Deutsch-französisches Powerplay im Schweizer Firmenkundengeschäft
Meine Herren, Commerzbank Schweiz und Oddo BHF arbeiten im Firmenkundengeschäft schon länger zusammen. Wie sieht die Rollenverteilung aus?
Marc Steinkat: Wir sind in der Schweiz klar auf Corporate- und Institutional-Kunden fokussiert. Unser Anspruch ist es, die internationale Hausbank für Schweizer Unternehmen zu sein. Die Schweiz ist extrem exportorientiert. Wer hier wachsen will, muss zwangsläufig international denken. Genau dort setzen wir an.
Traditionell lag der Fokus vieler Schweizer Banken auf Wealth Management und Vermögensverwaltung. Das exportbegleitende Geschäft für Unternehmen wurde dagegen weniger stark abgedeckt. Die Commerzbank bringt hier ihre internationale Plattform in mehr als 40 Standorten sowie ein Netzwerk von 1'300 Korrespondenzbanken ein. Wir begleiten heute rund 30 Prozent des deutschen Exports und etwa 19 Prozent des europäischen Exports. Diese internationale Infrastruktur in den wichtigsten Regionen der Welt stellen wir auch Schweizer Unternehmen zur Verfügung.
«Die Partnerschaft funktioniert deshalb so gut, weil wir sehr komplementär aufgestellt sind.»
Unsere Expertise als Commerzbank umfasst Handels- und Exportfinanzierungen, Risikoabsicherungen, Kreditentscheidungen, die wir aus der Schweiz heraus beraten und auch entscheiden, sowie Kapitalmarkttransaktionen. Genau dort ergänzt uns die Partnerschaft mit Oddo BHF hervorragend – etwa im Bereich Research.
Welches sind in Ihren Augen die Vorteile, Herr Zahn?
Christian Zahn: Die Partnerschaft funktioniert deshalb so gut, weil wir sehr komplementär aufgestellt sind. Oddo BHF versteht sich als Wealth-Management-Haus mit starker Investmentbank. Im klassischen Firmenkundengeschäft verfügen wir nicht über dieselbe Bilanzstärke wie eine Commerzbank. Wir fokussieren uns daher stark auf Unternehmerfamilien – häufig internationale Unternehmer mit engem Bezug zur Schweiz. Gemeinsam decken wir dadurch sowohl die Unternehmensseite als auch die Vermögensseite ab.
Im Aktiengeschäft verfügen wir heute über eine Plattform mit 52 Spezialisten an zehn Standorten und acht Ländern. Dazu kommen rund 85 Analysten mit einer Abdeckung von etwa 850 europäischen Unternehmen.
Gemeinsam wollen wir eine europäische Alternative zu den grossen amerikanischen Investmentbanken darstellen.
Nun wurde die Partnerschaft verlängert. Weshalb eigentlich?
Zahn: Es ist relativ einfach. Es gibt ein Schriftstück dazu und das trägt ein Ablaufdatum. Deshalb wurde die Kooperation nun auch vertraglich verlängert.
Wir machen daraus bewusst kein grosses öffentliches Ereignis. Denn die Zusammenarbeit war nie infrage gestellt: Operativ läuft dies zwischen unseren beiden Häuser sehr gut ab.
Wie muss ich mir dies vorstellen?
Zahn: Wenn heute ein Schweizer Unternehmer mit uns über einen Börsengang, eine Kapitalerhöhung oder strategische Optionen spricht, sitzt in der Regel schnell ein gemeinsames Team von Oddo BHF und Commerzbank am Tisch. Das ist mittlerweile ein sehr eingespielter Prozess.
«Wir wachsen seit dem Verschwinden der Credit Suisse zweistellig.»
Ein wichtiger Bestandteil ist auch unsere Konferenz in Interlaken, die heuer in der zweiten Juniwoche stattfindet. Sie gehört mittlerweile zu den bedeutendsten Investorenkonferenzen der Schweiz. In diesem Jahr treffen Vertreter von 60 führenden Schweizer Unternehmen auf mehr als 120 internationale Grossanleger. Gerade amerikanische Investoren reisen dafür gezielt nach Europa. Das ist für Schweizer Unternehmen enorm wertvoll.
Steinkat: Die Konferenz lebt bewusst auch vom Standort. Interlaken schafft ein Umfeld, in dem echte Gespräche stattfinden. Der Fokus liegt dort auf Unternehmen, Investoren und dem direkten Austausch – nicht auf Show.
Sie investieren beide also weiter offensiv in den Schweizer Markt?
Steinkat: Definitiv. Die Schweiz ist für die Commerzbank gemeinsam mit Deutschland und Österreich ein Heimatmarkt. Wir betreuen hier rund 1’200 Corporate- und Institutional-Kunden und haben unsere Präsenz zuletzt nochmals deutlich ausgebaut.
Natürlich war das Verschwinden der Credit Suisse für den Finanzplatz insgesamt eine schlechte Nachricht. Gleichzeitig profitieren wir davon, dass viele Kunden und Mitarbeitende heute bewusst nach Alternativen suchen. Seitdem wachsen wir zweistellig. Bei zugesagten Krediten für Firmenkunden liegen wir in der Schweiz mittlerweile bei rund 16 Mrd. Franken.
Oddo BHF hat immer wieder die Wichtigkeit des Schweizer Marktes hervorgehoben. Wie gross ist das Wachstum bei Ihnen?
Zahn: Richtig, auch für uns ist die Schweiz einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Wir haben in den vergangenen Jahren gezielt neue Teams aufgebaut, sowohl im Wealth Management als auch im Corporate Finance. Zudem haben wir ein achtköpfiges Team an Aktienanalysten und Aktienbrokers eingestellt, mit dem wir heute bereits etwa 90 Schweizer Titel abdecken.
«Im Bereich Unternehmerfamilien sehen wir wenig Wettbewerb. Viele Banken konzentrieren sich auf sehr grosse Vermögen.»
Mit der Übernahme der ehemaligen Privatbank Landolt verfügen wir zudem über eine lange Schweizer Tradition. Gleichzeitig sehen wir heute eine grosse Lücke im Markt für Banken, die internationale Expertise mit einem klaren Unternehmerfokus verbinden.
Hat sich das Verhalten der Schweizer Unternehmen gegenüber internationalen Banken verändert?
Steinkat: Ja und nein. Schweizer Unternehmen bevorzugen grundsätzlich weiterhin Schweizer Lösungen. Wenn es aber keine ausreichende Schweizer Alternative für eine Problemstellung gibt oder nur noch einen dominierenden Anbieter, steigt die Offenheit für internationale Banken deutlich.
Das bedeutet aber auch: Als ausländische Bank muss man in der Schweiz besser, schneller und lokaler sein. Man braucht ein tiefes Verständnis des Marktes. Die Schweiz ist eben nicht «Stuttgart West».
Zahn: Wir verfolgen einen ähnlichen Ansatz. Unser Ziel ist es nicht, einfach eine deutsch-französische Bank in der Schweiz zu sein. Wir wollen eine Schweizer Plattform für die Schweiz aufbauen – mit lokalen Teams und lokalem Knowhow.
Genau deshalb investieren wir stark in lokale Mitarbeitende und lokale Entscheidungsstrukturen.
Wie stark spüren Sie die Konkurrenz durch andere internationale Banken?
Steinkat: Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber viele Institute unterschätzen, wie viel Aufbauarbeit notwendig ist. Internationales Firmenkundengeschäft, Handelsfinanzierung oder Exportbegleitung verlangen langjährige Erfahrung und eine funktionierende Infrastruktur.
Wir bewegen uns bewusst in einem für die Schweiz wichtigen Segment– und dort sehen wir weiterhin enormes Potenzial.
Zahn: Im Bereich Unternehmerfamilien sehen wir sogar relativ wenig Wettbewerb. Viele Banken konzentrieren sich auf sehr grosse Vermögen. Wir dagegen können Unternehmer sowohl privat als auch unternehmerisch begleiten – von individuellen Investmentansätzen über Nachfolgeplanung bis hin zu Kapitalmarkttransaktionen oder Finanzierungslösungen gemeinsam mit der Commerzbank.
«Agilität ist entscheidend – gerade in einem Markt wie der Schweiz.»
Das unterscheidet uns klar von vielen anderen Anbietern.
Wie geht es mit der Partnerschaft weiter?
Steinkat: So eine Partnerschaft darf nie statisch werden. Die Märkte verändern sich permanent. Deshalb überprüfen wir laufend, wo wir die Zusammenarbeit weiterentwickeln können.
Unser Anspruch ist klar: das Beste aus beiden Welten zu verbinden – lokale Schweizer Expertise und internationale Plattformen.
Zahn: Die formalisierte Partnerschaft ist dabei nur der Kern. Rundherum gibt es viele gemeinsame Projekte und Transaktionen. Wenn wir beispielsweise grössere Finanzierungsthemen sehen, sprechen wir sehr früh mit der Commerzbank. Diese Agilität ist entscheidend – gerade in einem Markt wie der Schweiz.
Marc Steinkat ist CEO der Commerzbank in der Schweiz. Er trat das Amt im September 2013 an. Er ist seit 40 Jahren in der Finanzindustrie tätig und davon 30 Jahre in unterschiedlichsten Führungsfunktionen bei der Commerzbank.
Christian Zahn ist Vorstand der Oddo BHF SE und leitet das Global Investment Banking der ODDO BHF Gruppe. Bevor er zu ODDO BHF kam, war Zahn Partner bei McKinsey & Company, wo er das Banken- und Versicherungsgeschäft in der Schweiz sowie die Asset und Wealth Management Practice in EMEA leitete und Mitglied des Leadership-Teams für Strategy & Corporate Finance war.















