Sygnum-Mitgründer: «Trotz Turbulenzen bleibt der langfristige Trend intakt»

Parallel in der Schweiz und in Singapur entstanden, wurde Sygnum von Anfang an als regulierte Digital-Asset-Bank und Brücke zwischen Europa und Asien konzipiert. Der Mitgründer und CEO von Sygnum Asia-Pacific, Gerald Goh, prägt diese weltumspannende Architektur seit 2017.

Obwohl der Enthusiasmus für Krypto derzeit am Markt auf die Probe gestellt wird, berichtet er von hoher Nachfrage: Die jüngste Studie von Sygnum zu asiatischen HNWI-Investoren deutet darauf hin, dass digitale Vermögenswerte dort im Mainstream angekommen sind.


Herr Goh, wo entstand eigentlich die Idee für Sygnum?

Das war 2017 in Singapur rund um das Singapore Fintech Festival. Meine drei Mitgründer – Luka Müller, Manuel Krieger und Mathias Imbach – und ich wurden durch eine gemeinsame Vision zusammengeführt: Menschen auf der ganzen Welt einen vertrauenswürdigen Zugang zu digitalen Vermögenswerten zu erschliessen.

War es am Anfang eher als Singapur- oder als Schweiz-Projekt gedacht?

Uns war klar, dass wir in Singapur oder in der Schweiz – zwei zukunftsgerichteten und innovativen globalen Finanzplätzen – irgendwann die notwendige regulatorische Offenheit finden würden, um digitale Vermögenswerte in den Finanzsektor zu integrieren. Was wir damals 2018 noch nicht absehen konnten, war, welcher Regulator zuerst vorangehen würde.

Sie haben also faktisch gleichzeitig in beiden Jurisdiktionen gegründet.

Ja. Rückblickend war es absolut richtig, von Anfang an mit beiden Regulatoren zu arbeiten. Entsprechend ist Asia-Pacific seit Beginn fest in der DNA von Sygnum verankert.

«Was wir damals 2018 noch nicht wussten, war, welcher Regulator zuerst vorangehen würde.»

Was war die wirtschaftliche Logik hinter dieser Doppelstruktur?

Wir haben Singapur und die Schweiz stets als vertrauenswürdige und führende Finanzzentren in ihren jeweiligen Weltgegenden betrachtet. Von diesen beiden Standorten aus adressieren wir Europa über die Schweiz und Asia-Pacific über Singapur. Die Finma und die MAS gehörten zu den ersten Aufsichtsbehörden, welche die transformative Kraft der Blockchain-Technologie verstanden. Es war so gesehen eine Verbindung aus dem Besten beider Welten.

Von aussen betrachtet wirkt Sygnum Asia etwas stärker B2C-orientiert als Sygnum in der Schweiz, wo man schwerpunktmässig auf B2B setzt.

In Singapur haben wir sowohl einen B2C- als auch einen B2B-Kanal. Aktuell ist das Geschäft jedoch stärker B2C-geprägt. Wir haben deutlich mehr direkte Kunden als Bankpartner. In der Schweiz arbeiten wir hingegen mit mehr als 20 Banken zusammen und sind Marktführer im B2B-Bereich.

Warum ist die institutionelle Krypto-Adoption in Singapur langsamer verlaufen?

Wir stehen seit Jahren im Austausch mit lokalen Banken und auch externen Vermögensverwaltern (EAMs). Dennoch war die Dynamik beim Aufbau regulierter Digital-Asset-Angebote lange verhaltener als in anderen Regionen, da diese Institute dem Thema mit mehr Skepsis und Vorsicht begegneten.

«Die regulatorische Klarheit aus den USA war entscheidend.»

Woran lag das konkret?

Es gibt mehrere Gründe, aber ein zentraler Faktor war die regulatorische Unsicherheit unter der vorherigen US-Regierung. Das hat viele B2B-Partner in Singapur davon abgehalten, die Chancen im Bereich digitaler Vermögenswerte offensiver zu verfolgen.

Das hat sich inzwischen geändert?

Ja. Die regulatorische Klarheit aus den USA war entscheidend. Mit den 2025 verabschiedeten Massnahmen – darunter der Genius Act, kryptofreundliche Ernennungen in den Behörden sowie die mögliche Verabschiedung des Clarity Act – wächst die Überzeugung, dass sich diese Anlageklasse dauerhaft etabliert. Die grösste Sorge, nämlich der regulatorische Bezug zu den USA, ist weitgehend verschwunden. Banken und EAMs können nun mit deutlich mehr Vertrauen in entsprechende Angebote investieren.

Kommen wir zu Ihrer Kundschaft in Asien. Wen bedienen Sie konkret?

Als Gruppe bedienen wir den Retailmarkt nicht direkt. Unsere direkten Kunden sind vermögende Privatkunden, Family Offices, institutionelle Investoren und Unternehmen. Auf der B2B- beziehungsweise B2B2C-Seite arbeiten wir mit Multi Family Offices, EAMs, Banken und anderen regulierten Finanzinstituten zusammen.

«Rund 75 Prozent unserer Kundschaft in Singapur sind lokal ansässige Familien oder Institutionen.»

Ist der Retailmarkt damit komplett ausgeschlossen?

Direkt bedienen wir ihn nicht, indirekt jedoch über Bankpartner. Wir erwarten, dass das B2B-Geschäft in Asien weiter skaliert, und befinden uns in fortgeschrittenen Gesprächen mit mehreren grossen Banken in Südostasien und Nordasien.

Sind Sie geografisch primär auf Singapur fokussiert?

Wir können Kunden aus ganz Asien bedienen, sofern wir die jeweiligen regulatorischen Rahmenbedingungen im grenzüberschreitenden Geschäft einhalten. Singapur fungiert dabei als regionaler Hub, ähnlich wie bei vielen Schweizer Privatbanken. Rund 75 Prozent unserer Kunden in Singapur sind lokal ansässig, etwa 25 Prozent stammen aus Malaysia, Indonesien und Hongkong.

Welche weiteren Märkte in Asien sind für Sie strategisch relevant?

Asien ist sehr heterogen. Singapur verfügt zum Beispiel über ein reifes regulatorisches Umfeld für digitale Vermögenswerte. Gleichzeitig treiben grosse Volkswirtschaften wie Hongkong, Japan und Südkorea die Regulierung in Bereichen wie Verwahrung, Handel und ETFs voran. Auch Schwellenländer wie Vietnam oder Bhutan entwickeln eigene Rahmenwerke. Die Entwicklung ist unterschiedlich schnell, aber insgesamt geht es klar schneller vorwärts.

«Die grosse Mehrheit der Befragten hatte bereits eine Krypto-Allokation.»

Ihre jüngste Studie zu asiatischen HNWI, über die auch finews.asia berichtet hat, zeigt, dass die Investoren, die nicht in Krypto investieren, mittlerweile in der Minderheit sind. Sind digitale Vermögenswerte im Private Wealth angekommen?

Das war das klarste Ergebnis dieser jährlichen Studie seit ihrer Lancierung vor vier Jahren. Erstmals waren Nicht-Investoren deutlich in der Minderheit. Die grosse Mehrheit hatte bereits eine Krypto-Allokation. Wir hatten diese Entwicklung irgendwann erwartet, aber das Tempo hat uns doch überrascht.

Die Studie zeigt typische Allokationen von 10 bis 20 Prozent.

Ja. Der Trend zu höheren Allokationen ist über die Jahre hinweg klar erkennbar. Bemerkenswert ist auch, dass viele Investoren ihre Positionen halten oder sogar ausbauen wollen. Nur wenige planen eine Reduktion.

Könnte das auch an der Auswahl der Studienteilnehmer liegen?

Das ist eine berechtigte Frage. Wir hatten über 200 bestätigte Teilnehmer und haben mit einem unabhängigen Anbieter zusammengearbeitet. Eine gewisse Verzerrung lässt sich nie vollständig ausschliessen, aber entscheidend ist der klare Trend: Die Krypto-Allokationen steigen kontinuierlich.

«Viele Befragte sehen Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel und als Schutz vor Währungsabwertung.»

Ein weiteres zentrales Ergebnis: Sicherheit und Verwahrung sind wichtiger als Rendite.

Die sichere Verwahrung und das Gegenparteirisiko stehen heute im Vordergrund. Viele Investoren haben durch FTX oder Hacking-Vorfälle schlechte Erfahrungen gemacht. Mit dem Übergang zu einer breiteren Anlegerbasis gewinnt die Zusammenarbeit mit regulierten Anbietern stark an Bedeutung.

Viele halten Bargeld über fünf Jahre für riskanter als Bitcoin. Warum?

Zum Zeitpunkt der Umfrage war das Thema Währungsabwertung sehr präsent. Viele sehen Bitcoin als Absicherung dagegen und als  Wertaufbewahrungsmittel.

Gleichzeitig befinden sich die Märkte in einer schwierigen Phase. Wie passt das zusammen?

Ob Bitcoin diese beiden Eigenschaften langfristig erfüllt, ist noch offen. Historisch haben Investoren, die regelmässig in diese Anlageklasse investiert haben, jedoch gut abgeschnitten. Als Pioniere im regulierten Digital-Asset-Bereich bleibt unsere Überzeugung bestehen, auch wenn sie immer wieder auf die Probe gestellt wird. Die Technologie – insbesondere die Tokenisierung realer Vermögenswerte – wird ein langfristiger Trend über Jahrzehnte hinweg sein. Die Volatilität bleibt, doch die langfristige Entwicklung digitaler Vermögenswerte ist intakt.


Gerald Goh ist Mitgründer von Sygnum sowie CEO von Sygnum APAC.