Sygnum baut Führungsteam aus und setzt auf KI-gestützte Expansion

Die auf digitale Vermögenswerte spezialisierte Bankengruppe Sygnum richtet ihre Führungs- und Governance-Strukturen neu aus. Ziel sei es, die organisatorische Resilienz zu stärken, die globale Expansion zu beschleunigen und gleichzeitig die Kundennähe weiter auszubauen, wie das Unternehmen am Donnerstag anlässlich seiner Generalversammlung mitteilte.

Im Zentrum der Anpassungen steht eine Erneuerung des Verwaltungsrats sowie der regionalen Führungsstruktur. Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurde Martina Stettler. Die frühere Managing Director von UBS und Credit Suisse war unter anderem federführend bei rechtlichen und regulatorischen Fragen im Zusammenhang mit der Integration der beiden Grossbanken. Sie soll ihre Erfahrung insbesondere in den Bereichen Governance, Compliance und Risikomanagement einbringen.

«Ich freue mich, Sygnum in einem so entscheidenden Moment für die Branche zu unterstützen und gemeinsam mit einem innovativen Team die Zukunft des Finanzsystems mitzugestalten», erklärte Stettler in der Mitteilung.

Mehrere Abgänge im Verwaltungsrat 

Im Zuge der Neuausrichtung kommt es auch zu mehreren Abgängen im Verwaltungsrat. Open-Source-Spezialist Fernando Luis Vázquez Cao tritt aus dem Gremium zurück. Auch Mitgründer Luka Müller stellt sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wiederwahl; er bleibt Sygnum jedoch als Chairman Emeritus und Mitglied des Advisory Boards erhalten. Ebenso scheidet Kim Leng Chua, langjähriges unabhängiges Verwaltungsratsmitglied in Singapur und Vorsitzender des AML-Komittees, aus; gemäss der Mitteilung wird er Sygnum weiterhin mit seiner Expertise unterstützen und dem Unternehmen eng verbunden bleiben.

Verwaltungsratspräsidentin Gabriela Maria Payer betonte, Sygnum wolle trotz des rasanten Wachstums eine wertebasierte Unternehmenskultur bewahren. Gleichzeitig müsse die Organisation robuster und global skalierbarer werden.

Neue Führungsstruktur in Europa und Asien

Auch auf operativer Ebene setzt Sygnum auf eine stärkere regionale Aufstellung. Ab August übernimmt Reto Marx die Leitung von Sygnum Singapur. Der langjährige Wealth-Management-Manager soll die Wachstumsstrategie im asiatisch-pazifischen Raum weiter vorantreiben.

Mitgründer Gerald Goh wechselt gleichzeitig in die neu geschaffene Rolle des Executive Chairman APAC. Er soll sich künftig stärker auf Kapitalmarktaktivitäten, Fundraising sowie strategische Partnerschaften konzentrieren.

In Europa übernimmt Simon Schneider mit sofortiger Wirkung die Rolle des CEO Europe. Damit will Sygnum das Wachstum im EU-Raum beschleunigen.

Parallel dazu schafft die Gruppe eine eigene Führungsfunktion für den Bereich Private Wealth. Damit reagiert Sygnum auf die zunehmend unterschiedlichen Anforderungen von vermögenden Privatkunden und institutionellen Investoren.

Milliarden-Zuflüsse und Bank-to-Bank-Geschäft

Operativ blickt Sygnum auf ein dynamisches Jahr zurück. Anfang 2025 schloss die Gruppe eine überzeichnete Finanzierungsrunde ab und erreichte damit Unicorn-Status. Gleichzeitig flossen dem Unternehmen mehr als 1 Milliarde Dollar an Neugeldern zu.

Besonders stark entwickelte sich laut Sygnum das sogenannte Bank-to-Bank-Geschäft. Die Erträge in diesem Bereich stiegen um 70 Prozent. Zu den Partnern zählen unter anderem die Postfinance sowie die Zuger Kantonalbank.

Beteiligung an Stablecoin-Initiative

Auch im Bereich tokenisierter Finanzlösungen baute Sygnum seine Position weiter aus. Gemeinsam mit UBS, Postfinance, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank, Banque Cantonale Vaudoise und Swiss Stablecoin arbeitet die Gruppe derzeit an einer gemeinsamen Sandbox für einen Franken-Stablecoin.

Zudem meldete Sygnum Fortschritte bei tokenisierten Geldmarktfonds, Cold-Custody-Lösungen sowie KI-gesteuerten Digital-Asset-Transaktionen. Nach Angaben der Bank wurden erstmals vollständig KI-basierte Transaktionen durch eine regulierte Schweizer Bank durchgeführt.