Umfrage zum Bankenplatz: Vertrauen im Alltag, aber wachsende Erwartungen
Von Roman Studer, CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung
Die aktuelle Meinungsumfrage der SBVg zum Schweizer Bankenplatz zeigt: Wirtschaftsfragen rücken angesichts globaler Verschiebungen stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Bevölkerung nimmt die Neuordnung wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen nicht als abstrakten Trend wahr, sondern als unmittelbare Herausforderung für zentrale Schweizer Schlüsselbranchen. Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung der Banken als tragende Säule der Volkswirtschaft erneut bestätigt. Gleichzeitig steigen auch die Erwartungen an die Branche.
Hausbank als verlässliche Konstante
Der Bankenplatz wird insgesamt positiv beurteilt, und sein Beitrag zu Stabilität, Finanzierung und Beschäftigung bleibt anerkannt. Zugleich treten kritische Punkte stärker in den Vordergrund: Der Vorwurf einer zu starken Profitorientierung, Zweifel an der tatsächlichen Wirkung von Nachhaltigkeitsmassnahmen und die Erinnerung an vergangene Branchenereignisse wie die Finanzkrise und die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS prägen das Gesamtbild. Eine stabile Konstante zeigt sich bei der persönlichen Erfahrung mit der Hausbank: Diese wird deutlich positiver bewertet als der Bankenplatz insgesamt.
«Kritik richtet sich damit weniger an einzelne Institute, sondern vor allem an die Branche als Ganzes.»
Die im Alltag erlebte Dienstleistungsqualität und die Verlässlichkeit im direkten Kontakt schaffen Vertrauen, das über die Jahre stabil bleibt. Kritik richtet sich damit weniger an einzelne Institute, sondern vor allem an die Branche als Ganzes.
Wettbewerbsfähigkeit und Digitalisierung unter Druck
Auch die Einschätzung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit spiegelt die aktuelle Unsicherheit wider. Die traditionellen Stärken der Schweiz – politische und wirtschaftliche Stabilität, gut ausgebildete Fachkräfte und der Schutz der Privatsphäre – werden weiterhin geschätzt, aber nicht mehr als selbstverständlich wahrgenommen. Eine Mehrheit erwartet, dass geopolitische Spannungen, neue Regulierungen und technologische Entwicklungen den Wettbewerbsdruck erhöhen und bestehende Standort-Vorteile schwieriger zu halten sein werden.
«Banken müssen ihre eigene Rolle besser erklären.»
Die Digitalisierung wird von vielen weiterhin als Chance betrachtet, jedoch mit zunehmenden Vorbehalten. Effizienzgewinne und bessere Dienstleistungen werden anerkannt, doch parallel wächst die Sorge vor Sicherheitsrisiken, einem Rückgang persönlicher Kontakte und dem Abbau von Arbeitsplätzen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz verstärkt diese ambivalente Wahrnehmung: Ihr Potenzial wird gesehen, aber Fragen rund um Transparenz und Kontrolle bleiben bestehen. Für breite Akzeptanz muss digitale Entwicklung daher mit klaren Regeln, hohen Sicherheitsstandards und dem Aufbau entsprechender Kompetenzen einhergehen.
Klarer Auftrag an die Banken
Für die Banken ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Sie müssen ihren wirtschaftlichen Beitrag weiter leisten und zugleich nachvollziehbar machen, wie sie auf die veränderten geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagieren. Dazu gehört, die eigene Rolle – in der Sicherung von Stabilität, der Finanzierung der Wirtschaft, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Förderung nachhaltiger Entwicklung – konkret zu belegen und besser zu erklären.
Dabei reicht es nicht mehr, Absichten zu formulieren – die Banken müssen künftig auch konkret liefern und ihre Fortschritte transparent darlegen. Im Bereich Nachhaltigkeit zählen künftig weniger Absichtserklärungen als konkret nachweisbare Fortschritte. Und bei der Digitalisierung kommt es darauf an, technologische Innovation mit klarer Governance, hohen Sicherheitsstandards und einer weiterhin starken Kundenbeziehung zu verbinden.












