BCG-Studie: Warum der Finanzplatz beim Digital-Asset-Boom unter Zugzwang gerät

Die Tokenisierung von Vermögenswerten entwickelt sich laut einer neuen Studie der Boston Consulting Group zunehmend vom Zukunftsthema zum strategischen Wachstumsfeld für Banken, Vermögensverwalter und Finanzinfrastrukturanbieter.

Besonders gross dürfte die Relevanz dabei für die Schweiz sein: Der Finanzplatz verfügt zwar über einen regulatorischen Vorsprung und eine starke Ausgangslage im Bereich Digital Assets – gleichzeitig steigt jedoch der internationale Wettbewerbsdruck markant.

Die Studie zeigt, dass tokenisierte Vermögenswerte weltweit stark an Bedeutung gewinnen dürften. Dabei gehe es längst nicht mehr nur um Kryptowährungen, sondern zunehmend auch um die Digitalisierung klassischer Finanzanlagen wie Anleihen, Fonds, Private Markets oder Immobilien.

Schweiz verfügt über strategischen Vorsprung

Gerade die Schweiz gilt international als einer der fortschrittlichsten Standorte im Bereich Digital Assets. Dazu beigetragen haben unter anderem die frühe DLT-Gesetzgebung, das Crypto Valley in Zug sowie die hohe Innovationsbereitschaft etablierter Finanzhäuser.

Institutionen wie UBS, Postfinance, Sygnum oder SIX Group investieren derzeit stark in den Ausbau digitaler Infrastrukturen und tokenisierter Dienstleistungen.

Die Autoren der Studie sehen insbesondere in den Bereichen Wealth Management, Alternative Anlagen und Private Markets erhebliche Wachstumspotenziale. Gerade Schweizer Banken und Vermögensverwalter könnten von ihrer internationalen Kundschaft sowie ihrer starken Positionierung im grenzüberschreitenden Vermögensgeschäft profitieren.

Tokenisierung wird zum Infrastrukturthema

Zunehmend entwickelt sich die Tokenisierung laut der Studie von einem Nischenthema zu einer grundlegenden Infrastrukturfrage für die Finanzindustrie. Digitale Register, automatisierte Prozesse und programmierbare Vermögenswerte könnten bestehende Wertschöpfungsketten erheblich verändern.

Besonders relevant sei dies für Finanzplätze mit hoher internationaler Vernetzung wie die Schweiz. Denn dort könnten Effizienzgewinne, schnellere Abwicklungen sowie neue Produktstrukturen einen direkten Wettbewerbsvorteil schaffen.

Gleichzeitig steigt jedoch der Druck auf traditionelle Anbieter. Internationale Grossbanken, Technologieunternehmen und spezialisierte Fintechs investieren weltweit massiv in entsprechende Plattformen und digitale Asset-Ökosysteme.

Schweizer Banken stehen vor strategischen Entscheidungen

Für viele Schweizer Institute stellt sich laut Marktbeobachtern deshalb zunehmend weniger die Frage, ob Digital Assets relevant werden, sondern wie schnell entsprechende Geschäftsmodelle skaliert werden können.

Insbesondere im Wealth Management dürfte die Nachfrage institutioneller und vermögender Kunden nach tokenisierten Anlagen, digitalen Fondsstrukturen und effizienteren Handels- sowie Verwahrungslösungen weiter zunehmen.

Digitale Ökosysteme als Wettbewerbsfaktor

Der Wettbewerb könnte sich dabei künftig nicht mehr nur über klassische Beratungskompetenz definieren, sondern verstärkt auch über technologische Infrastruktur, regulatorische Kompetenz und den Zugang zu digitalen Ökosystemen.

Die BCG-Studie deutet damit auch auf eine strategische Verschiebung hin: Digital Assets entwickeln sich zunehmend vom Innovationsprojekt zu einem zentralen Bestandteil der künftigen Finanzmarktarchitektur.