Erben als «Bedrohung» für Berater

Gemäss der Studie werden in den nächsten 20 Jahren weltweit die unglaubliche Summe von über 84’000 Milliarden US-Dollar vererbt. Die Vermögensberatung stehe vor tiefgreifenden Veränderungen, da Erben entscheiden müssen,wem sie die Verwaltung ihrer Vermögen anvertrauen, heisst es in einer Mitteilung zum Bericht «The Great Wealth Transfer» von Natixis Investment Managers (Natixis IM). 

Die Umfrage zeigt, dass 46 Prozent der Berater diesen Vermögenstransfer als existenzielle Bedrohung für ihr Geschäftbetrachten, während ein Drittel angibt, bereits aufgrund generationenbedingter Abflüsse erhebliche Vermögenswerte verloren zu haben.

Frauen wechseln etwas häufiger

In der Schweiz liege die Herausforderung weniger im Gesamtvolumen der Abflüsse als vielmehr in den Auswirkungen jedes einzelnen Kundenverlusts. Selbst im hochpreisigen Segment des Private Bankings bleibe die Kundenbindung ein zentrales Thema. So betrachten 61 Prozent der Berater in der Schweiz den Vermögenstransfer als Bedrohung. Diese Einschätzung ist insbesondere auf die hohe Konzentration vermögender und sehr vermögender Kunden (HNW und UHNW) zurückzuführen. 

Der Bericht zeigt zudem, dass die Anleger hinsichtlich der Wahl des Vermögensverwalters für ihr geerbtes Vermögen gespalten sind. Die Babyboomer sind mit 66 Prozent am ehesten bereit, ihre Vermögenswerte an einen neuen Berater zu übertragen oder dies in Betracht zu ziehen, während jüngere Anleger stärker auf Kontinuität setzen. So planen 48 Prozent der Anleger der Generation X, ihre Vermögenswerte beim bestehenden Berater zu belassen, ebenso wie 50 Prozent der Millennials. Gemäss der Umfrage tendieren Männer etwas stärker dazu, beim bisherigen Berater zu bleiben (47 Prozent), während 56 Prozent der Frauen einen Wechsel in Betracht ziehen.

Performance ist nicht alles

Berater, die sich die Zeit nehmen, die Familien ihrer Kunden besser kennenzulernen, verfügten über einen entscheidenden Vorteil bei der Sicherung der verwalteten Vermögen. Die Ergebnisse zeigten, dass dieser Beziehungsaspekt für die Kundenbindung stärker ins Gewicht fällt als andere Faktoren. Zwar zählt die Anlageperformance zu den wichtigsten Gründen für die Loyalität (23 Prozent), spielt jedoch bei Abwanderungsentscheidungen eine deutlich geringere Rolle.

So gaben lediglich 8 Prozent der Befragten an, ihren Berater aufgrund einer unzureichenden Verwaltung des Vermögens ihrer Eltern verlassen zu haben. Vor diesem Hintergrund sind 76 Prozent der befragten Berater der Ansicht, dass die wirksamste Strategie zur Sicherung von Vermögen im Zuge von Vermögensübertragungen im Aufbau langfristiger Beziehungen zur gesamten Familie besteht.

Carolin Hefele, Managing Director für die deutschsprachige Schweiz und Liechtenstein bei Natixis IM, erklärt: «Die Generationenkluft stellt für Berater eine zentrale Herausforderung dar – auch in der Schweiz, wo die Anforderungen an die Kundenbindung besonders hoch sind. Unterschiedliche Interessen und Erfahrungen zwischen den Investoren zwingen Berater dazu, ihre Kundenbeziehungen zu überdenken, Anlagestrategien anzupassen und ihre Dienstleistungsangebote weiterzuentwickeln.»

Generationenwechsel verändert Anlegererwartungen

Die befragten jüngeren Anleger zeigen ein ausgeprägtes Interesse an bestimmten Anlageklassen und Produktstrukturen, insbesondere an privaten Märkten, Kryptowährungen und aktiven ETFs. 

Über die Generationenunterschiede hinaus beeinflusse auch das Geschlecht die Erwartungen an Berater. Frauen bezeichnen sich häufiger als vorsichtige Anlegerinnen als Männer (41 Prozent gegenüber 32 Prozent) und seien sich ihres strukturellen Nachteils bei der Altersvorsorge besonders bewusst – bedingt durch eine höhere Lebenserwartung sowie durch familienbedingte Erwerbsunterbrüche.

Automatisierter Beratung und viel Vertrauen

Berater müssen laut Natixis das wachsende Vertrauen jüngerer Generationen in Technologien einbeziehen, um geerbte Vermögen zu sichern. Mit den Fortschritten in der künstlichen Intelligenz geben 57 Prozent der Millennials und 49 Prozent der Anleger der Generation X an, eher bereit zu sein, auf automatisierte Beratungslösungen zurückzugreifen – gegenüber lediglich 34 Prozent bei den Babyboomer. Das Renditepotenzial spielt dabei eine entscheidende Rolle: 56 Prozent der Millennials sind der Ansicht, dass KI-gestützte Beratung die Performance deutlich verbessern kann.

Trotz dieses Interesses an digitalen Lösungen bevorzugen Anleger weiterhin die menschliche Expertise. Das Vertrauen in Finanzberater bleibt sehr hoch: 90 Prozent der Millennials, 91 Prozent der Generation X und 94 Prozent der Babyboomer geben an, sich bei ihren Anlageentscheidungen auf diese zu verlassen.