aber mehr als Träume sind dies in der Regel nicht. Die Kundenbeziehung mag zwar deswegen belastet sein, aber so schnell räumt dann gleichwohl niemand sein Konto», sagt ein Privatbanker.

Ein anderer verweist auf den Brand: «Bank Edmond de Rothschild ist eine unglaublich starke Marke, wohl besser als die Realität.»