Betrug ist keine Bankfrage – sondern eine Systemfrage
Die Schweizer Banken verfügen über ein hohes Sicherheitsniveau. Dies ist das Ergebnis konsequenter Investitionen in leistungsstarke Systeme, der Weiterentwicklung klarer Standards sowie der laufenden Sensibilisierung der Mitarbeitenden und Kundschaft. Gleichzeitig nimmt die Bedrohung zu: Die Täterschaft – von Einzeltätern bis zu international organisierten und agierenden Netzwerken – nutzen zunehmend Künstliche Intelligenz, um Angriffe zu automatisieren, zu skalieren und immer überzeugender zu täuschen.
Die polizeiliche Kriminalstatistik unterstreicht diese Entwicklung: Im Jahr 2025 wurden über 54'000 Fälle von Cyber-Wirtschaftskriminalität registriert, davon rund 40'000 Fälle von Cyberbetrug, beispielsweise durch Missbrauch von Online-Zahlungssystemen und fremden Identitäten, nicht gelieferter Ware über Kleinanzeigenplattformen oder auch Online-Anlagebetrug. Die Zahlen verdeutlichen nicht nur das Ausmass, sondern auch, warum die Frage nach wirksamer Prävention neu gestellt werden muss.
Souveränität durch Vernetzung
Die Schweizer Banken begegnen diesen Entwicklungen aus einer Position der Stärke und mit viel Erfahrung. Moderne Authentifizierungsverfahren und leistungsfähige Systeme erkennen verdächtige Transaktionen in (nahezu) Echtzeit. Doch Betrug lässt sich nicht allein «wegpatchen»: Wenn die Täuschung vor dem Login stattfindet, greifen selbst die besten Systeme zu spät. Um diese Kette wirkungsvoll zu durchbrechen – auch als «Crime Disruption» bezeichnet – reicht technologische Aufrüstung innerhalb der Banken nicht aus. Entscheidend ist der koordinierte Schulterschluss aller Akteure entlang der gesamten Betrugskette: Banken, Behörden, Telekommunikationsunternehmen, Plattformen und Zahlungsinfrastrukturen.
Richard Hess, Leiter Digital Finance bei der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), bringt die Ambition der Branche auf den Punkt: «Wir werden Betrug nie gänzlich eliminieren können. Aber wir müssen sicherstellen, dass wir als Allianz aus Banken, Behörden und Technologiepartnern schneller, smarter und besser vernetzt sind als diejenigen, die das System missbrauchen wollen. Ein wirksamer Schutz entsteht erst durch das lückenlose Zusammenspiel aller Akteure.»
Die Strategie der vernetzten Abwehr
Die strategische Grundlage dafür liefert die Branchenstudie «Collaborative Fraud Prevention» der SBVg. Sie identifiziert drei Hebel.
Erstens: Prävention durch Information. Initiativen wie EBAS, eine unabhängige Informationsplattform der Hochschule Luzern, oder card security, eine nationale Präventionsinitiative der Kartenindustrie, zeigen, das Aufklärung wirkt. Ein gut informierter Kunde, der die Warnsignale beim Login oder beim Karteneinsatz erkennt, ist die stärkste Brandmauer gegen Social-Engineering-Angriffe, bei denen Manipulationstechniken, gezielt den Faktor Mensch ausnutzen.
Zweitens: Technische Signale auf Netzwerk-Ebene. Ziel ist es, Betrugsmuster im Netzwerk zu identifizieren und risikorelevante Hinweise bereits bei der Zahlungsauslösung zu berücksichtigen – datenschutzkonform und ohne zusätzliche Reibung für die Kundschaft.
Drittens: Branchenübergreifende Zusammenarbeit. Wenn Zeit der kritische Faktor ist, braucht es schnelle Kontaktwege, klare Zuständigkeiten und persönliche wie auch institutionalisierte Netzwerke – ganz im Sinne von «in Krisen Köpfe kennen».
Warum das alles nicht trivial ist
Wer fordert «Banken sollen halt alles sperren», unterschätzt die Realität. Wirksame Betrugsprävention muss Sicherheit stets mit Rechtsstaatlichkeit, Privatsphäre und dem Risiko von Fehlalarmen austarieren. Genau deshalb braucht es ein Ökosystem Modell. Zudem kennt Betrug keine Grenzen. Der im März 2026 durchgeführte Global Fraud Summit in Wien hat bestätigt, dass cyberbasierter Betrug zu den prägendsten Bedrohungen zählt. Künstliche Intelligenz beschleunigt dabei sowohl Angriffe als auch Verteidigung. Nationale Ansätze müssen deshalb auch sinnvoll international eingebettet werden.
Fazit: Vertrauen durch Zusammenarbeit
Für die Kundinnen und Kunden der Schweizer Banken bedeutet dieser Ansatz vor allem eines: mehr Sicherheit. Die Banken warten nicht ab, sondern gestalten die Rahmenbedingungen für digitale Sicherheit aktiv mit.
Betrugsbekämpfung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Indem die Banken den Schulterschluss mit anderen Branchen und der Polizei suchen, schliessen sie Lücken in der digitalen Abwehrkette. Es geht darum, schneller, smarter und vor allem besser vernetzt zu sein als die Gegenseite. So bleibt die Schweiz auch im Zeitalter der künstlichen Intelligenz ein sicherer Hafen für digitale Finanzdienstleistungen.
Dieser Beitrag erscheint in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Bankiervereinigung.












